Wut

Roman
€ 22.7
Lieferung in 2-7 Werktagen
-
+
Kurzbeschreibung des Verlags:



Das Erbe des Krieges, der Schrecken einer Kindheit und ein Junge, der nicht vergessen kann

Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind.Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los.
Ein Roman darüber, wie schwer es ist, die Wunden der Kindheit zu heilen.

weiterlesen
FALTER-Rezension

Frank hat sich verbarrikadiert. Er ist zwölf oder 13, vor seine Zimmertür hat er einen Tisch und Stühle geschoben. Doch es ist sinnlos. „Ich krieche unters Bett. Sie holt den Besen, mit dem Besen schlägt und stochert sie unter dem Bett nach mir. Dabei schreit sie: ‚Komm raus, Drecksau, verkriech dich nicht, du Stück Scheiße.‘“ Als Frank dann wieder vor ihr steht, nimmt sie ihm die Brille ab und ohrfeigt ihn. „Maria hat meiner Erinnerung nach fast immer ins Gesicht geschlagen.“ Hin und wieder nahm sie den Gürtel oder ein nasses Handtuch, manchmal spuckte sie ihn an. Dabei brüllte und weinte sie. Ganz im Gegensatz zu ihrem Sohn, der lachte oder regungslos blieb. Wenn sie fertig war, schien sie erleichtert, war sogar liebevoll zu Frank.

In seinem neuen Roman „Wut“ schreibt der deutsche Kolumnist und Schriftsteller Harald Martenstein über das verpfuschte Leben einer Frau der Nachkriegsgeneration, die ihre Frustration und ihren Schmerz an ihrem Kind abreagiert.

Die autobiografisch geprägte Geschichte erzählt Martenstein aus der Sicht von Frank, der als Erwachsener auf seine Kindheit zurückblickt. Doch anstatt die Mutter, Maria, anzuklagen, versucht der Erzähler, sie zu verstehen und rekonstruiert ihren Lebenslauf. Maria selbst wurde als junges Mädchen Gewalt, auch sexuelle, angetan. Sie sollte im Bordell der Tante mitarbeiten, kurzzeitig landete sie in einer Klosterschule. Der Erzähler beobachtet sich selbst und seine Wut, die ihm die Mutter vererbt hat. „Sie hat ihre Wut in dich hineingepflanzt, Kleiner“, sagt Frank zu seinem kindlichen Ich. „Ich würde dich gern aus dem Gefängnis befreien. Aber wir beide sind wohl dazu verurteilt, gemeinsam zu sterben.“

Neben der Biografie der Mutter berichtet Frank auch über sein eigenes Fortkommen. Wie er Gagschreiber für mittelmäßige Comedians wird, welche Schwierigkeiten er in Beziehungen zu Frauen hat und was geschah, als er versuchte, seine Mutter mit dem, was sie ihm angetan hatte, zu konfrontieren.

Es ist ein Roman, der in all seiner Härte weich und zärtlich ist, sogar versöhnlich. Nüchtern und gleichzeitig einfühlsam gelingt es Martenstein, diese grausame Kindheit greifbar zu machen.

Stefanie Panzenböck in Falter 11/2021 vom 19.03.2021 (S. 34)

weiterlesen
Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783550201202
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 01.02.2021
Umfang 272 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Ullstein Buchverlage
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Max Haushofer, Martin Otter, Martin Otter
€ 29,90
Raoul Sternberg
€ 20,50
Henryk Berkowitz, Michael Farin, Hans Schmid
€ 27,80
Will Berthold, Michael Farin
€ 39,10
Bernd Mattheus
€ 15,50
Paul Gurk
€ 26,00
Una Chi, Barbara Kleiner
€ 18,50
Pierre Loti, Asma Semler, Michael Farin
€ 28,80