Profile 9, Frauen verstehen keinen Spaß

von Daniela Strigl, Bernhard Fetz, Klaus Kastenberger

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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Essays, Feuilleton, Literaturkritik, Interviews
Umfang: 250 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.09.2002

Frauen und Humor: nach dem Vorurteil vieler (Männer) eine nichtexistente Beziehung. Ist da etwas Wahres dran? Oder wird weiblicher Witz einfach nicht wahrgenommen? Und gibt es nicht Zustände, bei denen einem das Lachen vergeht?
Zusammen mit Collagen und Bildgeschichten widerlegen die zahlreichen Originalbeiträge souverän den Titel dieses Bandes.

Rezension aus FALTER 46/2002

Frauen halten es für echt schlimm, wenn die Aussteuerungsnadel eines Kassettengerätes bei der Aufnahme in den roten Bereich zuckt. Hat Max Goldt einmal geschrieben. "Frauen verstehen keinen Spaß" behauptet ganz apodiktisch der von Daniela Strigl herausgegebene Band der Profile. Warum das so sein soll? Weil sie alles so persönlich nehmen, zitiert Elke Brüns im Eingangstext einen gewissen Toni Parsons aus dem Playboy. Es folgt Dubravka Ugresic' Story "Hot dog", die Gogols Erzählung "Die Nase" paraphrasiert, das Riechorgan aber durch einen Penis ersetzt, der einem Schriftsteller abhanden gekommen ist, und nun in einem Hotdog auftaucht. Wenn dieser Text paradigmatisch für weiblichen Humor sein soll, dann hat Parsons vielleicht doch Recht. Die charmanten Textcollagen von Herta Müller und Brigitta Falkners pfiffige Anagramme sind da um einiges witziger. Das mit dem "persönlich nehmen" hat aber was. Frauen über vierzig, stellt Margit Schreiner in ihren kursorischen Ausführungen zum Thema fest, sind sich ihrer Lage halbwegs bewusst, wohingegen selbst nette Männer oft total daneben stehen, sind sie doch "die größeren Verdränger".
Es ist ein Verdienst des Bandes, dass er mit dem Titel durchaus assoziativ verfährt und über Geschlechterhierarchien im Literaturbetrieb und Strategien weiblicher Dissidenz nachdenkt, anstatt einen Gegenbeweis erbringen zu wollen. Die Komik in Ingeborg Bachmanns Prosa erschließt sich auch nach der Lektüre des entsprechenden Beitrages nicht wirklich, triftiger dagegen Daniela Strigls Aufsatz über den Humor bei Marlen Haushofer. Außerdem ist Humor-Skepsis ohnedies angebracht, gehört dieser doch "zu den Tugenden der Angepassten" (Ilse Aichinger).Was liegt als künstlerischer Werkstoff näher als der eigene Körper? So, oder so ähnlich muss es so manchen angehenden Body Artist in den Sechzigerjahren gedämmert sein, bevor grenzgängerisches Selbstaufschlitzen und -verstümmeln zum Trend wurde. Der Bildband mit "Haut und Haaren" versammelt jede Menge grauslicher Werke, die Aktionskünstler am eigenen Leib vornahmen oder für die menschliche Materialien benutzt wurden. Das Buch ist weit angelegt und beschreibt vor allem spektakuläre Arbeiten. Dennoch findet auch ein unbekannterer Künstler wie der bereits verstorbene Amerikaner Paul Thek Platz. Dessen skurile Fleisch-Imitationen stellten eine Absage an den seinerzeit alles beherrschenden Minimalismus dar und fanden erst in posthumen Ausstellungen breitere Anerkennung.

Klaus Nüchtern in FALTER 46/2002 vom 15.11.2002 (S. 78)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Mit Haut und Haaren (Marina Schneede)

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