Laurel & Hardy
Eine Revision

von Sven Hanuschek

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Zsolnay
Erscheinungsdatum: 06.09.2010


Rezension aus FALTER 8/2011

Laurel und Hardy statt Dick und Doof

Im Gegensatz zu Buster Keaton und Charlie Chaplin hatten sie es doppelt schwer: Zwar kämpften auch sie in ihren Filmen stets mit Geldnot, den Gefahren des Alltags und den Gesetzen der Physik, aber darüber hinaus blieben der Engländer Stan Laurel und der aus einem Kaff in Georgia stammende Oliver Hardy auch in der filmhistorischen Wertschätzung oft auf der Strecke. Im Olymp der komischen Götter ist angeblich nur begrenzt Platz, in Wahrheit aber ist dieser Umstand einer unzureichenden und ungenauen Rezeption geschuldet: Vor allem im deutschen Sprachraum wurden Laurel und Hardy lange Zeit nur als das wahrgenommen, was sie dem äußeren Anschein nach waren: dick und doof.
Sven Hanuschek, der Münchner Literaturprofessor und Canetti-Biograf, hat die vor wenigen Jahren eingesetzte Restaurierungsarbeit der Laurel-&-Hardy-Filme und deren nunmehrige Verfügbarkeit auf DVD nicht nur zu einer Revision vor dem Fernseher genützt, sondern auch zu einer solchen im Sinne einer Neuschreibung. Sein Anliegen: Laurel und Hardy sollen "vom Kanon des nur Populären hin zur Kunst verschoben werden".
Mit dem Versuch, das Populäre vom Vorwurf der Verblödung zu befreien, hält sich Hanuschek zu Recht erst gar nicht lange auf, weshalb die Thesen des populären Kulturpessimisten Adorno gleich zu Beginn entkräftet werden. Vielmehr ergeben Hanuscheks akribische Recherchen ein vortreffliches Lesebuch, das, nach Stichworten wie "Slowburn. Tit for Tat" oder "Existenzvernichtung in kleinen Teilen" geordnet, einer offenen Dramaturgie folgt.
Das wiederum passt gut zu den Entstehungsbedingungen der Arbeiten von Laurel und Hardy in der Komikerschmiede von Hal Roach, wo die beiden ab den 1920er-Jahren angestellt waren: So führen Szenenbeschreibungen wiederholt zu Produktionshintergründen, biografischen Details, Anekdoten und Neuinterpretationen. Und die schönste Nebensache an diesem von Gabi Adébisi-Schuster wunderschön gestalteten Buch ist die Freude, sich endlich wieder einmal den Kampf der beiden Salontiroler gegen den Gorilla in "Swiss Miss" anzusehen.

Michael Pekler in FALTER 8/2011 vom 25.02.2011 (S. 19)


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