Kristall
Eine Reise in die Drogenwelt des 21. Jahrhunderts

von Alexander Wendt

€ 18,50
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Verlag: Tropen
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 243 Seiten
Erscheinungsdatum: 27.10.2018

Rezension aus FALTER 47/2018

Wach bleiben und immer besser werden

Ein Mann Mitte 40 spritzt sich am Klo eines Clubs Crystal Meth in den Hintern. Er sieht nicht fertig, sondern ziemlich fit aus. Unter der Woche bleibt er nüchtern und arbeitet in der IT-Branche. Am Wochenende ist er 72 Stunden wach und auf der Suche nach Sex und anderen Glücksmomenten.

Das Buch „Kristall“ des deutschen Journalisten Alexander Wendt, das Reportage und Reflexion verbindet, ist dazu geneigt, so manches Vorurteil über Drogen zu zerstreuen und das Wissen zu erweitern. Es führt in tschechische Meth-Labore und in die Schweiz, wo 75 Jahre nach Albert Hofmanns Erstversuch mit LSD zwei Psychiater wieder die Lizenz haben, dieses an Patienten zu verabreichen, lässt Ärzte, Dealer, Polizisten und Konsumenten zu Wort kommen.

Noch mehr interessiert Wendt das Morgen. Dieses beginne heute schon im Silicon Valley, wo Programmierer regelmäßig in winzigen Mengen LSD oder Ecstasy konsumierten, um über lange Zeit arbeiten zu können. Nicht mehr der Rausch werde uns an Drogen reizen, vielmehr werden sie zu Zwecken der Leistungssteigerung und Selbstoptimierung eingesetzt werden, so seine These.

Um etwas über die Zukunft und die langsame Entkriminalisierung von Drogen sagen zu können, blickt der Autor auch zurück. Klar: Der Mensch hat immer schon nach Höherem als Nüchternheit gestrebt. Der Rausch hatte aber stets auch Feinde – frühneuzeitliche Moralapostel oder US-Politiker, die glaubten, eine drogenfreie Gesellschaft erzeugen zu können (de facto verdiente sich die Mafia an der Prohibition dumm und dämlich).

Am Ende versucht Wendt den dialektischen Schluss: „Nach einer langen Zeit des instinktiven Drogengebrauchs und der historisch kurzen Prohibitionsära folgt jetzt ein Zeitalter der kontrollierten Einnahme von Substanzen.“ Die Frage, ob die skizzierte Entwicklung des Menschen zur Mensch-Maschine ein Fortschritt ist, wagt er nicht zu beantworten. „Kristall“ liest sich informativ und spannend, ist bei aller Spekulation ein angenehm nüchternes Buch über Drogen – und freilich auch ein bisschen beängstigend.

Sebastian Fasthuber in FALTER 47/2018 vom 23.11.2018 (S. 34)


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