Heute ist leider schlecht
Beschwerden ans Leben

von Ronja von Rönne

€ 13,40
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Verlag: FISCHER Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Biographien, Autobiographien
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.02.2017


Rezension aus FALTER 11/2017

Die kurze Erdenzeit und ihre sinnvolle Nutzung

Lebenskunst: Ronja von Rönnes Kolumnensammlung „Heute ist leider schlecht“ ist ziemlich guter Lesestoff

Die Bloggerin, Journalistin und mittlerweile Schriftstellerin Ronja von Rönne liebt die Provokation. Zumindest liest man das über sie. Sie sei „schnoddrig, überlegen, witzig, respektlos“ steht auf dem Umschlag ihres Romandebüts „Wir kommen“ (2016). Bekannt wurde Rönne mit einem ihrer Texte für die deutsche Tageszeitung Die Welt.
Er hatte den klingenden Titel: „Warum mich der Feminismus anekelt“. Doch anstatt eine interessante Position kennenzulernen, bekommt man nur die übliche Feminismuskritik serviert: Eine selbstbewusste Frau braucht keinen Feminismus, wer sich als Opfer fühlt, wird zu einem.

2015 wurde sie zum Bachmannpreis-Wettlesen eingeladen, die Jury, liest man, hätte sie mit ihrem Text etwas ratlos zurückgelassen. Vielleicht, weil der Text nicht schnoddrig und provokant, sondern traurig und etwas verzweifelt war. Aber das passt offenbar nicht zur Marke Ronja von Rönne, die so schön erfunden wurde. Denn am Klappentext ihres neuen Buchs, der Kolumnensammlung „Heute ist leider schlecht“, erfährt man wieder, wie „frech, witzig, provozierend“ die vorliegende Lektüre sei.
Tatsächlich wird mit diesen Begriffen der Blick auf etwas Großartiges verstellt: Ronja von Rönnes Texte sind wunderschön. Ihre Bekanntheit sollte auf der Eleganz gründen, mit der sie über die Schwere und den Tod schreibt. „Heute ist leider schlecht“ ist mit Kolumnen für die Welt und Texten aus ihrem Blog Sudelheft gefüllt. Im ersten Teil erfährt der Leser, „Warum es schlimm ist“, im zweiten, „Wo es schlimm ist“ und im dritten „Was gegen das Schlimme hilft“. 
Gleich im zweiten Text „Keine Gnade am Morgen“ schreibt Rönne über Panikattacken um vier in der Früh: „Das Schöne ist, dass sich die Zeit von ganz allein verlebt. Ich muss gar nichts tun. Ich kann mit einer Scheibe Toast auf meinem Grabstein sitzen und warten. Aber weil ein Grabstein sehr unbequem ist, wache ich häufig nachts auf und muss darüber nachdenken, warum ich meine kurze Erdenzeit nicht sinnvoller genutzt habe. Alles ist sehr schlimm.“
Als Rönne eines Morgens Besuch vom Tod bekommt, der sich auf ihren Bürostuhl setzt, schreibt sie: „Er saß da nicht still, sondern drehte sich auf dem Stuhl in einer Höllengeschwindigkeit um sich selbst. Dabei rief er: ,Hui‘.“
Immer wieder kommen Allegorien vor, wie das Diffuse, das sich in Rönnes Bett zusammenrollt und fragt: „Du verlässt mich nicht, oder?“ Hin und wieder schauen auch die Verzweiflung und der Fatalismus vorbei, die dann in einer Ecke knutschen.

Von ihrer Feminismusekel-Kolumne, die in dem Buch auch nicht abgedruckt wurde, hat sie sich mittlerweile distanziert. Sie werde in Zukunft, wenn sie wütend sei, in Obst beißen und nicht mehr solche Texte schreiben, sagte sie in einem Interview mit News. In „Heute ist leider schlecht“ sind Gedanken zum Feminismus nur mehr in Spurenelementen zu finden.

Einige der gesammelten Kolumnen driften etwas ins Banale ab, viele andere wiederum zeugen von einer großen Beobachtungsgabe, die ganz ohne Sensationslüsternheit auskommt. Aus einem Besuch bei einer AfD-Demonstration entsteht etwa eine differenzierte, ruhige Reportage, die man mittlerweile selten zu diesem Thema findet. Rönne spricht mit Menschen, die Blumen verteilen und „Merkel muss weg“ brüllen, dazu klassische Musik laufen lassen, von der sie nicht wissen, ob sie von Beethoven oder Mozart stammt. Auf der anderen Seite formieren sich Gegendemonstranten und skandieren „Nazis raus!“.
Rönne schreibt: „Die ganze Veranstaltung scheint ein riesengroßes Missverständnis zu sein. Die verunsicherten Rentner, die ratlos Blumen in der Hand halten, sich unverstanden und verleumdet fühlen, haben mit den glatzköpfigen Nazis, gegen die die Gegenseite demonstriert, wenig gemein. Es scheint völlig unklar, wer für was genau steht. Nur in einem Punkt scheinen sich alle erstaunlich einig: Etwas gerät außer Kontrolle, und die Politik scheint nicht imstande, Lösungen zu schaffen.“
Ronja von Rönnes Texte erzählen vom Schweren und Mühsamen. Manchmal sind sie komisch, nur schnoddrig sind sie ganz bestimmt nicht.

Stefanie Panzenböck in FALTER 11/2017 vom 17.03.2017 (S. 36)



Rezension aus FALTER 10/2017

Nicht provokant, aber schön: Ronja von Rönne erzählt von der Schwere des Daseins

Die Bloggerin, Kolumnistin und Autorin Ronja von Rönne liebt die Provokation. Zumindest liest man das über sie. Sie sei „schnoddrig, überlegen, witzig, respektlos“ steht auf dem Umschlag ihres Romandebüts „Wir kommen“ (2016). Bevor man ihr neues Buch „Heute ist leider schlecht“ zu lesen beginnt, erfährt man im Klappentext, wie „frech, witzig, provozierend“ die Texte seien, die Rönne für Die Welt und ihr Blog Sudelheft verfasst hat.
Wer am schnoddrig-witzig-frechen Image der 25-Jährigen arbeitet – sie selbst oder ihre Vermarkter –, ist unerheblich, tatsächlich wird mit diesen Begriffen der Blick auf etwas anderes verstellt: Rönnes Texte sind wunderschön. Ihre Bekanntheit sollte nicht auf Pseudo-Provokationen wie der verunglückten Kolumne „Warum mich der Feminismus anekelt“ gründen, sondern auf der Eleganz, mit der sie über die Schwere und den Tod schreibt.
Im ersten Teil erfährt der Leser „Warum es schlimm ist“, im zweiten „Wo es schlimm ist“ und im dritten „Was gegen das Schlimme hilft“. Gleich im zweiten Text „Keine Gnade am Morgen“ schreibt Rönne über Panikattacken um vier in der Früh: „Das Schöne ist, dass sich die Zeit von ganz allein verlebt. Ich muss gar nichts tun. Ich kann mit einer Scheibe Toast auf meinem Grabstein sitzen und warten. Aber weil ein Grabstein sehr unbequem ist, wache ich häufig nachts auf und muss darüber nachdenken, warum ich meine kurze Erdenzeit nicht sinnvoller genutzt habe. Alles ist sehr schlimm.“ Schön.
Immer wieder kommen Allegorien vor, wie das Diffuse, das sich in Rönnes Bett zusammenrollt und fragt: „Du verlässt mich nicht, oder?“ Einige Kolumnen driften auch ins Banale ab, andere wieder berichten von überraschenden Beobachtungen, etwa auf einer AfD-Demonstration oder auf dem Berliner „Gallery Weekend“.
Rönnes Texte sind manchmal komisch, schnoddrig sind sie ganz bestimmt nicht. Von ihrer Feminismus-Ekel-Kolumne, die in dem Buch auch nicht abgedruckt wurde, hat sie sich übrigens mittlerweile distanziert. Sie werde in Zukunft, wenn sie wütend sei, in ein Stück Obst beißen, sagte sie in einem Interview mit News.
Gedanken zum Feminismus oder eben Anti-Feminismus sind in „Heute ist leider schlecht“ deswegen nur in Spurenelementen zu finden.

Stefanie Panzenböck in FALTER 10/2017 vom 10.03.2017 (S. 57)


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