Weißbuch Frauen / Schwarzbuch Männer
Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen

von Sibylle Hamann, Eva Linsinger

€ 20,50
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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Umfang: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 09.02.2008

Rezension aus FALTER 50/2014

Gebt den Männern endlich Gleichberechtigung! Eine Bestandsaufnahme der Lage der Frauen

Der Titel ist irreführend: Sibylle Hamann und Eva Linsinger geht es in ihrem "Weißbuch Frauen, Schwarzbuch Männer" eben nicht um Schuldzuweisungen oder gar um die Behauptung, dass Frauen alles richtig und Männer alles falsch machen würden, sondern, wie der Untertitel verrät, darum: "Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen". Die Begründung erfolgt umfassend, weshalb man schon bei seinem Erscheinen im Jahr 2008 bisweilen den Eindruck hatte, dass hier nichts Neues erzählt wird. Leider hat sich seitdem so wenig verändert, dass die meisten seiner Thesen und Forderungen aktuell geblieben sind.
Etwa, dass Frauen mittlerweile alle Anforderungen für eine Karriere mitbringen, sie ihnen meist aber trotzdem verwehrt bleibt, weil das hiesige Familienförderungssystem den Status quo einzementiert. Trotzdem gibt es positive Veränderungen zu vermelden: Die Quote hat sich mittlerweile als Gleichstellungsinstrument etabliert, speziell etwa bei den ÖVP-Frauen und in wirtschaftsnahen Kreisen. An den Universitäten oder im ORF hat sie sogar zu deutlich mehr Frauen in Leitungsfunktionen geführt. Auch das Image der Kindergärten als Bildungseinrichtung hat sich verbessert – wenn auch nicht das Gehalt der Betreuerinnen.
Die Analyse der beiden Journalistinnen der ideologischen Feldzüge, romantischen Beziehungsideale, persönlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten, von staatlicher Politik und häuslicher Arbeitsteilung besticht durch ihre Unaufgeregtheit. Noch immer stellt sie einen der umfassendsten Beiträge zu einer Debatte dar, die noch lange nicht abkühlen wird. Als Lösungsstrategie für das "Paradox" eines anscheinend ­veränderungsresistenten Geschlechterarrangements, das weder emotional zufriedenstellend noch wirtschaftlich effizient oder gar stabil sei, stellte das Autorinnenduo zum Schluss übrigens die diplomatische Forderung an die Frauen, endlich loszulassen. Sprich: "Männer endlich gleichberechtigt ernstzunehmen als Kümmerer, Nährer und Erzieher; bei all jenen reproduktiven Aufgaben, die bis jetzt Frauensache sind."
Auch wenn die Väterkarenz erst langsam in Gang kommt: Die Anzahl der jungen Männer, die Familie und Haushalt nicht mehr als reine Frauensache ansehen, die selbstverständlich nachts aufstehen und Windeln wechseln, wächst stetig.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 50/2014 vom 12.12.2014 (S. 58)


Rezension aus FALTER 8/2008

Männerpflichten

Der Titel ist irreführend: Den zwei renommierten Journalistinnen Sibylle Hamann und Eva Linsinger geht es in ihrem "Weißbuch Frauen, Schwarzbuch Männer" eben nicht um Schuldzuweisungen oder gar um die Behauptung, dass Frauen alles richtig und Männer alles falsch machen würden, sondern, wie der Untertitel verrät, darum: "Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen". Die Begründung erfolgt umfassend, weshalb man bisweilen den Eindruck hat, dass hier nichts Neues erzählt wird – nichts, was Eva Hermanns "Eva-Prinzip" nicht schon in den zahlreichen Repliken in Buchform entgegengehalten worden ist: dass Frauen mittlerweile alle Anforderungen für eine Karriere mitbrächten, sie ihnen – bewusst oder unbewusst – von männlicher wie weiblicher Seite meist aber doch und auch deswegen verwehrt würde, weil das deutsche bzw. das österreichische Familienförderungssystem den Status quo einzementierten, Frankreich mit seiner pronatalistischen Bevölkerungspolitik und die skandinavischen Länder mit ihren praktisch greifenden Gleichbehandlungsstrategien hingegen bessere Bedingungen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf bereitstellten …
Dabei ist von "ideologischen Feldzügen, romantischen Beziehungsidealen, persönlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten, staatlicher Politik und häuslicher Arbeitsteilung" die Rede – und der Abstand zur vorjährigen Debatte macht sich in einer wohltuenden Unaufgeregtheit bemerkbar. Dass hier auch Bekanntes aufbereitet wird, macht das Buch letztendlich zu einem der umfassendsten Beiträge zum Thema und damit zu einer gelungenen Einführung in eine Diskussion, die wohl noch eine ganze Weile aktuell bleiben wird.
Als Lösungsstrategie für das "Paradox" eines anscheinend veränderungsresistenten Geschlechterarrangements, das weder emotional zufriedenstellend, noch wirtschaftlich effizient oder gar stabil sei, stellt das Autorinnenduo zum Schluss die diplomatische Forderung an die Frauen, endlich loszulassen – sprich: "Männer endlich gleichberechtigt ernstzunehmen als Kümmerer, Nährer und Erzieher; bei all jenen reproduktiven Aufgaben, die bis jetzt Frauensache sind." Ein bisschen Optimismus wird ja wohl erlaubt sein!

Kirstin Breitenfellner in FALTER 8/2008 vom 22.02.2008 (S. 60)


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