Teufelsbrück
Roman

von Brigitte Kronauer

€ 23,70
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Verlag: Klett-Cotta
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 505 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 50/2000

Zauberberg und Zauberflöte

Lassen Sie sich mit dem Geschenkekaufen ruhig noch Zeit: Bis Weihnachten dauert es noch über eine Woche. Wenn Sie aber Wünsche suchen ...

Händeringend suchen die Rezensenten einen Platz für dieses Buch - und finden ihn neben Nabokov, Thomas Mann oder Musil. Die Rede ist von "Teufelsbrück", dem jüngsten, ebenso raffinierten wie spannenden Roman von Brigitte Kronauer, der vor allem durch seine Sprache berückt. Im Gegensatz zur gängigen Prosalakonik schwelgt Kronauer geradezu in Beschreibungen und Adjektiven: Sie umkreist, umschleicht ihre Gegenstände, ironisch und elegisch, kühl und hochsinnlich, altmodisch und modern zugleich. Da stehen die "abwägenden, schwertlilienhaften, schwertergleichen Blicke" eines Geschwisterpaars neben einem saloppen "That's all!?", und alles hat seine Richtigkeit.

Doch worum gehts? Im Hamburger Elbeeinkaufszentrum stolpert die Schmuckdesignerin Maria Fraulob in die Arme eines Südamerikaners namens Leo Ribbat und verfällt ihm bedingungslos. Zwar beschränkt sich die Konversation dieses Schönlings mit den Zügen eines verwöhnten Kriminellen auf die zehn reichsten Familien Deutschlands, aber "lieber den Hokuspokus einer Leidenschaft als kopfoben in die Buchhalterei des vernünftigen Augenscheins", findet Maria und sieht sich dann wirklich in eine zauberische Welt verstrickt.

Denn nach und nach erhärtet sich der Verdacht, dass nicht nur Leo und Maria, sondern auch ihre theatralische Nebenbuhlerin und ihr teichäugiger Verehrer an den Fäden der Lebensgefährtin und Chefin des Finanzberaters Ribbat tanzen, der fischmäuligen Diva Zara Johanna Zoern, die Maria bald in ihre Villa im Alten Land jenseits von Teufelsbrück einlädt. "Teufelsbrück" ist der Roman einer Verzauberung und Entzauberung. "Unser Bett war das Zentrum, in dem die Welt abstarb und von dem sie frisch auseinander stäubte, zu dieser Stunde, 3 Uhr 20", schildert Maria einen Ausflug nach Holunderburg alias Heidelberg. Am Schluss weiß sie, dass Leo die Lücke nicht mehr ausfüllen könnte, die er selbst hinterlassen hat. Die zahlreichen Anspielungen - von Grimms Märchen über E.T.A. Hoffmann und die "Ivanhoe"-Verfilmung" mit Liz Taylor bis zum Schneekapitel des "Zauberbergs" - erfreuen das Literatenherz, ohne die pure Leselust zu trüben, und wenn man am Schluss zu ahnen beginnt, dass die Unbekannte, der Maria in einer weißen Hochgebirgswelt ihre Geschichte erzählt, keine Geringere als ...

Aber nein, in diese von Zara regierte Märchenwelt ohne Weltflucht sollte man sich schon selbst entführen lassen. "Zara, bei allem Weltstadtflair, blieb zugleich immer zugestellt dem deutschen Tann, der unter ihren Brauen unkte und drohte und ebenso selbstverständlich lockte. Wer weiß, wohin? Ihr nach, ihr nach."

Kirstin Breitenfellner in FALTER 50/2000 vom 15.12.2000 (S. 74)


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