Watsons Brainstorm
Roman

von Richard Dooling, Ditte Bandini, Giovanni Bandini

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Zsolnay
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 30/1999

Hassen verboten

Der amerikanische Anwalt Richard Dooling hat einen intelligenten und unterhaltsamen Gerichtssaalroman geschrieben.

Noch einmal und schon wieder: ein schreibender Anwalt. Der Amerikaner Richard Dooling, im deutschen Sprachraum durch seine dem kurativen Wahnwitz nahe kommende Krankenpfleger-Story "Bett fünf" (1997) bekannt geworden, ist freilich erst im zweiten Bildungsweg Jurist geworden. Das merkt man. Seine satirische Distanz zur juristischen Praxis nährt sich aus eigener Erfahrung. Er ist nahe dran.

In "Watsons Brainstorm" bietet er uns eine kluge Zusammenstellung einschlägiger Stereotypen, wie wir sie aus Grishams Fließbandarbeit kennen: Da ist zunächst der junge und naive Anwalt Joe Watson, der von der Wirklichkeit gefordert wird. Diesfalls ist es ein Mordfall, der den Berufsanfänger zu überfordern droht; bisher hat er in seiner Law-Firm nur Computerrecherche für die Partner der Kanzlei betrieben. Dann wird uns unausweichlich ein wahres Scheusal von Richter geboten, der Anwälte hasst, den Gerichtsalltag als günstige Gelegenheit zur Triebabfuhr nutzt - und letztlich gar kein schlechter Kerl ist.

Doch Richter Stang ist nicht das einzige Ungeheuer. Auch Watsons Mandant, James Whitlow, ist nicht gerade lieblich: Er scheint ein rassistischer Mörder zu sein, der "sein Opfer einzig oder ausschließlich oder auch nur in erster Linie aufgrund von dessen Rasse oder Behinderung auswählte". So spricht der karrieregeile Staatsanwalt Donahue. Wenn nämlich Hass einen bestimmten Anteil an der Motivation für die Straftat Whitlows hatte, dann ist der Weg frei für die Anwendung des gerade geschaffenen Bundeshasstatengesetzes. Der Witz der Sache: Die Anwendung dieses Gesetzes verpflichtet das Gericht zur Verhängung einer außerordentlichen Straferhöhung. Und je höher das Strafmaß, desto größer der Erfolg.

Recht verständlich wird das ganze Konstrukt nur, wenn wir bei der Lektüre im Hinterkopf behalten, dass die Sache in der Zukunft spielt (wenn ich es recht gelesen habe, sind wir im Jahr 2002): Alles soll politisch korrekt sein. Minderheiten sind geschützt, und wer sich hasserfüllt gegen Minderheiten wendet, verdient mehr Strafe. Dooling gelingt an diesem Thema eine ebenso fundierte wie wichtige Auseinandersetzung zum Thema Gesinnungsstrafrecht. Richter Stand ist Jurist alter Schule: Gestraft werden soll für das, was einer getan hat - und nicht für das, was einer dachte. Das Gesinnungsstrafrecht setzt freilich nicht bei der Tat an, sondern fragt nach der Motivation des Täters - und wie soll die je zweifelsfrei festgestellt werden? Richter Stand bildet letztlich eine Koalition mit unserem Helden und hält am rationalen Strafrecht der Aufklärung fest.

Parallel zu dieser Geschichte gibt es einen netten Dialog zur Frage biologischer Determiniertheit von Straftaten und Gewaltäußerungen. Die (natürlich bildhübsche und hyperintelligente) Neurologin Dr. Palmquist konfrontiert unsere Helden mit Tatsachen: Die Soziologen hätten ihre Chance gehabt, Gewalt und Verbrechen zu erklären, und es nicht geschafft; nun sei die Biologie an der Reihe. Und tatsächlich findet sich im Hirn von Whitlow ein Defekt, der die Zurechnungsfähigkeit des rassistischen Täters vielleicht beeinträchtigt haben mag. Wer weiß? - Reizvoll auch, wie Dr. Palmquist den neugierigen Watson im Labor festschnallt und ihn dann vergewaltigt - während er seine Gehirnströme dabei beobachten muss. Was tut man nicht alles für die Forschung?

Alfred J. Noll in FALTER 30/1999 vom 30.07.1999 (S. 52)


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