Vom Land

Roman
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Kurzbeschreibung des Verlags:

„Dieser Text durchbricht die Kälte unserer Zeit und legt offen, was wir in unserem Innersten sind.“ (Katja Gasser, ORF) Das starke, gesellschaftlich relevante Debüt von Dominik Barta
Dass Theresa, um die sechzig und Bäuerin, sich plötzlich krank fühlt, bringt alle Gewissheiten ins Wanken. Die erwachsenen Kinder müssen anreisen, von wo auch immer es sie hin verschlagen hat, um endlich wieder miteinander zu reden. Theresas Mann muss lernen, Hilfe und Gefühle zu akzeptieren. Und selbst der zwölfjährige Daniel muss seinem verbohrten Onkel Max entschlossen entgegentreten, um seinen einzigen wirklichen Freund zu schützen. Theresa aber schweigt, findet keine Worte, keinen Weg.
Mit großer Präzision und archaischer Kraft und Empathie erzählt Dominik Barta in seinem Debütroman von den Menschen und den Umständen. Er schreibt eine große Tradition der österreichischen Literatur fort und geht dorthin, wo die Provinz heute politisch ist.

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FALTER-Rezension

Sonne, Mond und Schießgewehr

Dominik Bartas Debüt „Vom Land“ will als Provinz-, Familien- und Politroman zu viel auf einmal

Immer wenn ein Roman in der österreichischen Provinz spielt, wird das angeblich urösterreichische Genre des „Anti-Heimatromans“ bemüht – so als hätten mittlerweile nicht mindestens drei Generationen von Schriftstellern nach Bernhard, Innerhofer, Wolfgruber & Co ganz selbstverständlich vom Leben auf dem Lande erzählt. „Vom Land“ nennt sich programmatisch auch das Debüt des im oberösterreichischen Grieskirchen geborenen Dominik Barta (Jg. 1982), und dort fühle er sich zwar unwohl, wie der Autor erst unlängst in einem Radiointerview erklärte, verspüre zugleich aber eine große Zuneigung, was eine gute Voraussetzung für die literarische Produktion darstelle, denn man schreibe „mit einem kühlen Kopf und einem pochenden Herzen“.

Die Verbindung von Herz und Kopf, zwischen Gefühlen und Sprache herzustellen ist freilich das größte Problem von Theresa: Bäuerin, um die sechzig, verheiratet mit Erwin und mehrfache Mutter erbricht sie sich zu Beginn des Romans in den Wacholderstrauch – Anzeichen einer Körperkrise mit offenbar tiefen seelischen Ursachen. Und so detailreich und umständlich dieser Vorgang geschildert wird – „Sie schälte sich aus dem Blaugewand und stieg aus den Hosenbeinen. (…) Schweiß sammelte sich in kleinen Tropfen über dem Brustbein. Die dunklen Vorhöfe der Brustwarzen leuchteten aus dem weißen BH“ –, so unökonomisch und verworren ist auch die Anlage des ganzen Romans.

Es fließt einiges Wasser die Pielitz hinunter, die sich „in Millionen von Jahren“ durch die Hügel der oberösterreichischen Provinz gefräst hat – etwa dort, wo sich B 134 und B 137 „Gute Nacht“ sagen –, bis die Familienaufstellung komplett ist und alle zu Wort gekommen sind, aus deren Perspektive hier erzählt wird. Die angestrebte Multiperspektivität macht „Vom Land“ allerdings nicht komplexer, sondern lediglich komplizierter, und die Vielfältigkeit und Gebrochenheit der Sprachregister scheint weniger ästhetischem Kalkül als dem Umstand geschuldet, dass es dem Autor nicht gelingt, einen „eigenen Sound“ zu finden.

Immer wieder meldet sich ein Chronist zu Wort, dessen Idiom an eine Mischung aus Gartenlaube-Literatur des 19. Jahrhunderts, Prospektprosa und einer Seminararbeit in Wirtschafts- und Sozialkunde erinnert: Die Feldhasen bieten „ein fröhliches Schauspiel“; „die oberösterreichische Nachkriegsordnung“ sorgt für eine „Blütezeit“; „so viele Kinder wie nie zuvor in der tausendjährigen Geschichte von Pielitz lernten lesen, ­schreiben und rechnen“, und wenn man an der alten Mühle neben dem Heimatmuseum links abbiegt, führt „eine tadellos asphaltierte Straße den Hügel hinauf“.

Wo die Sonne das Tal flutet und der Frühling bessere, lichtere Tage ankündigt, da findet sich allerdings auch viel Dunkles, Düsteres, Dräuendes: ­„Theresa wurde von Ängsten überfallen. (…) Grauenvolle Phantasien ­ließen sie die Innerlichkeit ihres Körpers imaginieren. Dabei erschien ihr nichts in seiner gesunden oder rosigen Gestalt.“

Theresa ist die tragische Fugur des Romans, eine Frau, die immer alles getan hat, was für sie vorgesehen war und von ihr erwartet wurde, die sich aber nicht länger in ihr Schicksal fügen will. Mit ihren Kindern hat sie es auch nicht immer leicht: mit Rosalie, die noch immer von ihrem notorisch untreuen Ehemann Fridolin begehrt und geliebt werden will; mit Max, einem eingefleischten Landei, der seinen Schwager hasst, als homo- und xenophober Geschäftsmann der „Bewegung“ angehört, gegen den Pfarrer und das von diesem betreute Flüchtlingsheim hetzt, einen „schwarz lackierten SUV der Marke BMW“ fährt und sich einen deutschen Schäferhund zulegt; und mit dem namenlos bleibenden, aber plötzlich als Ich-Erzähler aufpoppenden Bruder der beiden, der sich als Homosexueller längst in die Stadt geflüchtet hat.

Tempogetriebenes Storytelling ist Bartas Sache nicht. Da wird eine Rückblende ins juvenile Vorleben Rosalies eingeschoben („Der Mond nahm Anteil am Glück der jungen Menschen und versetzte die gesamte Landschaft in ein dunkel-sommerliches Licht“); dort kotzt sich ein Wutbanker in einem Monolog aus; an wiederum anderer Stelle beginnt eine Tant’, die bislang nie Erwähnung fand, über gleichfalls viele Seiten auf den für die Handlung bedeutungslosen Teilzeit-Ich-Erzähler einzureden, um auch die Generation der in ihr Schweigen vergrabenen Theresa zur Sprache zu verhelfen; und an passender Stelle werden die Leserinnen und Leser mit Basisinfos in Sachen Arabischer Frühling und syrischer Bürgerkrieg versorgt.

Auch wenn die Flinte aus dem Schrank, dem sie wiederholt entborgt wird, am Schluss dann doch noch losgeht, legen sich immer wieder auch sonnige Streifen der Hoffnung auf die Felder und Fluren der Provinz. Theresas zwölfjähriger Enkel Daniel und der um vier Jahre ältere kriegstraumatisierte syrische Flüchtling Toti bauen ein Baumhaus und sind beste Buddies, und Bauer Erwin fügt sich ebenfalls bestens ins Integrationsprogramm. ­Eines kann man dem Roman auf keinen Fall absprechen: dass er gut gemeint ist.

Klaus Nüchtern in Falter 7/2020 vom 14.02.2020 (S. 35)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783552059870
Erscheinungsdatum 27.01.2020
Umfang 176 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Zsolnay, Paul
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