Die volksdeutsche SS-Division "Prinz Eugen"
Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen

von Thomas Casagrande

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Campus
Format: Taschenbuch
Genre: Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945)
Umfang: 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.06.2003

Rezension aus FALTER 41/2003

Die seriöse Aufarbeitung der Rolle einzelner Institutionen während der nationalsozialistischen Herrschaft ist bis heute nicht abgeschlossen. Betrachtet man sie genauer, muss man feststellen, dass sie in ihren Anfängen steckt.

Die Art und Weise, wie sich Institutionen bzw. deren Personal, bis hin zu größeren Personengruppen, von nationalsozialistischen Zielen vereinnahmen ließen bzw. diesen zuarbeiteten, ist von Fall zu Fall verschieden. Die Komplexität des nationalsozialistischen Machtgeflechts sowie die unterschiedlichen Interessenschwerpunkte der ständig miteinander rivalisierenden Zentralinstitutionen (Partei, Ministerien, Vierjahresbehörde, SS etc.) machen es notwendig, Brüche, Neuausrichtungen und das unvermeidbare Scheitern anstatt einer gleichmäßigen Entwicklung unter die Lupe zu nehmen.

Wie eine gelungene Aufarbeitung bei schwieriger Quellenlage aussehen kann, zeigt ein Sammelband über das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) in Berlin. Gegründet 1930, sollte es den US-amerikanischen und französischen Einfluss in Südamerika bremsen und durch das Einwirken auf ausländische Eliten deren "Multiplikatoren"-Effekte ausnutzen helfen. Hier stand schon von Anbeginn hinter der Fassade eines großzügig ausgestatteten kulturwissenschaftlichen Instituts die Absicht einer ökonomischen Nutznießung. Unter den Nazis und unter der neuen Institutsleitung radikalisiert, sollten daraus politische und, später, konspirativ-militärische Ziele hinzukommen.

Im kulturellen Konzept des IAI trat die rassistische Überzeugung in eine wirkungsvolle Verbindung mit der außenpolitischen Ausrichtung des NS. Der im Reich gefeierte "Dia de la Raza" ("Tag der Rasse") bekräftigte den Kampf um die Hegemonie auf der Iberischen Halbinsel ebenso wie in Südamerika. Politisch trat der ehrgeizige Institutsdirektor Wilhelm Faupel, ehemals Freikorpsführer und Militärberater in Argentinien und Peru, 1937 auch deutscher Botschafter bei Franco, mit der Absicht auf, das IAI (und damit sich selbst) für den NS-Staat unentbehrlich zu machen. Eine enge Zusammenarbeit mit Partei, Außenministerium und SS war die Folge.

Der vom Zaun gebrochene Krieg verlagerte spätestens 1941 die Interessensphären des Naziregimes weg von Südwesteuropa und Südamerika - Räume, um die man sich nach dem so genannten "Endsieg" zu kümmern gedachte. Bis dahin hatte das IAI den Weg über verschiedene Bedeutungszuweisungen zurückgelegt - 1940 gab es gar Überlegungen, das IAI zur Verbindungsstelle eines deutsch-spanisch-japanischen Geheimdienstes zu machen. Wie es in einem Beitrag heißt: "Die Geschichte nach 1936 muss als Kriegsgeschichte geschrieben werden, nicht als Institutsgeschichte." Stellt sich die Frage, ob dies fürs IAI allein oder für deutsche Institutionen generell gelten soll.

Auch Thomas Casagrande zeigt in seinem Buch über die Banater Schwaben im ehemaligen Jugoslawien die nationalsozialistische Volkstumspolitik als Vehikel ökonomischer und militärischer Interessen. Hier liegt der Schwerpunkt in der bewussten politischen Ethnisierung und Nationalisierung einer Volksgruppe. Herausgelöst aus dem eroberten jugoslawischen Staat, wurde ihnen die besondere "Ehre" zuteil, Volksdeutsche zu sein. Dabei wurde auf Verbände und Institutionen zurückgegriffen, die schon davor - aber ohne nationalsozialistische gesamtdeutsche Ideologie - durch "Ethnomanagement" versuchten, ihre Stellung im Vielvölkerstaat Jugoslawien zu stärken.

Einmal erfolgreich implementiert, ging die Mobilisierung der Volksdeutschen als Teil des "Deutschtums" direkt in ihre Rekrutierung über. In der "Freiwilligen SS-Division Prinz Eugen" waren die meisten Wehrfähigen zur Bandenbekämpfung eingesetzt, das bedeutete unter anderem: Beteiligung an schweren Kriegsverbrechen. Die Instrumentalisierung des Ethnischen durch die militärischen Nazi-Eliten war nachdrücklich. Die meisten Banater Schwaben wurden zu Kriegsende nun ihrerseits als Nazischergen verfolgt.

Beide Bücher untermauern die Annahme der dezisionistischen, stets aber kriegsorientierten und ausbeuterischen Politik des Nationalsozialismus. Sie entwickeln ihre Methodik sozusagen am Gegenstand - und entfalten daraus eine unprätentiöse, detaillierte Darstellung.

Thomas König in FALTER 41/2003 vom 10.10.2003 (S. 35)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Ein Institut und sein General (Reinhard Liehr, Günther Maihold, Günther Vollmer)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb