Herrn Hases haarsträubende Abenteuer, Band 3
Slaloms

von Lewis Trondheim

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 47/1999

Liebe auf den dritten Blick

Mit einiger Verspätung kommen die unspektakulären, aber nichtsdestotrotz innovativen Comics von Lewis Trondheim auf den deutschsprachigen Markt: witzige und selbstironische Alltagsgeschichten für urbane Thirty-somethings.

Als Nachnamen wollte ich einen Städtenamen, aber Lewis Bordeaux oder Lewis Toulouse klang nicht so gut. Da fiel mir diese Stadt ein, Trondheim ..." Und seitdem fallen dem französischen Zeichner und Texter unter dem Pseudonym Lewis Trondheim jede Menge witziger, von einem neuen Erzählstil geprägter Geschichten ein, von denen in den Neunzigerjahren jedes Jahr mindesten drei oder vier neue Alben erschienen.

Trondheims Comics waren wegweisend für die Entwicklung der franko-belgischen Comicszene, nicht nur, weil sie die Ablöse der Generation der großen alten Männer wie Moebius und Hermann einläuteten, sondern auch, weil sie die Verlagslandschaft veränderten. Anstatt sich, wie bisher von den Zeichnern angestrebt, per Vertrag an eins der großen Verlagshäuser zu binden, gründete Trondheim mit seinen Künstlerkollegen Jean-Christophe Menu, Stanislas und Killoffer die Zeichnervereinigung L'Association. Neben dem Zugang zu alternativen Organisationsstrukturen eröffnete dies den Zeichnern auch einen kreativen Freiraum und ermöglichte Werke, die über die üblichen 46-Seiten-Formate hinausgingen. In der Folge entstanden neue grafische Erzählformen, ein nicht primär von technischer Perfektion gekennzeichneter Zeichenstil und eine bisher ungekannte Produktivität.

"Approximate Continuum Comics" enthält autobiografische Geschichten, die aber ohne Eitelkeiten oder die belehrende Schwerfälligkeit amerikanischer "graphic novels" auskommen. In der Tradition französischer Filme werden dialogzentrierte und intellektuelle Beziehungsgeschichten erzählt, die sich - scheinbar - nur um den Alltag Trondheims drehen. Mit Witz und Selbstironie beobachtet sich der Autor selbst und meint doch auch den Leser, dem es - entsprechende Affinität vorausgesetzt - nicht schwer fallen wird, in den Emotionen und Unsicherheiten des Protagonisten, in den Vorurteilen dieses urbanen thirty-something ein Stück von sich selbst wiederzuerkennen.

Auch Trondheims bei Carlsen veröffentlichte Albenreihe bricht mit den tradierten Mustern und Vorgaben, wie eine Comicgeschichte zu erzählen sei. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine von vielen Funnys; auch beim zweiten Durchblättern findet man weder optische Highlights noch eine besonders ausgeklügelte oder raffinierte Dramaturgie. Beim dritten Anlauf aber ist man hingerissen von dem lockeren Strich, der selbstreflexiven Story und den Charakteren, die wohl jeder aus seinem Freundeskreis kennt, lässt sich vom Sog des unspektakulären Handlungsduktus mitreißen.

Peter Iwaniewicz in FALTER 47/1999 vom 26.11.1999 (S. 69)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Herrn Hases haarsträubende Abenteuer, Band 1 (Lewis Trondheim)
Herrn Hases haarsträubende Abenteuer, Band 2 (Lewis Trondheim)
Approximate Continuum Comics (Lewis Trondheim, Kai-Steffen Schwarz, Christine Raguenet, Kai-Steffen Schwarz)

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