Der geheimnisvolle Fremde

von Mark Twain

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Carlsen
Genre: Belletristik/Comic, Cartoon, Humor, Satire/Comic
Erscheinungsdatum: 01.09.2012


Rezension aus FALTER 11/2013

Satan besucht das österreichische Eseldorf

Österreich lag weit abseits von der Welt und schlief; in Österreich war noch Mittelalter, und es sah aus, als sollte es ewig dabei bleiben." In Mark Twains posthum veröffentlichter Erzählung "Der geheimnisvolle Fremde", die mit diesem Satz beginnt, dient der düstere alpenländische Schauplatz als Hintergrund einer Parabel.
Von September 1897 bis Mai 1899 lebte Twain (1835–1910) in Wien mit Sommersitz in Kaltenleutgeben, also zu einer Zeit, als keine Hexen mehr verbrannt wurden, aber der Horizont noch eng war und Twain sich veranlasst sah, den Antisemitismus eines Karl Lueger öffentlich zu geißeln.
Wie so oft in Twains Werken bekommen wir die Geschichte aus der Sicht eines Adoleszenten erzählt, der noch voller Neugier und mit unzähligen Fragen in die Welt blickt. Der Icherzähler Theodor Fischer lebt in Eseldorf, einem "Paradies", wo die Buben nicht mit "übermäßiger Schulbildung geplagt" und vor allem dazu erzogen werden, gute Christen zu sein. Aber genau hier beginnt das Problem. Denn Theodor lernt mit seinen Freunden Seppi und Nikolaus einen gutaussehenden jungen Mann namens Philipp Traum kennen, der sich als Neffe des Satans zu erkennen gibt, sich auf Zauberei versteht und die Buben unterhält, beängstigt und belehrt.
Dazu führt er Experimente mit Menschen durch, die die Grausamkeit, Dummheit und Verführbarkeit dieser "kombinierten Leidens- und Glücksmaschine" demonstrieren sollen, ihren Hang zu Opportunismus und kollektiver Gewalt offenlegen.
Sind Geistesklarheit und Glückseligkeit vereinbar? Der junge Satan bezweifelt das und stellt die Buben vor existenzielle Fragen, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.
Georg Barber alias ATAK verehrt diese Erzählung seit seiner Jugend und hat sie nun mit gut 160 Illustrationen ausufernd und fantastisch bebildert. Zwischen alter Buchkunst, naiver Malerei und Graphic Novel, altmodisch und avanciert zugleich, packt er die Menschen in Biedermeierkleider, spielt augenzwinkernd mit Zitaten aus der Kunstgeschichte, von Hie­ronymus Bosch über Frida Kahlo bis Mickey Mouse und "Star Trek" – herausragend, um nicht zu sagen: beglückend.
(ab 12 Jahren)

Kirstin Breitenfellner in FALTER 11/2013 vom 15.03.2013 (S. 38)


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