Schumpeters Reithosen
Die genialsten Wirtschaftstheorien und ihre verrückten Erfinder

von Paul Strathern, Rita Seuß, Sonja Schuhmacher

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Campus
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 41/2003

Hätte der US-Präsident doch bloß auf seinen Berater gehört, der Kommunismus wäre um Jahrzehnte früher untergegangen. Doch Eisenhower weigerte sich, den nuklearen Erstschlag gegen die Sowjetunion zu führen. Der Berater war einer der einflussreichsten Wirtschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts: John von Neumann, der Begründer der Spieltheorie und allgemein als Genie anerkannt. Seine Theorie verleitete von Neumann zur Überzeugung, die Russen müssten ausgelöscht werden, bevor es auch ihnen gelingt, eine Wasserstoffbombe zu entwickeln. Das hätte den Tod von Millionen Menschen bedeutet, doch das war spieltheoretisch irrelevant.

John von Neumann ist einer der Stars in "Schumpeters Reithosen", einem populärwissenschaftlichen Streifzug durch die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften. Der Weg führt von Luca Paciola, der im 15. Jahrhundert die doppelte Buchführung in Europa bekannt machte und damit den Handel revolutionierte, bis zum zeitgenössischen Ökonom Milton Friedman, dem Gott aller Neoliberalen. Der deutsche Titel des Buches ist dabei einigermaßen irreführend, denn Joseph Schumpeter kommt darin nur am Rande vor. Im Original heißt das Buch "Dr. Strangelove's Game", eine Anspielung auf einen Kubrick-Film, dessen Protagonist den atomaren Erstschlag gegen die Sowjets betreibt.

Auf gut 300 Seiten präsentiert der US-Ökonom Paul Strathern einen kompakten und kurzweiligen Abriss der Geschichte der Wirtschaftswissenschaften - ein lesenswertes Buch für alle, die sich entspannt mit den bedeutendsten ökonomischen Vordenkern der letzten Jahrhunderte bekannt machen wollen. Den Schwerpunkt legt er auf die Persönlichkeiten hinter den Wirtschaftstheorien. So lernen wir etwa John Law kennen, gesuchter Mörder, Frauenheld und leidenschaftlicher Zocker. Nebenbei erfand er das Papiergeld, wurde in Frankreich erster Zentralbankchef der Welt und der in Folge zum reichsten Mann seiner Zeit. Dem raschen Aufstieg folgte der tiefe Fall. Laws System kollabierte, Frankreich war pleite. Law selbst endete schließlich fast mittellos in Venedig und hielt sich bis zu seinem Tod mit Glücksspiel über Wasser. Trotz seines unrühmlichen Endes haben sich die Ideen von John Law langfristig durchgesetzt: Papiergeld und Zentralbanken sind heute eine Selbstverständlichkeit.

Weitere Hauptdarsteller des Buches sind natürlich Adam Smith, der Schöpfer der klassischen Nationalökonomie, Karl Marx und der heute oft geschmähte John Maynard Keynes. Aber auch weniger bekannte Pioniere der Wirtschaftswissenschaft werden vorgestellt. Unter ihnen etwa der Sozialutopist Robert Owen, der es nicht bei schönen Theorien beließ. Er organisierte menschenwürdige Wohnungen und günstige Lebensmittel für seine Arbeiter. Vor allem aber schickte er ihre Kinder zur Schule.

Gerhard Schwarz in FALTER 41/2003 vom 10.10.2003 (S. 30)


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