Monster
Roman

von Kurt Palm

€ 21,60
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Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.05.2019


Rezension aus FALTER 22/2019

Gestern und Heute stinken um die Wette

Ein Bestseller ist für Autoren manchmal Fluch und Segen. Er spült Geld in die Kassa, doch lenkt er die Erwartungen des Publikums in eine bestimmte Richtung. Kurt Palm versuchte sich dem nach „Bad Fucking“ zu entziehen, indem er ganz anderes machte und etwa eine 1970er-Reminiszenz („Strandbadrevolution“) verfasste.

Mit etwas Abstand will er es doch noch einmal wissen. Der Verlag verkauft „Monster“ als „die lang erwartete Fortsetzung“ seines trashigen Österreich-Sittenbildes von 2010. Es gibt einige Parallelen: Viele Leichen sind zu verzeichnen, das Geschehen spielt sich um einen See ab, in dem sich gefährliche Fische tummeln; es tritt auch wieder eine Innenministerin auf, diesmal heißt sie Dietlinde Breitfurtner-Brandstätter und ist „ein Protektionskind vom Kim Jong Un aus Radlbrunn“.

Am Rottensee tut Alfons Stallinger, der Bruder des in „Bad Fucking“ zu Tode gekommenen Arthur Stallinger, unwillig seinen Dienst. Wenn nichts los ist, strickt er. Es beruhigt ihn. Aber bald ist der Teufel los. Im Strandbad wird ein abgebissener Frauenfuß gefunden, bei den Dreharbeiten zu einem Zombiefilm treiben lesbische Vampire ihr Unwesen. Und das ist erst der Anfang. Die Apokalypse ereignet sich am Ende beim ersten gemeinsamen Auftritt von Andreas Gabalier und Hubert von Goisern – pardon, Andreas Mastwächter und Herbert von Scheuchham – am Seeufer.

Grelles Überzeichnen ist ein Stilmittel von Palm. Wie schon in „Bad Fucking“ mutet gegen viele der Figuren selbst der grobschlächtige Fleischhauer Oskar aus Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ noch wie ein Feingeist an. Die Schlechtigkeit hat die Menschen im Griff – von der Ministerin bis zum alten Nazi, der für seine Kriegsverbrechen nie belangt worden ist. Nur ein moralisch integrer Opa und seine schwer verliebte Enkelin bringen etwas frische Luft in den vom Mief der Geschichte und der Gegenwart verfaulten Landstrich.

Bundespräsident Alexander van der Bellen sagte kürzlich: „Österreich ist nicht so.“ Palms Roman widerspricht dem.

Sebastian Fasthuber in FALTER 22/2019 vom 31.05.2019 (S. 32)


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