Magie des Staunens
Die Liebe zur Natur entdecken

von Rachel Carson

€ 20,60
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Übersetzung: Wieland Freund
Verlag: Klett-Cotta
Format: Hardcover
Genre: Ratgeber/Natur
Umfang: 88 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.03.2019


Rezension aus FALTER 12/2019

Sich klein machen und dem Boden näher sein

Ökologie: In ihrem frühen Essay plädiert die Umweltpionierin Rachel Carson für eine „Magie des Staunens“

Das Flattern und Schnattern, das Tschilpen und Tirilieren ist wieder da. Durchschnittlich eine Woche früher als gewohnt kehren Kranich, Kuckuck, Kiebitz und Co – beeinflusst von der Klimaerwärmung – aus ihren Winterquartieren zurück.

Rachel Carson hörte die Rufe der Zugvögel mit „einem Gefühl einsamer Weiten, einem teilnahmsvollen Bewusstsein für das kleine Leben, das Mächte jenseits von Willenskraft und Weigerung beherrschen, einem aufbrandenden Staunen über den sicheren Instinkt dieser Wesen für Route und Richtung“. Das verrät sie hingebungsvoll, ja pathetisch in ihrem Essay von 1956 mit dem Titel „Magie des Staunens“. Was würde die vor 55 Jahren verstorbene Zoologin wohl zu dem sagen, was in diesen Tagen finnische Forscher vom veränderten Biorhythmus der Vögel berichten?

Was würde Carson von Schlagworten wie Achtsamkeit, Biodiversität und Nachhaltigkeit halten, die heute fallen, ohne entsprechende Taten folgen zu lassen? Sie war es schließlich, deren poetischer und gleichsam naturwissenschaftlicher Zugang die US-amerikanische Umweltbewegung anstieß und zum Verbot des Insektizids DDT führte. Den sechs Jahre vor ihrem epochemachenden Buch „Der stille Frühling“ erschienenen Essay „Magie des Staunens“ (im US-amerikanischen Original „The Sense of Wonder. A Celebration of Nature for Parents and Children“) wollte Carson eigentlich zu einem „Wonder Book“ erweitern, sozusagen als positives Gegenstück zu jenem. Doch dazu kam es nicht. Noch bevor sie das Buch fertigstellen konnte, verstarb sie mit nur 56 Jahren, durch Brustkrebs und Therapien geschwächt, an einem Herzinfarkt.

Nun wurde der zeitlose Text erstmals ins Deutsche übersetzt. Er weist den Weg zu einer einfachen „Entdeckungskraft“, die Carson als lebensnotwendig erachtet. Durch die Debatte, die ihr Weltbestseller auslöste, wurde Carson zur Umweltaktivistin. Gleichzeitig trat sie aber auch in die Fußstapfen von Nature-Writing-Autoren wie Henry David Thoreau oder Walt Whitman. „Der stumme Frühling“ machte einer breiten Öffentlichkeit die Risiken von Pestiziden nicht nur so gut verständlich, weil er akribisch recherchiert war, sondern die Auswirkungen auch auf emotionaler Ebene vermittelte.

Auch „Die Magie des Staunens“ baut auf Emotionen auf. Nur wenn wir Neugierde, Mitleid, Erbarmen, Bewunderung oder Liebe verspüren, wollen wir auch Bescheid wissen über eine Sache, sind bereit zu lebenslangem Lernen, meint Carson. Sie vergleicht Fakten mit Samen, aus denen später Weisheit wächst. Gefühle und Sinneseindrücke seien aber der Nährboden, in dem die Samen reifen müssten. Diesen aufzubereiten gelte es bereits im Kindesalter, weil sich die klare Sicht, der richtige Instinkt mit zunehmendem Alter verdunkle, noch bevor wir erwachsen seien.

Aber ist die Erkundung der natürlichen Welt bloß ein angenehmer Zeitvertreib für die glücklichen Stunden der Kindheit oder etwas, das tiefer geht? Wie beeinflusst uns die Natur? Wenn wir in einem grüneren Umfeld aufwachsen, entwickeln wir – so eine jüngst erschiene dänische Studie – im Laufe unseres Lebens seltener psychische Erkrankungen.

Carson ermutigt angehende Naturkenner, zu fühlen, zu spüren, wahrzunehmen, achtsam zu sein. Trotz ihres Wissens um die alarmierende Lage klingt sie nie gereizt oder wird gar plakativ – sie warnt still, aber eindringlich. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Bodenhaftung und Faszination für die kleinen Dinge. Sie nimmt uns mit auf Spaziergänge entlang der felsigen Küste des Bundesstaats Maine und durch dichte Wälder. Wir lauschen Gewitterwolken und der „lebenden Musik“ von Insekten im Unterholz. Und wir lernen zu sehen, wie märchenhaft Flechten sind.

Carsons Devise lautet, sich klein zu machen, dem Boden näher zu sein, neugierig zu sein, die Sinne zu schärfen – eine Einstellung, die auch in den heutigen Debatten um Natur und Gesellschaft wieder in Erinnerung gerufen zu werden verdient.

Juliane Fischer in FALTER 12/2019 vom 22.03.2019 (S. 44)


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