Wie Google tickt - How Google Works

von Eric Schmidt, Jonathan Rosenberg

€ 27,80
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Übersetzung: Meike Grow
Übersetzung: Ute Mareik
Übersetzung: Gregor Runge
Verlag: Campus
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Betriebswirtschaft, Unternehmen
Umfang: 294 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.01.2015


Rezension aus FALTER 11/2015

These ads suck! Die Erfindung des Suchens

Internet: Zwei Google-Manager erklären, wie ihre Firma funktioniert und sich das Arbeiten verändert hat

Was wäre eine Firmenlegende ohne Heldengeschichten? Larry Page gefiel nicht, was seine Suchmaschine an Inseraten lieferte, als er nach einem Oldtimer-Motorrad suchte. Also berief er ein Meeting ein und …? Falsch!
Er hängte einen Ausdruck der mauen Ergebnisse ans schwarze Brett nebst einem Zettel, der seinem Unmut Ausdruck verlieh: "These ads suck." Dann begab er sich ins Wochenende. Am nächsten Montag überraschten ihn fünf Informatiker: Sie hatten den Aushang des Chefs gesehen, seiner Kritik recht gegeben und sich ans Programmieren gemacht – um nun einen neuen Algorithmus zu präsentieren, der die vorgefundene Schwäche ausmerzte.

Cool sind sie, die Menschen aus dem Silicon Valley. Und die allercoolsten sind die "Googler" – schreiben zwei Bosse von Google. Aber sie schreiben's cool. Eric Schmidt und Jonathan Rosenberg erzählen diese Storys aus erster Hand. Schmidt ist jener Mann, den die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page holten, um das von ihnen gegründete Start-up gemeinsam in einen Weltkonzern mit über 50.000 Mitarbeitern zu transformieren.
Rosenberg stieg zur selben Zeit als Chef des Produktmanagements ein. Ausschlaggebend waren nicht ihre wirtschaftliche Erfahrung und Ausbildung gewesen, sondern ihre technische. Google expandierte rasant, der Börsengang wurde vorbereitet.
Schmidt hatte bereits gelernt, dass er hier anders managen musste als bisher: "Einer der Hauptgründe für unseren Erfolg ist jedoch, dass der Plan, den wir dem Vorstand (…) vorlegten, kein echter Businessplan war." Gerade die Offenheit einer unvollständigen Strategie machte das Unternehmen in einer Welt mit wenigen vorhersagbaren Parametern zum Big Player.
Virtueller Weihrauch weht da schon in recht dicken Schwaden. Doch der Coolnessfaktor trägt. Was Google tut, wie es geführt wird, wie das Buch geschrieben ist: All das wirkt locker aus dem Handgelenk geschüttelt. Die hier gesammelten Schnipsel liefern nicht nur eitle Nabelschau, sondern klare Konturen eines Unternehmens, das anders werkt als viele andere. Die Sätze der beiden Manager, formuliert mithilfe ihres Kommunikationschef Alan Eagle, zeichnen mit klaren Pinselstrichen ein Bild, das naturgemäß subjektiv bleibt. Manchmal, wenn der Leser direkt angesprochen wird, neigt sich das stilistische Gleichgewicht ein wenig in Richtung Ratgeber.

"Immer den Nutzer im Fokus zu haben" nennen die Manager das wichtigste Prinzip des Unternehmens. Dies hieße auch, die Bedürfnisse des Suchmaschinenbenützers über jene der zahlenden Werbekunden zu stellen, versichern die Herren, denen vorgeworfen wird, Nutzerdaten für Werbekunden auszubeuten und bereitwillig mit der NSA zu kooperieren. Noch überraschender wirkt ein interner Grundsatz von Google: "Tu nichts Böses" ("Don't be evil"). Glaubt man das jemandem, der im Verdacht steht, Datenschutzbestimmungen zu verletzen?
Als Beispiel bringen die Autoren die Aufgabe ihres China-Engagements. Als die Verhandlungen über die Lockerung der Zensurbestimmungen kein Ergebnis brachten und chinesische Hacker versuchten, ­Google-Accounts von Menschenrechtsorganisationen zu knacken, zog sich Google aus ethischen Gründen – und unter großem Medienecho – aus China zurück.
Höchste Priorität geben die Manager dem Recruiting. "Smarte Kreative" heißt das Zauberwort. Sie gilt es zu finden und zu binden. Diesen Wunderwuzzis der Silicon-Valley-Welt muss man schon einiges bieten: selbstbestimmte Arbeitszeit, Gratis-Mittagessen in Luxus-Cafeterias am Google-Campus, gesponserte Massagen. Vor allem aber brauchen sie Gestaltungsspielraum.
Die Mitarbeiter dürfen hier auf eigene Faust Innovationsprojekte starten. Personalentscheidungen – auch über Spitzenpositionen – werden in Komitees getroffen. "Sprich mit den Ingenieuren" war eine der wichtigsten Leitlinien, die man den neuen Managern zu Beginn ihrer Google-Karriere mitgab.

Der Weg in die schöne neue Welt fiel den in klassischen Wirtschaftsbetrieben sozialisierten Autoren nicht immer leicht: "Was einen als Chef von Kreativen wirklich frustriert, ist die Tatsache, dass man kaum Macht hat", halten sie zur ungewohnten Führungskultur fest. Auf der anderen Waagschale liegt das erwartete Engagement: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine anzuheuernde Google-Mitarbeiterin lautet etwa: "Sie will viel erreichen, und das geht nicht in neun Stunden an fünf Tagen die Woche." Ebenso selbstverständlich liest man über spontan angesetzte Meetings sonntagnachmittags.
Misserfolge werden hier ganz offen abgehandelt, oft mit augenzwinkernder Selbstironie. Für Selbstkritik bei heiklen Themen wie Datenschutz oder überfordernden Arbeitsbedingungen reicht es aber dann doch nicht ganz. Am Ende hat man sich flott durch eine Sammlung von Erfolgsrezepten aus dem Hause Google gelesen. Am Rand des Weges lassen sich ein paar technische Details sammeln: was den Google-Algorithmus von anderen Suchmaschinen unterscheidet, wie Google Earth entstand oder was die virtuellen Museumsräume "Open Gallery" bieten.
Auf die Frage, wie ein Unternehmen im vernetzten globalisierten Zeitalter geführt werden kann, finden sich hier Antworten, die nachweislich funktioniert haben und die den Jahrzehnte langen Konsens gängiger Managementlehren infrage stellen.
Der mühelose Stil erzeugt einen Sog: Die Einblicke in die Eingeweide eines riesigen Unternehmens lassen sich von vorne bis hinten in einem Stück lesen. Nutzen bringen sie nicht nur Technikern und Managern, sondern alle Lesern mit Interesse an neuen Arbeitswelten.

Andreas Kremla in FALTER 11/2015 vom 13.03.2015 (S. 34)


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