Schmalspur-Ökonomie
Die 27 populärsten Irrtümer über Wirtschaft

von Paul Krugman, Herbert Allgeier

€ 26,30
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Campus
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Wirtschaft
Erscheinungsdatum: 01.02.2000

In seinem neuen Buch nimmt Paul Krugman die gängigsten Irrtümer rund um die Wirtschaft ins Visier. Mit Witz und Ironie entlarvt er Politiker und Intellektuelle als Möchtegern- Experten, denen wir die Debatte so wichtiger Themen wie Arbeitsmarktprobleme, Weltfinanzordnung und Wohlstandsgefälle nicht vorbehaltslos überlassen sollten. Provokant, aber immer mit der nötigen Portion Selbstdistanz deckt Krugman ökonomische Denkfallen und Trugschlüsse auf. Sein unvergleichlicher Schreibstil beschert neue Einsichten und Lesespaß. Paul Krugman gehört zu den weltweit bekanntesten und renommiertesten Ökonomen. Die sogenannte "Neue Außenhandelstheorie", die Erkenntnisse der Industrieökonomik auf Fragestellungen des Internationalen Handels anwendet, geht auf ihn zurück. Dabei wird beispielsweise erklärt, wie die selben Güter von einem Land gleichzeitig exportiert und importiert werden können, welche Auswirkungen Marktmacht und unvollständiger Wettbewerb auf den internationalen Handel haben und warum Länder mit gleicher Ressourcenausstattung und Industriekultur miteinander Handel betreiben. Ebenso herausragend sind seine Arbeiten auf dem Gebiet der Makroökonomik, wo er wesentliche Beiträge zur Theorie von Währungskrisen und Wechselkursschwankungen leistete. Beispielsweise analysierte er, wie eine historisch stabile Währung plötzlich starke Schwankungen erfährt und somit eine Zahlungsbilanzkrise verursacht. Paul Krugman wurde 1953 in Long Island, New York, geboren. An der Yale University erhielt er 1974 seinen B.A. und bereits im Alter von 24 Jahren schloss er seine Promotion am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit einer Arbeit über flexible Wechselkurse ab. Im selben Jahr trat er seine erste Professur an der Yale University an. Zwischen 1980 und 2000 war Krugman zunächst Associate Professor, schließlich Ford International Professor of Economics am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Dazwischen lehrte er von 1994 bis 1996 an der Stanford University. Im Sommer 2000 wechselte er an die Princeton University. Daneben hält er sich immer wieder zu Forschungszwecken am National Bureau of Economic Research (NBER) auf. In den Jahren 1982 und 1983 war Paul Krugman persönlicher Assistent des Chairman des U.S. Council of Economic Advisors (entsprechend dem deutschen Sachverständigenrat) unter Präsident Ronald Reagan. 1992 gehörte er zu den Beratern Bill Clintons in dessen Wahlkampagne. Seine Arbeit wurde u.a. 1991 durch die Verleihung der John Bates Clark-Medaille für den besten Nachwuchswissenschaftler unter 40 Jahren gewürdigt. 1998 erhielt Krugman die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin, und im Jahr 2000 wurde ihm in Nürnberg der Horst Claus Recktenwald-Preis für Nationalökonomie verliehen. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schreibt Paul Krugman als Kolumnist für zahlreiche Zeitungen, u.a. New York Times, Slate und Fortune. Er ist bekannt für seine Fähigkeit, komplexe ökonomische Sachverhalte mit seinem einfachen und klaren Schreibstil einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen, und sucht immer wieder den Dialog mit Nicht-Ökonomen. Drei seiner zahlreichen Bücher wurden bisher ins Deutsche übersetzt: "Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg" (1999), "Die große Rezession" (1999) und "Schmalspur-Ökonomie" (2000), alle erschienen bei Campus, Frankfurt/New York.

Rezension aus FALTER 12/2000

Der renommierte US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman nimmt es in seinem neuen Buch mit der "Schmalspur-Ökonomie" einflussreicher Wirtschaftsgurus auf und stellt ihre 27 populärsten Irrtümer bloß. Sehr viel stärker als in Europa greifen in den USA angesehene Wirtschaftswissenschaftler durch Artikel in Tageszeitungen und Magazinen in wirtschaftspolitische Auseinandersetzungen ein. Die wichtigsten Exponenten der Tradition, die praktische Relevanz von Theorien einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen, waren in den Sechziger- und Siebzigerjahren Paul A. Samuelson als Vertreter eines "gemäßigten" Keynesianismus und sein monetaristischer Gegenspieler Milton Friedman. In den Neunzigerjahren haben sich insbesondere drei US-Ökonomen profiliert: Rudi Dornbusch, Jeffrey Sachs und Paul Krugman.
Gemessen an der Zahl der wissenschaftlichen und "populären" Publikationen ist Paul Krugman vom M.I.T. der wohl erfolgreichste "Brückenbauer" zwischen Theorie und Praxis, nicht zuletzt auch deshalb, weil er seine populärwissenschaftlichen Artikel regelmäßig in Büchern zusammenfasst. Sein vorletztes Buch dieser Art erschien in den USA 1998, liegt nunmehr in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Schmalspur-Ökonomie" vor und umfasst Artikel, die der Ökonom zwischen 1995 und 1997 publizierte.
Wie Titel und Untertitel ("Die 27 populärsten Irrtümer über Wirtschaft") andeuten, bekommen da einige ihr Fett ab, insbesondere die "einflussreichen Wirtschaftsgurus" - denn "häufig stehen ihre großmäuligen Thesen nicht nur im Widerspruch zum herrschenden Konsens in der Wirtschaftswissenschaft, sondern sind nachweislich dummes Zeug". Damit wird die wichtigste Stoßrichtung des Buches markiert: Es greift die ökonomischen "Amateure" an und verteidigt die "wahren Profis" - dass Letztere mitunter auch dummes Zeug verbreiten, kommt in diesem Buch kaum vor (im Gegensatz zu den neueren Artikeln von Krugman).
Die Auseinandersetzung mit den "Schmalspur-Ökonomen" wird am Beispiel ihrer bekanntesten Thesen zu fünf Problembereichen geführt: Arbeitslosigkeit, Budgetkonsolidierung, Globalisierung, Geldpolitik und Finanzspekulation. Im ersten Teil polemisiert Krugman zu Recht gegen jene These, wonach steigende Produktivität per se Arbeitslosigkeit verursache: Wenn es durch den technischen Fortschritt gelingt, das Angebot an Arbeitskraft zu erhöhen, warum sollte es dann nicht auch gelingen, die Nachfrage entsprechend zu steigern? Leider macht es sich Krugman allerdings zu leicht.
Zwar ergibt die Annahme keinen Sinn, dass die Gesamtnachfrage fixiert ist, höhere Produktivität also notwendig die Arbeitslosigkeit steigere, doch kann dieses Problem durch eine zunehmende Inkonsistenz zwischen der technischen und der sozialen Innovationsdynamik wesentlich verschärft werden - worauf Krugman nicht eingeht. In Europa steigt etwa die gesamtwirtschaftliche Produktivität wesentlich rascher als in den USA, gleichzeitig mangelt es aber an sozialen Innovationen - von der Geldpolitik bis zu "intelligenten" Arbeitszeitverkürzungen -, die die Effizienzsteigerungen durch höheres Nachfragewachstum und geringere Arbeitszeit "absorbieren" würden.
Was die Budgetpolitik betrifft, so hätten die "Supply-Side-Ökonomen" mit ihrer Empfehlung, die Steuern insbesondere für die Reichen zu senken, ebenso ein Desaster erlitten wie mit ihrer Prognose, die Erhöhung des Spitzensteuersatzes durch Clinton würde eine Wirtschaftskrise nach sich ziehen. Dennoch sei die Angebotsdoktrin unausrottbar, und zwar laut Krugman aus zwei Gründen: "Sie deckt sich mit den Vorurteilen und Vorlieben der Superreichen, und sie ist ein Zufluchtshafen für die intellektuell Schwachbrüstigen." Der Ökonom verschweigt freilich, dass nicht nur "Amateure", sondern auch viele renommierte Wirtschaftswissenschaftler diese Doktrin propagierten und dass sie in Europa noch immer dominiert.
Da Krugman die Tendenz hat, sich als Fachmann jenseits von Ideologien zu präsentieren, dokumentiert er nicht nur die "Irrtümer der Rechten", sondern verurteilt - in einem Artikel aus dem Jahr 1997 - auch den Etatismus der französischen Politik und insbesondere das Programm des sozialistischen Premierministers Jospin, durch eine gesetzlich verordnete Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich die Beschäftigungslage nachhaltig zu verbessern. Seither haben sich allerdings Produktion und Beschäftigung in Frankreich von allen großen EU-Ländern am besten entwickelt, Krugmans Einschätzung scheint deshalb zumindest in diesem Punkt revisionsbedürftig.
Einige Kapitel des Buches wie jene über Aspekte der Globalisierung bringen gegenüber früher erschienenen Büchern von Krugman wenig Neues; bestimmte Probleme wie etwa die japanische Wirtschaftskrise werden wiederum in seinem jüngsten Buch "The Return of Depression Economics" genauer analysiert. Besonders anregend und von der aktuellen Entwicklung unabhängig sind die im letzten Teil ("Jenseits des Marktes") zusammengefassten Artikel. So wird etwa anschaulich gezeigt, warum staatliche Regulierungen mit dem Ziel, den Marktmechanismus zu simulieren, zu einem wesentlich effizienteren Umgang mit knappen Ressourcen wie der Umwelt oder öffentlichen Verkehrsflächen führen können. Fazit: eine Sammlung verständlicher, aber nicht simplifizierender Essays zu zentralen Problemen der Ökonomie, sie regen zum Nachdenken an - und mitunter auch zu Widerspruch.

Stephan Schulmeister in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 26)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb