Leben bis Männer

von Thomas Brussig

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Verlag: S. Fischer
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 9/2002

Fußball ist unser Leben, heißt es in einem deutschen Volkslied aus jenen Tagen, als der Ball noch auf Zuruf ins Tor fand. Fußball ist unsere Welt. Und ein Spiegel der Weltpolitik, über den sich das Übel Kalter Krieg und die Schmach der Wiedervereinigung volksnah erklären lassen. Das zumindest glauben Thomas Brussig, gefeierter Chronist der ostdeutschen Seele ("Sonnenallee"), und der Sportjournalist Christian Eichler. Eicher hat ein "Kleines Lexikon der Fußballnieten" zusammengestellt, in dem sich - neben Auskünften über Erich Mielkes Anteil am zehnmaligen Gewinn der DDR-Meisterschaft durch seinen Lieblingsverein BFC Dynamo Berlin - folgende Parabel versteckt: WM 1974. Zwischenrunde. "Während die in dieser Hinsicht erfahrenen Ostdeutschen ihre Mauer bauten, stellte sich ein Brasilianer zwischen sie und erfreut über die ungeahnte Mithilfe beim Schutz des Sozialismus machten sie ihm Platz. Doch dann"Freistoß. Der Brasilianer lässt sich fallen, "und der Ball jagte durch das Loch im DDR-Schutzwall zum 1:0-Siegestreffer." Haha, der Ball ist so rund wie der Globus. Schriftsteller Thomas Brussig wiederum fand in einem erfolglosen, "Leben bis Männer" skandierenden Landfußballtrainer eine ideale Figur, um die also mit jenem Treffer von 1974 eingeleitete sanfte Revolution im heutigen Osten der BRD sinnstiftend zu rekonstruieren, zu hinterfragen und zu erklären. Ein Spiel besteht nicht nur aus neunzig Minuten Gekicke, sondern auch aus jenem philosophischen Gehalt, den Goethe unzureichend als "des Pudels Kern" bezeichnet. Brussigs Trainer ruft uns zwei grundlegende Gleichungen in Erinnerung: Fußball = Politik. Politik = ein Scheißspiel. "Weil wir es nicht können, von Natur aus nicht. Wir haben einfach zu wenig Fuß im Gehirn ! Für so was wie Fußball ist der Mensch einfach nicht geschaffen. Ein Fußballer ist zum Scheitern verurteilt."

Martin Droschke in FALTER 9/2002 vom 01.03.2002 (S. 68)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Kleines Lexikon der Fußballnieten (Christian Eichler)

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