Salzburger Festspiele 1992 bis 2001
Das Neue, Ungesagte

von Gerard Mortier, Hans Landesmann, Karin Kathrein, Gerhard Rohde

€ 63,80
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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Essays, Feuilleton, Literaturkritik, Interviews
Umfang: 552 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.07.2001

Rezension aus FALTER 34/2001

Am Anfang war Jedermann: Als Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt im August 1920 erstmals Salzburger Festspiele veranstalteten, war das "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" auf dem Domplatz die einzige Veranstaltung. Seit damals steht das Knittelversdrama - abgesehen von einer nazibedingten Unterbrechung 1938 bis 1945 - jeden Sommer auf dem Spielplan. Das viel belächelte Unikum "Jedermann" ist ein Phänomen, das in der Theatergeschichte seinesgleichen sucht; der brillante Schweizer Journalist Andres Müry, der seit einigen Jahren in Salzburg lebt, hat nun den verdienstvollen Versuch unternommen, den Mythos einer nüchternen Analyse zu unterziehen. Unter dem hintersinnigen Titel "Jedermann darf nicht sterben" beschreibt er pointiert, aber ohne Polemik die höchst widersprüchliche Geschichte eines Theater-"Zombies", der zum ewigen Leben verdammt ist; im Anhang finden sich ein Bildteil mit allen Jedermann-Darstellern aus 80 Jahren und ein Gespräch, das Peter Stein und Gert Voss 1995 mit dem Salzburger Domkapitular Johannes Neuhardt führten - und in dem der Kirchenmann das frömmelnde Stück nach allen Regeln jesuitischer Dialektik auseinander nimmt.An der Reform des Denkmals "Jedermann" ist auch Peter Stein, von 1992 bis 1997 Schauspieldirektor der Festspiele, gescheitert. Ein ausführliches Gespräch mit dem Regisseur über seine Salzburger Jahre findet sich in dem Monumentalwerk "Das Neue, Ungesagte", in dem die zehn Jahre währende Ära Mortier/Landesmann in zwei exquisit gestalteten, silbern glänzenden Bänden dokumentiert wird. Während der dem Konzertprogramm gewidmete Band naturgemäß hauptsächlich Textbeiträge enthält, werden die Opern- und Schauspielaufführungen fast ausschließlich fotografisch festgehalten. Ausnahmen sind ein zart polemischer Essay von Gérard Mortier und das erwähnte Stein-Interview, in dem sich der mürrische Altmeister einmal mehr als stockkonservativ, aber auch ziemlich unterhaltsam erweist: "In meinem Beruf arbeiten sehr viele äußerst beschädigte Menschen, die einen schweren Dachschaden haben, verrückt sind. Manche verfügen über eine Persönlichkeit, die nicht einmal zehn Zentimeter mit Hut ausmacht." Fazit: Mortier geht, ein Buch bleibt. Und, natürlich, Jedermann.

Wolfgang Kralicek in FALTER 34/2001 vom 24.08.2001 (S. 50)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Jedermann darf nicht sterben (Andres Müry)

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