Megamaschine Wissen
Vision: Überleben im Netz. Visionen für das 21. Jahrhundert

von Florian Rötzer

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Campus
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 41/1999

Eine die EXPO 2000 thematisch begleitende Buchreihe beschäftigt sich mit Visionen für das 21. Jahrhundert. Da darf das Thema "Cyberspace" nicht fehlen. Der herausgebende Campus Verlag hat den versierten Netz-Denker Florian Rötzer dafür gewonnen, sich damit auseinander zu setzen, was auf uns denn in Sachen Computer so alles zukommen wird. Rötzer ist mit den aktuellen Theoriebeiträgen vertraut – sein Beitrag, der zwei Drittel von "Megamaschine Wissen" umfasst, lässt sich als ein hervorragender Überblick zur Diskussion um Internet, Öffentlichkeit, Wissensgesellschaft, Open Source etc. lesen.
Ihm geht es vor allem darum, die technischen Innovationen als Erweiterungen des menschlichen Lebensraums zu begreifen. Wie die Wissensgesellschaft letztlich aussehen wird, hängt aber davon ab, wie die anstehende Fragen wirtschaftlicher und politischer Natur gelöst werden. Wie sieht es mit dem Zugang zu Wissen aus? Wem gehört das Wissen? Was bedeutet die Überwachbarkeit des Einzelnen in der vernetzten Öffentlichkeit? Zu diesen und anderen Fragen hat Rötzer als momentane Standortbestimmung zwölf Thesen entwickelt, die er ans Ende seines Großessays stellt.
Das letzte Drittel des Buchs besteht aus Texten, die zum Teil bereits als Online-Version durch den Cyberspace geisterten. John Horvath schreibt über Hacker in Osteuropa, Steven Wray über die elektronische Demo. Ein recht blasser Artikel von Philippe Queau über Politik und Internet war anscheinend unvermeidlich. Die Berichte werden ergänzt durch die Perspektive Dritte Welt und Internet von Robert Verzola, dem Vorsitzenden der philippinischen Grünen, und einem Ausblick auf die neue Biologie unter möglichen Bedingungen einer "Megaevolution" von Charles Lumsden.
Vor allem der letztgenannte Beitrag zeichnet sich durch eine unerträgliche Kreuzung von Futur und Konjunktiv aus, mit dem sich die amoklaufende US-amerikanische Zukunftsforschung immer schon gern lächerlich gemacht hat. Auch wenn Lumsden gewiss Recht hat, wenn er meint, dass Computer in Zukunft sicher nicht mehr nur passive Geräte auf unseren Schreibtischen sein werden. Sympathischer ist da schon Rötzers Ansatz, der sich weniger in der Prognose versucht als in der fundierten Zeitdiagnose. Denn auch so lässt sich eine Aussage über die Zukunft der Megamaschine treffen: Die Geräte schrumpfen, werden integriert, und eine intelligente Umwelt sowie neue Interfaces lassen Computer als die grauen Kästen, die wir kennen, verschwinden. Danken werden es (nicht mehr) geplagte Wirbelsäulen, entzündete Sehnen und gestresste Augen.

Harald Fidler in FALTER 41/1999 vom 15.10.1999 (S. 32)


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