Der Mann, der Luft zum Frühstück aß
Erzählung

von Radek Knapp

€ 16,50
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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 128 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.02.2017

Rezension aus FALTER 8/2017

Herzenswarmer, nahezu drolliger Schelmenroman

„La Haine“, ein Film über das trostlose Leben in der Pariser Banlieue, beginnt mit dem Gleichnis vom Mann, der von einem Hochhaus stürzt und im Fall „Bis hierher lief’s noch ganz gut“ murmelt.
Auch Walerian hat das Gefühl, als Kind aus dem Fenster gestoßen worden zu sein und seither zu fallen. Seine Mutter hat ihn nach dem Beruhigungsmittel benannt, das sie seine Geburt verschlafen ließ. Gleich danach deponierte sie – „unberechenbar wie eine nordkoreanische Atombombe“ – den Sohn bei den Großeltern. Begründung: „Sie sei nicht nur Mutter, sondern auch eine Frau, deren Schwangerschaft unglücklicherweise mit ihrer Jugend zusammengefallen war.“ Nach elf Jahren taucht sie wieder auf und entführt Walerian in das graue Wien der 1980er-Jahre.
Nicht nur der Relativsatz im Titel von Radek Knapps Erzählung erinnert an jene erfolgreichen Schelmenromane, in denen 100-Jährige aus dem Fenster steigen und Analphabetinnen rechnen können. „Der Mann, der Luft zum Frühstück aß“ will trotz ernstem Hintergrund unterhalten. Das klappt: Knapp formuliert herzenswarm, in der ersten Hälfte fast schon drollig.
Walerian plagt sich mit den Wienern, die hundert verschiedene Arten kennen, „Verschwinde!“ zu sagen. Doch es geht aufwärts, als er Heizungsableser wird – ein autobiographisches Element, das Knapp zuletzt auch in „Der Gipfeldieb“ ausgebeutet hat. Wohnung und Freundin finden sich wie von selbst – von einem tristen Leben in der Wiener Banlieue keine Spur. Trotzdem leidet Walerian an den „Krankheiten, die insbesondere Slawen in der Emigration befielen“ (Trunksucht und Melancholie). Es ist schließlich das Schreiben, das seinen Fall bremst. So rettet ihn die magische Kraft der Literatur aus der Not.
Nach einem fulminanten, fast novellenhaften Start verliert die Erzählung an Tempo. Die Geschichte hätte durchaus die Romanform getragen, als Erzählung endet sie nach ruhigem Dahinfließen etwas abrupt. Problematischer ist schon, dass man dem vifen, sympathischen Walerian seinen Leidensdruck nicht recht abnehmen mag.

Dominika Meindl in FALTER 8/2017 vom 24.02.2017 (S. 30)


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