Schlangenkind
Roman

von Peter Truschner

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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.07.2001

In seinem beeindruckenden Debütroman erzählt Peter Truschner auf schonungslose und bildkräftige Weise vom Heranwachsen in der Hölle der Provinz - eine Geschichte vom Weg ins Freie, die die "Knoten der Erinnerung" nicht zerschlägt, sondern sie in einer teils drastischen, teils zarten Sprache auflöst. Schlangenkind - viel mehr als eine Talentprobe, ein erster, großer Roman. "Peter Truschner fügt dem Leben seine unverwechselbare Poesie hinzu." Peter Turrini Peter Truschner wurde 1967 in Klagenfurt geboren, studierte Kommunikationswissenschaften und Philosophie in Salzburg und lebt heute in Berlin.

Rezension aus FALTER 36/2001

Erste Sätze werden zwar notorisch überschätzt, sind aber auch nicht nichts. Und die von "Schlangenkind" sind schon einmal sehr gut: "Eines Tages war das Leben auf meinen Großvater herabgefallen wie ein Tropfen Harz auf eine Fliege. Wer ihn kannte, schwor, dass er sich im Harz bewegte, als wäre nichts weiter geschehen."

Damit ist aber nicht nur etwas über den Großvater gesagt, sondern auch über die Haltung des Icherzählers. So wie ein in Bernstein eingeschlossenes Insekt betrachtet er die Protagonisten seiner Kindheit und Jugend mit Neugierde und Distanz.

Von der "Hölle der Provinz" steht da im Verlagsprospekt zu lesen. Mag sein. Das Schöne am Debüt des 34-jährigen Peter Truschner ist jedenfalls, dass es sich nicht so liest. Von der Kindheitshölle in Kärnten und sonstwo haben wir hierzulande schon oft lesen können und müssen, und wer sich in eine solche Tradition stellt, der schreibt, wie Klaus Amann im Standard so schön anmerkte, "gegen die Hohen Tauern der österreichischen Nachkriegsliteratur an". Truschner ist klug genug, das gar nicht erst zu probieren, und weil er über die entsprechenden eigenen Mittel verfügt, muss er es auch nicht.

Gerade an der Figur des Großvaters, eines ehemaligen (?) Nazis, eines Säufers und fintenreichen Quälers von Frau und Tochter, beweist sich das Können eines Erzählers, der sich für seine Figuren auch interessiert und nicht nur seinen moralischen Surplus einfahren will. Alles verstehen heißt bekanntlich alles verzeihen. Truschner geht nicht so weit, er überlässt das Urteil dem Leser. Und zeigt dennoch Verständnis. Etwa wenn er an einer Stelle über die Bauern anmerkt: "Ein Gespräch über die Schweinerei der Erbschaftssteuer bedeutete daher nicht selten die Trauer über den Verlust eines Menschen, während sich hinter der beiläufigen Kritik an der Raiffeisenkasse die Besorgnis verbarg, ob der Hof noch eine weitere Hypothek aushielt."

Stilistisch ist der Roman nicht völlig geglückt. Die Bilder und Vergleiche, die der Autor findet, sind mitunter recht manieriert und kombinieren Sprach- und Bildmaterial unvereinbarer Herkunft. Etwas geht "den Bach dieses plötzlichen Altseins hinunter"; das Selbstvertrauen des Erzählers nimmt sich "die Freiheit der Zahl À, nicht enden zu wollen"; die Mutter hat "Augen wie Aktenordner, in denen jedes Detail vermerkt wurde", und hüftlange Haare: "Wenn sie (...) ihren Kopf schüttelte, waren sie wie ein Windspiel, das nicht klang." Ein Windspiel ist freilich ein Windhund - und Windhunde klingen selten, wenn man sie schüttelt.

Mehr als wettgemacht werden solche Schnitzer aber durch die große Souveränität, mit der der Autor den Zusammenhang von Intimität und Körperlichkeit völlig unpeinlich beschreibt. Der zufällig erspähte schwabbelige Hintern der Oma wird dann zum Inbegriff von Heimat und Geborgenheit, und anzügliche Fotos der Mutter, die ein in erotischen Angelegenheiten ohnehin erstaunlich unverkrampftes Verhältnis zu ihrem Kind hat, stellen den Versuch da, den entwachsenden Sohn noch einmal ein Geständnis der Nähe abzupressen.

In der Beschreibung der Mutter besteht überhaupt die Meisterleistung dieses Romans. Wie diese Frau, die ihren Sohn ja eigentlich zu den Großeltern abgeschoben hat, beschrieben wird, fast en passant, diskret und in den Details doch unglaublich präzise; wie sich in wenigen Kapitel ein exemplarisches Frauendasein entfaltet, das ist gerade in seiner völlig unsentimentalen Weise sehr eindrucksvoll und berührend. Allein dafür gehört Truschner schnell irgendein Literaturpreis verliehen.

Klaus Nüchtern in FALTER 36/2001 vom 07.09.2001 (S. 20)


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