Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg
Eine Abrechnung mit den Pop-Ökonomen

von Paul Krugman

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Campus
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 12/1999

Kritik der Ökonomie

Nun beschäftigen sich auch Ökonomen mit den wirtschaftlichen Miseren, die ihr Fach mitverschuldet hat.
Der Spekulant George Soros, der Wirtschaftstheoretiker Paul Krugman und der Wirtschaftsjournalist Werner Vontobel haben Bücher über die Krisen der Weltwirtschaft geschrieben.
Es ist etwas faul mit unserem Wirtschaftssystem. Zu diesem Eindruck, der sich in den letzten Jahren stetig verstärkt hat, haben etliche Faktoren beigetragen: der Anstieg von Arbeitslosigkeit ebenso wie der wachsende Reichtum von (relativ) wenigen; dessen Drang, sich durch Finanzspekulation zu vermehren, und die damit verbundene Destabilisierung von Wechselkursen, Zinssätzen und Rohstoffpreisen ebenso wie zuletzt die Krisen in Ostasien, Rußland sowie Brasilien.
Das Bedürfnis nach Protestartikulation und Aufklärung suchten zunächst Autoren zu befriedigen, die selbst keine Ökonomen sind; sie trugen viel Material zusammen und verknüpften dieses zu jeweils einer Haupterklärung, etwa der "Globalisierungsfalle" oder dem "Terror der Ökonomie". In einer zweiten "Welle" greifen nun immer mehr okonomische "Profis" in die Debatte ein - seien es Praktiker wie George Soros oder Theoretiker wie die US-Professoren Jeffrey Sachs, Joseph Stiglitz oder Paul Krugman. Schließlich setzen sich "Laien" mit der empirischen Relevanz der herrschenden Wirtschaftstheorie auseinander: Dazu gehort etwa "Wall Street" von Doug Henwood und ein kürzlich erschienenes Pamphlet des Schweizer Wirtschaftsjournalisten Werner Vontobel.

Der Spekulant als Philanthrop
Schon die biografischen Kurzdaten des Klappentexts über George Soros sind eindrucksvoll: 1930 in Budapest als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts geboren, überlebt er den Naziterror nur dank gefälschter Dokumente, flieht 1947 vor dem Kommunismus nach London, studiert Ökonomie und wird in dieser Zeit insbesondere von Karl Popper beeinflußt. Er übersiedelt 1956 nach New York, wird als Spekulant immer erfolgreicher und verschafft sich und seinen Anlegern schließlich Milliardengewinne. Gleichzeitig reflektiert er die gesellschaftlichen Konsequenzen von Spekulation. In "The Alchemy of Finance" (1987) dokumentierte er die einzelwirtschaftliche Rationalität und die gesamtwirtschaftliche Irrationalität dieser Geschäfte. Einen großen Teil seiner Profite hat Soros (deshalb?) in Stiftungen eingebracht, die das Konzept einer "offenen Gesellschaft" in Osteuropa und Rußland fordern, teilweise aber auch soziale Mißstände in den USA mildern sollen.
Mit seinem neuen Buch "Die Krise des globalen Kapitalismus" mochte Soros seinen Erfolgsweg von den Niederungen der Spekulation zu den Hohen der Philantropie mit einer Schlußetappe zum Olymp der Gesellschaftsphilosophen beschließen. Dabei ist er abgestürzt. Der Grund dafür ist trivial: Seine eigenen Ansprüche zwangen Soros, fundamentale philosophische Fragen zu erortern - für die ihm aber freilich Belesenheit und Platz fehlen: Für "Denken und Realität" sind es drei Seiten, für das Thema "Unbestimmtheit" ist es gerade die Hälfte. Für "Reflexivität in der Ideengeschichte" samt Erwähnung des Paradoxons vom Kreter, dessen Behandlung durch Russell u.a.m. sind es wieder drei Seiten etc. etc.
Die Philosophie des Erfolgs
Was aber sind nun jene philosophischen Ideen, von denen Soros meint, daß auch sein "finanzieller Erfolg" auf ihnen beruhe? Er nennt drei "Schlüsselbegriffe": Fehlbarkeit, Reflexivität und offene Gesellschaft. "Fehlbarkeit" heißt für ihn, "daß unser Verständnis von der Welt, in der wir leben, unzulänglich ist, und Reflexivität bedeutet, daß sich unser Denken aktiv auf die Ereignisse auswirkt, an denen wir beteiligt sind . Weil die Realität und unser Verständnis derselben immer voneinander abweichen, bildet die Lücke zwischen den beiden einen wichtigen Faktor für die Ausformung des Geschichtsverlaufs."
Ausgangspunkt für die Formulierung dieser drei "Schlüsselbegriffe" ist für Soros die Tendenz der modernen Ökonomie, sich an einem naturwissenschaftlichen Weltbild à la Newton zu orientieren: Bei vollkommener Information führt der Eigennutz rationaler Individuen zu einem allgemeinen Gleichgewicht. Diese in der Tat groteske Weltanschauung versucht Soros dadurch "auszuhebeln", daß er auf das unterschiedliche Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt in den Natur- und Gesellschaftswissenschaften verweist. In ersterer bleibe das Objekt unabhängig vom Forscher, in den sozialen Beziehungen bestehe aber eine Wechselwirkung: Mit seinem Denken und dem darauf gründenden Handeln verändert das Subjekt die Wirklichkeit, auf die es sich bezieht.
Das Fehlen der Empirie
Allerdings scheint es zweifelhaft, ob sich damit die Sterilität der okonomischen Gleichgewichtstheorie überwinden läßt. Einerseits verändert das Denken und Handeln nicht nur die Beziehungen zwischen Menschen, sondern auch zur Natur und schafft moglicherweise neue "Naturgesetze" - man denke etwa an das Potential der Gentechnik. Andererseits hat die derzeit dominante Stromung der Wirtschaftswissenschaften durch das Konstrukt der "rationalen Erwartungen" die Problematik der Reflexivität in den okonomischen Interaktionen formal-logisch integriert. Indem angenommen wird, daß alle Akteure sich am gleichen Modell orientieren, das auch alle (Wechsel-)Wirkungen abbildet, strebt das System nach jedem "Schock" schnurstracks zu einem neuen Gleichgewicht.
Im zweiten Teil sollte es endlich um die aktuellen Probleme gehen, doch schon sein Titel - "Der gegenwärtige historische Moment" - stimmt skeptisch. Leider zu Recht: Wir erfahren nicht, durch welches Verhalten welcher Akteure sich die Finanzkrise in Ostasien entwickelte oder wie Soros selbst in seiner Eigenschaft als Spekulant agierte; in "Die Alchemie der Finanzen" hatte er noch ein informatives Tagebuch seiner Transaktionen in den wichtigsten "Casinos", nämlich dem Aktien-, Devisen-, Anleihen-, Gold- und Ölmarkt, präsentiert. Wieviel spannender wäre eine solche Dokumentation für die turbulenten Phasen der letzten zwei Jahre gewesen! Statt dessen verwendet Soros bruchstückhaftes Beobachtungsmaterial nur zu dem Zweck, seine "Theorien" zu untermauern.
Die Reflexivitätsfalle
Soros hat das Prinzip der Reflexivität auf sein eigenes Schreiben nicht angewandt - also nicht bedacht, daß Käufer eines Buches von ihm mit dem Titel "Die Krise des globalen Kapitalismus" konkrete Aufklärung über deren Ursachen und Folgen erwarten. Mit solchem Material hätte Soros seine Hauptthesen empirisch fundieren konnen wie etwa: Unregulierte Finanzmärkte sind ihrem Wesen nach instabil. Oder: Das "Overshooting" der wichtigsten Preise wie Wechselkurse oder Zinssätze, also ihr Abweichen vom Gleichgewicht, ist nicht die Ausnahme, sondern eine Essenz globalisierter Finanzmärkte. Und: Dem "kapitalistischen Weltsystem" ist daher eine selbstzerstorerische Dynamik inhärent, die es zu zügeln/regulieren gilt.
Je plausibler Soros diese Thesen durch aufbereitetes "Anschauungsmaterial" gemacht hätte, desto großer wäre das ärgernis für die Geistesgroßen der Gleichgewichtstheorien gewesen. Statt dessen nahm Soros seine Thesen zum Ausgangspunkt für Gedanken, die - ganz im Sinne der Reflexivität - ihren Leser veränderten: Sie machten mich ärgerlich und frustriert. Der Jammer bei all dem: ich glaube, daß Soros mit seinen Grundthesen recht behalten wird; seine narzißtischen Ansprüche machen es aber den Legitimatoren des "Casinokapitalismus" - von Nobelpreisträgern bis zu journalistischen Hobby-Ökonomen - leicht, seine Warnungen lächerlich zu machen. Auch das ist Ausdruck von Reflexivität. Nun beschäftigen sich auch Ökonomen mit den wirtschaftlichen Miseren, die ihr Fach mitverschuldet hat.
Der Spekulant George Soros, der Wirtschaftstheoretiker Paul Krugman und der Wirtschaftsjournalist Werner Vontobel haben Bücher über die Krisen der Weltwirtschaft geschrieben.
Es ist etwas faul mit unserem Wirtschaftssystem. Zu diesem Eindruck, der sich in den letzten Jahren stetig verstärkt hat, haben etliche Faktoren beigetragen: der Anstieg von Arbeitslosigkeit ebenso wie der wachsende Reichtum von (relativ) wenigen; dessen Drang, sich durch Finanzspekulation zu vermehren, und die damit verbundene Destabilisierung von Wechselkursen, Zinssätzen und Rohstoffpreisen ebenso wie zuletzt die Krisen in Ostasien, Rußland sowie Brasilien.
Das Bedürfnis nach Protestartikulation und Aufklärung suchten zunächst Autoren zu befriedigen, die selbst keine Ökonomen sind; sie trugen viel Material zusammen und verknüpften dieses zu jeweils einer Haupterklärung, etwa der "Globalisierungsfalle" oder dem "Terror der Ökonomie". In einer zweiten "Welle" greifen nun immer mehr okonomische "Profis" in die Debatte ein - seien es Praktiker wie George Soros oder Theoretiker wie die US-Professoren Jeffrey Sachs, Joseph Stiglitz oder Paul Krugman. Schließlich setzen sich "Laien" mit der empirischen Relevanz der herrschenden Wirtschaftstheorie auseinander: Dazu gehort etwa "Wall Street" von Doug Henwood und ein kürzlich erschienenes Pamphlet des Schweizer Wirtschaftsjournalisten Werner Vontobel.

Öffentliche Ökonomen
Paul Krugman vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) gilt seit gut 15 Jahren in Fachkreisen als einer der brillantesten Wirtschaftstheoretiker der USA. In den letzten Jahren hat seine Bekanntheit auch in der breiteren Öffentlichkeit zugenommen. Wie seine Kollegen Lester Thurow, Joseph Stiglitz, Rudi Dornbusch oder Jeffrey Sachs wirft er sich nämlich ins Getümmel der "populären", in Tageszeitungen und Magazinen geführten Debatte über Diagnose und Therapien der bedrückendsten Probleme - von der Arbeitslosigkeit bis zu den Finanzkrisen. Die erste Etappe dieses Engagements von Krugman wird im Buch "Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg" dokumentiert.
Anlaß dafür war die zunehmende Popularität der These, daß die Verschärfung des internationalen Wettbewerbs eine Hauptursache für steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Reallohne und wachsende soziale Ungleichheit seien. Diese These fand in den USA Anfang der neunziger Jahre die großte Zustimmung, nicht zuletzt durch Lester Thurows Bestseller "Kopf an Kopf - Wer siegt im Wirtschaftskrieg zwischen Japan, Europa und Amerika?".
Für die Popularität dieser These waren mehrere Gründe maßgeblich: Die US-Wirtschaft befand sich in einer Rezession, und die Arbeitslosigkeit stieg, gleichzeitig wurde verstärkt wahrgenommen, daß die Reallohne der meisten Arbeitnehmer in den achtziger Jahren gesunken und die US-Importe genau in dieser Periode enorm angestiegen waren. Dazu kam, daß sich - wie immer in einer Phase der Desorientierung - einfache, symptomorientierte und daher "augenfällige" Erklärungen besonders leicht "verkaufen" lassen, insbesondere wenn gleich ein "Außenfeind" mitgeliefert wird.
Wider den Wirtschaftskrieg
Gegen diese Vereinfachungen zog Krugman mit den in diesem Buch zusammengefaßten Artikeln zu Felde. So zeigt er, daß der Welthandel keinen vorgegebenen Kuchen darstellt, weshalb hohere Exporte eines Landes nicht (notwendig) Produktions- und Einkommensverluste für ein anderes bedeuten. Er macht plausibel, daß der Anstieg der Arbeitslosigkeit und das Sinken der Reallohne kaum durch die Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung bedingt sind. Und er warnt vor den wirtschaftspolitischen Konsequenzen, welche sich aus einer Verwechslung von Volkswirtschaften mit Unternehmen ergeben ("Firma USA"), insbesondere davor, die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Landes zur obersten Maxime zu machen.
Die ideologischen Ursachen der "kriegerischen" Sicht des internationalen Handels behandelt Krugman allerdings nicht und damit auch nicht den Beitrag, den die von den USA ausgegangene neoliberale Revolution zu diesem "Sinneswandel" geleistet hat. Diese hat nämlich das systemisch-makrookonomische Denken zugunsten einer rein mikrookonomischen Betrachtung zurückgedrängt, weshalb sich die Politik immer mehr auf die nationalen "Kuchenstücke" konzentrierte und immer weniger auf das Wachstum des Gesamtkuchens.
Auch die vielleicht wichtigste Einzelursache für das langsamere Wachstum der Weltwirtschaft behandelt Krugman nicht, nämlich Verlagerung des Profitstrebens von den Güter- zu den Finanzmärkten, die Destabilisierung von Wechselkursen, Zinssätzen und Rohstoffpreisen und die dadurch verursachten "Ölschocks" und Finanzkrisen. Diesen Fragen wendet Krugman aber in letzter Zeit mehr Aufmerksamkeit zu, er gehort deshalb auch zu den wenigen Ökonomen, welche die Grundthesen von Soros ernst nehmen. Es lohnt sich daher, seine aktuellen Beiträge - unter http://web.mit.edu/krugman/www - zu lesen. Nun beschäftigen sich auch Ökonomen mit den wirtschaftlichen Miseren, die ihr Fach mitverschuldet hat.
Der Spekulant George Soros, der Wirtschaftstheoretiker Paul Krugman und der Wirtschaftsjournalist Werner Vontobel haben Bücher über die Krisen der Weltwirtschaft geschrieben.
Es ist etwas faul mit unserem Wirtschaftssystem. Zu diesem Eindruck, der sich in den letzten Jahren stetig verstärkt hat, haben etliche Faktoren beigetragen: der Anstieg von Arbeitslosigkeit ebenso wie der wachsende Reichtum von (relativ) wenigen; dessen Drang, sich durch Finanzspekulation zu vermehren, und die damit verbundene Destabilisierung von Wechselkursen, Zinssätzen und Rohstoffpreisen ebenso wie zuletzt die Krisen in Ostasien, Rußland sowie Brasilien.
Das Bedürfnis nach Protestartikulation und Aufklärung suchten zunächst Autoren zu befriedigen, die selbst keine Ökonomen sind; sie trugen viel Material zusammen und verknüpften dieses zu jeweils einer Haupterklärung, etwa der "Globalisierungsfalle" oder dem "Terror der Ökonomie". In einer zweiten "Welle" greifen nun immer mehr okonomische "Profis" in die Debatte ein - seien es Praktiker wie George Soros oder Theoretiker wie die US-Professoren Jeffrey Sachs, Joseph Stiglitz oder Paul Krugman. Schließlich setzen sich "Laien" mit der empirischen Relevanz der herrschenden Wirtschaftstheorie auseinander: Dazu gehort etwa "Wall Street" von Doug Henwood und ein kürzlich erschienenes Pamphlet des Schweizer Wirtschaftsjournalisten Werner Vontobel.

Das neoliberale Desaster
Werner Vontobel, Mitglied der Chefredaktion beim Schweizer Wirtschaftsmagazin Cash, ist Vertreter des (klassischen) politischen Liberalismus, für den die Marktwirtschaft jenes System darstellt, das die wirtschaftliche Entfaltung der Individuen am besten ermoglicht - für den aber Märkte keinen Selbstzweck haben und auch keine Antworten auf Grundfragen wie jene nach sozialer Gerechtigkeit oder dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für diese Fragen ist vielmehr das "System Politik" zuständig.
Von dieser Position aus, die dem Konzept der sozialen Marktwirtschaft ähnlich ist, trägt Vontobel seinen Angriff auf den Neoliberalismus als der "Religion der neuen Machteliten" vor.
Der Tobak ist nicht schwach:
- Der Neoliberalismus stellt eine apolitische Doktrin dar, seine fundamentalistische Staatsfeindlichkeit steht in direktem Gegensatz zum klassischen Liberalismus eines John Locke oder Adam Smith, aber auch des deutschen Ordoliberalismus.
- Der Neoliberalismus ist das "kalte" Pendant zum populistischen Fundamentalismus eines Le Pen, Berlusconi oder Haider; beide Ideologien sind apolitisch, doch appelliert die eine an das Wir-Gefühl einer Nation oder "Volksgemeinschaft", die andere an den Sachzwang des Marktes.
- Der Neoliberalismus versteht - anders als der klassische Liberalismus - nichts von Marktwirtschaft. "Schlimmer noch: Der Neoliberalismus hat die Marktwirtschaft verraten und damit den Sozialvertrag des zwanzigsten Jahrhunderts aufgekündigt." Diesen umschreibt Vontobel so: "Wir setzen uns der Härte des Wettbewerbs und der Kälte des Eigennutzes aus unter der Voraussetzung, daß die dadurch erzwungene Effizienz zwar den einen etwas mehr, zumindest aber allen etwas bringt."
Umverteilung nach oben
Vontobel zeigt an Beispielen neoliberaler Maximen wie dem Shareholdervalue, daß heute zwar mehr denn je von Marktwirtschaft gesprochen, tatsächlich aber ein anderes Spiel gespielt wird: jenes der Umverteilung zugunsten der Wohlhabenden. Wenn nämlich tatsächlich die Marktkonkurrenz funktionierte, so müßten etwa Kosteneinsparungen durch Rationalisierungen oder Firmenzusammenschlüsse in Form niedrigerer Produktpreise an die Konsumenten weitergegeben werden - und nicht in Form hoherer Gewinne an die Shareholder.
Es kommt aber noch schlimmer: Die gestiegenen Gewinne werden immer weniger für reale Investitionen verwendet, wie sich das die (neo)liberale Doktrin vorstellt, sondern für Finanzakkumulation: "Dadurch steigen die Borsenkurse und die Renditen auf den Wertpapieren. Die hohen Renditen im Finanzsektor führen zu einer weiteren Schrumpfung der Realinvestitionen, weil nur noch die Projekte finanziert werden, deren Renditen mit denen des Finanzsektors mithalten konnen. Die rückläufigen Realinvestitionen führen zu hoheren Arbeitslosenquoten, was wiederum die Lust am Konsumieren dämpft usw."
Das Buch, das folgerichtig all jenen gewidmet ist, "die bisher geglaubt haben, daß der Neoliberalismus liberal und marktwirtschaftlich sei", bietet ein hervorragendes Seiten-Leistungs-Verhältnis: Auf nur 140 Seiten erhält man viele Anregungen zum Weiterdenken, es ist klar und leicht formuliert. Vontobel kennt die wichtigsten Entwicklungen in der okonomischen Theoriebildung und kann diese - einschließlich ihrer Absurditäten - als Wirtschaftsjournalist auch gut vermitteln.

Stephan Schulmeister in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 20)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Die Krise des globalen Kapitalismus (George Soros)
Die Wohlstandsmaschine (Werner Vontobel)

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