Fast Food Gesellschaft
Die dunkle Seite von McFood & Co

von Eric Schlosser

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Riemann
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 19/2002

"Wiener Melange" beschreibt den Einfluss der Frauen auf das gesellschaftliche und politische Leben der Zwischenkriegszeit.

Sie rissen sich ihre Korsetts vom Leib, schnitten die Haare zu einem Bubikopf, predigten freie Liebe, kämpften für ihre Aufnahme an den Universitäten und veränderten für kurze Zeit die Männerwelt, in der sie lebten. Nach den Büchern "Die Wilden Jahre in Berlin", "Paris war eine Frau" und "Crazy New York" gibt Edition Ebersbach nun mit "Wiener Melange" auch einen Überblick über das wilde Leben einzelner Frauen im Wien der Zwanzigerjahre.

In zwanzig Porträts werden Frauen beschrieben, deren Biografien zum Teil hinter denen ihrer Männer verschwanden, die aber Unglaubliches leisteten und permanent Grenzen überschritten. Es sind Salondamen wie Bertha Zuckerkandl, die nicht nur in der Wiener Kunstszene, sondern auch in der Politik mitmischten, Tänzerinnen, die mit ihrem modernen Ausdruckstanz für Schlagzeilen sorgten, und Pionierinnen der Fotografie, deren Aktaufnahmen Skandale provozierten. Genia Schwarzwald gründete nicht nur Wiens erste Mädchenschule, sondern auch vegetarische Volksküche für die Armen, und die Journalistin Gina Kaus eröffnete Wiens erste Frauenberatungsstelle.

Doch das Rote Wien war nicht nur Stadt sozialer Errungenschaften und schöner Künste, sondern auch eines stetig wachsenden Antisemitismus. Und genau darin, dass die Autorinnen nur am Rande auf den Austrofaschismus der Dreißigerjahre und die dadurch bedingte Zurückdrängung der Frauen an den Herd eingehen, liegt der Schwachpunkt dieses Buches. Auch auf die Frage, weshalb eine so starke Frauenbewegung so einfach zerstört werden konnte und was von der Emanzipation der Zwanzigerjahre übrig blieb, gibt das Buch keine Antwort. Wer aber einen ersten Eindruck von den wilden Frauen zwischen den Kriegen bekommen möchte, für den ist "Wiener Melange" zumindest eine spannende Spurensuche.Wie böse sind McDonald's & Co? Sehr böse, findet der amerikanische Journalist Eric Schlosser.

Der Bauch ist der Mittelpunkt des Lebens, heißt es in der chinesischen Medizin. Eric Schlosser hat sichangesehen, was der Durchschnittsamerikaner in Fast-Food-Buden in sich hineinstopft. Fazit: fast schon Zufall, dass es immer noch so viele Amerikaner gibt. Denn parallel zum Siegeszug der Fast-Food-Industrie nahm nicht nur der Anteil fettleibiger Menschen zu, auch die Chance, einen Krankheitserreger zu verspeisen, soll bei McFood viel größer sein.

Dem amerikanischen Journalisten geht es aber nicht nur um Fettleibigkeit und Krankheitserreger, sondern um den Einfluss der Fast-Food-Industrie auf Politik und Gesellschaft. In Brasilien ist McDonald's der größte private Arbeitgeber, in Frankreich der größte Abnehmer von Agrarprodukten. Etwa zwei Drittel der in amerikanischen Fast-Food-Restaurants Beschäftigten sind jünger als zwanzig Jahre. Die so genannte "McDonald's Bill" erlaubt es Arbeitgebern, 16- bis 17-Jährigen zwanzig Prozent weniger als den Mindestlohn zu bezahlen. Dafür wandern Spendengelder aus der Fast-Food-Industrie zu konservativen Politikern. Schlosser zeichnet die Erfolgsgeschichte der Brüder Richard und Maurice McDonald's nach, er schreibt über ihren Kampf gegen die Gewerkschaften, erklärt die Hintergründe für das Aussterben der unabhängigen Rinderzüchter in den USA, schildert die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Fließbandarbeiter in der Fleischindustrie und erklärt, dass in den USA mehr Fast-Food-Mitarbeiter durch Überfälle am Arbeitsplatz getötet wurden als Polizisten im Dienst. Es wird zwar auf den Einfluss der Konsumenten durch den starken Wettbewerbsdruck, dem die einzelnen Unternehmen unterliegen, verwiesen, der Autor schafft es aber trotzdem, das Moralisieren zu vermeiden. Und das ist gut so. Denn wer nach diesem Buch noch gerne Fast Food isst, dem ist ohnehin nicht zu helfen.

Nina Horaczek in FALTER 19/2002 vom 10.05.2002 (S. 11)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Wiener Melange (Heike Herrberg, Heidi Wagner)

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