Collection S. Fischer / Wie viele Züge
Roman

von Lena Kugler

€ 9,20
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Verlag: FISCHER Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Hauptwerk vor 1945
Umfang: 128 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2001

Jula ist Studentin, lernt Russisch, lebt in einem heruntergekommenen Wohnheim irgendwo auf der verschneiten Krim. Sie lernt Ilya kennen, einen alten, verbitterten Sowjetmaler, und seinen Enkel Venja, der sich erfolgreich an zwielichtigen Geschäften beteiligt. "Die Geschichte fängt bei den Menschen an ", hat Jula gelernt, und sie macht sich auf die Suche nach der blauen Villa mit dem Weinberg, dem Familienbesitz, von dem ihr verstorbener jüdischer Vater ein Leben lang erzählt hatte.Sie folgt seinen vielen Erzählungen, seiner Spur ins Ungewisse der eigenen Geschichte. Doch je mehr sie herausfindet, desto weniger weiß sie.Mit jeder Anekdote, jeder Begebenheit und jeder Vermutung gerät Jula tiefer in den Taumel der Erfindungen, rückt ihr Vater weiter weg. Ihr Versuch, die undurchschaubare Vergangenheit zu erforschen, führt Jula nur zu immer neuen Geschichten und zum Ursprung der Lebenslüge ihrer Familie; Dichtung und Wahrheit sind nicht mehr voneinander zu unterscheiden. "Wie viele Züge" erzählt von einer Reise in die Wirklichkeit wie zu sich selbst. Eine Reise, die ein Abenteuer und phantastisches Märchen ist, mitten in die magische Realität der winterlichen Krim, zu einer zu Bildern gefrorenen Vergangenheit. Eine Reise, auf der Jula ihre eigene, unbekannte Geschichte entdeckt.

Rezension aus FALTER 33/2001

Die Frage "Quo vadis Austria" beantwortet der Wiener Künstler Georg Chaimowicz in seiner Grafikserie "Aufstand der Anständigen" mit einem Zitat von John Heartfield: dem deutschen Stahlhelm. Die "kleinbürgerlichen Dummköpfe" Österreichs stülpen ihn sich über, worauf sich ihre Visagen auflösen. Ein Jude wie er, der den Holocaust überlebt hat, meint Chaimowicz, sei ein politisches Mahnmal und habe als solches zum Beispiel die Pflicht, dem jüdischen FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky Prügel zu verpassen. So mutig der Körpereinsatz des 72-Jährigen, so naiv ist seine zwischen Wahl und Vereidigung der schwarz-blauen Koalition gezeichnete These, in Österreich würden sich die Dreißigerjahre wiederholen.


(Bestellungen: Tel. 0049/23 51/17 14 86, Fax 0049/23 51/17 17 03).Jude und politisches Mahnmal ist auch der Vater von Jula, einer deutschen Austauschstudentin in der Ukraine und Protagonistin von Lena Kuglers Roman "Wie viele Züge". Die 1974 geborene Autorin begibt sich auf eine Fahrt zu Julas familiären Ursprüngen. In der Nachkriegszeit hatte der Vater sein Holocaust-Trauma in einen biografischen Mythos verwandelt: Reiche Weinbauern seien Julas Vorfahren gewesen, die eine Villa bewohnt hätten; er selbst sei Rotarmist, Agent und natürlich moralisch unbefleckt gewesen. Als die Studentin die biografischen Fakten überprüft, findet sie ein Geburtshaus inmitten einer Armensiedlung, und die Brutalität der Shoah schlägt ihr in ihrer ganzen Komplexität ins Gesicht: Julas Vater war ein bettelarmer Kommunist, der aus deutscher Haft zu den Partisanen floh, worauf Hitlers Schergen sich bitter an der jüdischen Bevölkerung des Städtchens rächten. Kugler senkt das Thema auf den Boden des Realistischen: Auch eine Opfergeneration kann nicht immer im Besitz der richtigen Meinung sein.

Martin Droschke in FALTER 33/2001 vom 17.08.2001 (S. 53)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Aufstand der Anständigen - Quo vadis Austria? (Georg Chaimowicz)

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