Stepper oder Die Kunst der Spionage

von Brian Castro, Hans J. Schütz

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Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 49/1999

Arge Zeiten, brüchige Welt

In seinem Roman "Stepper oder Die Kunst der Spionage" beschreibt Brian Castro den inneren Zerfall seines Helden, der für die Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland und Japan spioniert.

Am Ende ist er also tot. Hingerichtet von den Japanern. Viktor Stepper, schon zu Lebzeiten eine Legende, Frauenheld und findiger Spion. Vor seinem Tod hatte er für Stalin die japanischen Aufmarschpläne in der Mandschurei ausgeforscht, hatte das Verhältnis von Deutschland und Japan erkundet. Die Methode war ebenso einfach wie erfolgreich: Getarnt als deutscher Journalist machte er sich an die fadisierten Frauen der Nazis heran, legte sie flach, begeisterte sie mit Eloquenz, Wagemut und dem Image des kurzweiligen Abenteurers - nicht zu vergessen "seine großen, kräftigen Hände und seine lebhaften, brennenden Augen". Kaum eine, die nicht über die Gespräche ihres Mannes zu berichten wusste. Kaum ein Fick, der nicht verwertbar war.

Das Spiel führt zu keinem guten Ende. 1944, kurz vor Kriegsende, gelingt es dem rührigen Chefinspektor Shimamura, den Spionagering zu sprengen. Das "Japanertum" hat gesiegt, Stalin wollte seinen Top-Agenten nicht retten. Später, Mitte der Sechzigerjahre, wird noch eine sowjetische Erinnerungsmedaille geprägt werden.

Seine narrative Kraft entfaltet "Stepper oder Die Kunst der Spionage", der Roman des in Hongkong geborenen Brian Castro, aber nicht entlang des Spionagethemas. Die verwirrende Vielzahl von patchworkartig kombinierten Bildern und Situationen steht für die Fragmentierung des Innenlebens der Protagonisten. Keiner weiß, wo er hingehört, die Welt ist ein Labyrinth ohne Ausgang. Stepper selbst verliert sich in seiner Liebe zur Japanerin Raiko, die für ihn trotz größter Nähe unnahbar ist. An der Oberfläche seines Spionagelebens funktioniert Stepper noch, in seinem Inneren ist er längst zerstört, aufgerieben durch seine Heimatlosigkeit, das Fehlen jeglicher Zugehörigkeit. Castros Sprache trägt die Botschaft: Zerrissenes, bloß Angedeutetes wechselt mit vulgär-markigen Bildern. Japanische und amerikanische, französische und deutsche Kultursplitter werden ausgestreut, alles beiläufig. Zwar stirbt der Held mit der "Internationalen" auf den Lippen, aber es ist nicht mehr wichtig.

Wer überlebt, ist der eifersüchtige Ishigo Isaku, der Stepper und die gemeinsame Sache verrät. Er ist es auch, der uns die Geschichte der Legende "Stepper" erzählt.

Alfred J. Noll in FALTER 49/1999 vom 10.12.1999 (S. 64)


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