Das Goggelbuch
Werke Band 7/I

von Albert Drach, Gerhard Hubmann, Eva Schobel

€ 15,40
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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Hauptwerk vor 1945
Umfang: 144 Seiten
Erscheinungsdatum: 26.09.2011


Rezension aus FALTER 22/2012

... und fröhlich ein Pogrom entfacht

Albert Drachs "Goggelbuch" ist so etwas wie der deutsche Schelmenroman im Bonsai-Format; das heißt auch, mit allem, was dazugehört: einem Helden zuvörderst, der, Diener aus Gewohnheit, "Knecht aus Leib und Seele", in den Strudel der Zeiten gerät, aber selbst mehr als ein Grobian ist, nämlich, wie Grimmelshausens Simplicius Simplicissimus, ein Vergewaltiger, Räuber und Mörder. Mit einem Wort: Xaver Johann Gottgetreu Goggel straft seinen Namen Hohn, gebärdet sich auf dem Weg zu seinem Dienstherrn Baron von Hahnentritt zwar als Gockel, niemals jedoch gottesfürchtig.
Rechtsanwalt Dr. Albert Drach (1902–1995) schrieb das "Goggelbuch", gehetzt von den Nazis, 1942 im französischen Exil, und dies spielt hinein in die hier haarsträubend ausgemalte Zeit der Inquisition. Als Goggel fröhlich ein Pogrom entfacht und einen alten Juden anstänkert, wird der "frech, beteuert, seine Heimat wäre die ganze Welt und er möge keinen wie den Goggel" und haut diesen zusammen.
So hat Drach sich selbst gesehen: als widerspenstiges Opfer. Hier aber steht er versuchsweise auf der anderen Seite. Er probiert das deutsche Wesen und die Landsertracht und blickt quasi gemeinsam mit seinem Helden in den Spiegel. Nach sieben abenteuerlichen Jahren in den Diensten diverser Don Juans war alles bloß ein Traum. Vor dem Erwachen gibt Baron von Hahnentritt, zu dem Goggel nie vordringen konnte, sich diesem noch als derjenige zu erkennen, dem er in Wirklichkeit die ganze Zeit über gedient habe; ohne es zu wissen und auch ganz ohne faustischen Pakt, weil er, Hahnentritt, niemals Seelen kaufe, die er ohnedies stets umsonst bekomme: "er sei der Irrtum im Weltgeschehen, die Fehlerquelle in der allgemeinen Ordnung, die Verwirrung der verankerten Gedanken, (…) das Mißgeschick, das Gott entthrone und ihm alle Trümpfe zuspiele, mit einem Wort, er sei der Teufel."
So, als die bequeme Spielwiese des Teufels, betrachtete Albert Drach die Welt, nicht nur im "Goggelbuch". Dieses Meisterwerk reiner Sprachgewalt ist nun in einer mustergültigen Neuausgabe erschienen, samt überkomplettem Kommentar und hochinteressanten Erläuterungen der Herausgeber.

Daniela Strigl in FALTER 22/2012 vom 01.06.2012 (S. 36)


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