Kurze Sätze über gutes Leben

von Robert Pfaller

€ 11,40
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Verlag: FISCHER Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion/Sonstiges
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.01.2015

Rezension aus FALTER 28/2015

Fürchtet nicht den Tod, sondern das schlechte Leben!

Robert Pfaller wurde spätestens mit seinem Buch „Wofür es sich zu leben lohnt“ von 2011 zu einer Institution. Er musste ein Interview nach dem anderen geben, über Lust, über Glück, über Genuss, aber auch über Kunst, über die Arbeit und über Autos. Denn es herrscht Erklärungsbedarf: Wie kommt es zu der in westlichen Gesellschaften plötzlich so auffälligen „Verfinsterung in Bezug auf Genüsse“? Warum wird Gesundheit absolut gesetzt? Warum besteht Politik nur noch aus Verboten? Die Ursache dieser Phänomene ortet Pfaller in einem Verfall des öffentlichen Lebens, beginnend mit dem Authentizitätswahn der 1970er- und 1980er-Jahre, der eine Fortsetzung in der neoliberalen Zerstörung von Öffentlichkeit fand. Denn alle Genüsse und großen Glückserfahrungen, so Pfallers These, beruhen auf etwas Ungutem, Unverträglichem oder Unbrauchbarem, und wir brauchen andere, um sie genießen zu können.
Menschen werden willfährig und politisch wehrlos, wenn ihre Fähigkeit zum Genuss verlorengeht, sagt er. Das gebe Mächtigen die Möglichkeit, Pseudopolitik zu betreiben mit der Regulierung von Dingen, die wir selbst regeln könnten. Sie lenkten damit von der Deregulierungswut im Großen und der eigenen Mutlosigkeit ab.
Der Interviewband „Kurze Sätze über gutes Leben“ kondensiert und präzisiert Pfallers Thesen. Jedes der 32 Gespräche geht das Thema von einem anderen Gesichtspunkt an. Dabei wiederholt sich natürlich einiges, mit ein Grund, das Buch, so süffig es sich auch liest, portionsweise zu konsumieren, um Pfallers Grundsätze – um nicht zu sagen Mantren – quasi zu verinnerlichen: Du sollst deinem Nächsten die kleinen Genüsse nicht missgönnen. Du sollst nicht zum Sachbearbeiter deines Lebens werden. Du sollst dich nicht maßlos mäßigen, denn sonst bleibt kein Leben übrig, für das es sich zu leben lohnt.
Auf die große Frage nach dem Lebenssinn hat Pfaller übrigens sympathisch kleine Antworten parat: für „verschwindend kleine Dinge“ – eine Zigarette, ein Glas Rotwein, ein Gespräch, eine durchfeierte Nacht.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 28/2015 vom 10.07.2015 (S. 28)


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