Was wir von Primaten über Gender lernen können
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Kurzbeschreibung des Verlags:



»Dieses Buch ist großartig! Frans de Waal ist nicht nur einer der angesehensten Primatologen der Welt – er ist auch ein mutiger Feminist.«
Sy Montgomery, Autorin von Rendevous mit einem Oktopus

Unsere beiden nächsten Primatenverwandten, die Bonobos und die Schimpansen, stehen uns nahe und sind für unser Selbstverständnis wichtig. Witzig, ironisch und fesselnd behandelt der weltbekannte Primatenforscher Frans de Waal Themen wie Geschlechtsidentität, Sexualität, geschlechtsspezifische Gewalt, gleichgeschlechtliche Rivalität, Homosexualität, Freundschaft und Fürsorge.
Wie unterschiedlich sind Männer und Frauen? Gendern nur wir Menschen, oder eignen sich auch Menschenaffen geschlechtsspezifische Rollen an? Auf der Grundlage jahrzehntelanger Beobachtungen von Primaten, insbesondere unserer nächsten lebenden Verwandten, der Schimpansen und Bonobos, untersucht Frans de Waal, was wir über biologische Geschlechtsunterschiede und die Rolle von Kultur und Sozialisation wissen. Sein Fazit: Gender und Geschlecht unterscheiden sich, und Geschlecht ist mehr als ein soziales Konstrukt. Fachkundig und fesselnd räumt er nicht nur mit geschlechtsspezifischen Vorurteilen auf, die auch von Wissenschaftler viel zu lange gepflegt wurde. Ein hellwaches Buch, dass mit seinem Verständnis von Verhalten, Normen und den bemerkenswerten Potenzialen der menschlichen Spezies mehr als nur zum Nachdenken anregt. Ein Buch zum Umdenken – mit freundlicher Unterstützung von Menschenaffen und anderen Primaten.
»Heutzutage ist ein Mann sehr mutig, wenn er sich auf das Minenfeld der Geschlechterunterschiede wagt. Aber Frans de Waal verlässt sich auf seine Begabung für das Erzählen von Geschichten, seinen aufrichtigen Respekt für die Kultur und seine langjährige intime Kenntnis der Bonobos und Schimpansen und ihrer Paarbildungen, um dieses tückische Terrain geschickt zu durchqueren. Klug und menschlich.« Sarah Blaffer Hrdy, Autorin von The Woman that Never Evolved, Mother Nature und Mothers and Others

»Dieses Buch ist großartig! Frans de Waal ist nicht nur einer der angesehensten Primatologen der Welt – er ist auch ein mutiger Feminist, der sich auf diesen fesselnden Seiten in Gebiete vorwagt, die zu betreten sich die meisten akademischen und literarischen Autoren fürchten... Die Seiten dieses Buches sind vollgepackt mit großartigen Geschichten, faszinierenden Daten und zum Nachdenken anregenden Ideen. Sie werden sicher die wichtigen Gespräche anregen, die wir alle – Männer und Frauen, queer und heterosexuell, trans und nicht-binär – führen müssen, um eine gerechtere und gleichberechtigtere menschliche Gesellschaft zu schaffen.« Sy Montgomery, Autorin von The Soul of an Octopus

»Die aktuelle Debatte über Geschlechterunterschiede braucht eine ruhige biologische Bewertung, die uns Frans de Waals nachdenkliches Buch »Unterschied« liefert.« Desmond Morris, Autor von The Naked Ape: A Zoologist's Study of the Human Animal

»Frans de Waal bewegt sich fließend und anmutig zwischen der Welt der Tiere und Menschen und den Modellen, die wir erstellt haben, hin und her. Viele gängige gesellschaftliche Vorurteile, die wir für "ganz natürlich" halten, sind es in Wirklichkeit ganz und gar nicht. Sein klarer Stil, sein geschickter Einsatz von Anekdoten und sein tiefes Wissen über die Tierforschung sind die Grundlage für diese nuancierte und tiefgründige Betrachtung nicht nur des Unterschieds, sondern auch der Gemeinsamkeit.« Andrew Solomon, Autor von Far from the Tree und The Noonday Demon

»Frauen gegen Männer. Geschlecht versus Gender. Biologie gegen soziale Prägung. Es gibt nur wenige Bereiche, die so sehr dazu verleiten, sich auf Dummköpfe einzulassen, wie das Thema der Geschlechtsunterschiede. In diesem Fall ist Frans de Waal jedoch kein Narr, sondern unser weisester Primatologe, der sich diesem unwiderstehlichen Thema zuwendet. Mit großer Klarheit, Einsicht und Witz untersucht er die menschlichen Geschlechtsunterschiede und lässt uns dabei nie vergessen, dass wir letzten Endes nur eine andere Art von Primaten sind. Dies ist eine großartige, intensiv anregende Lektüre.« Robert M. Sapolsky, Autor von Behave

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FALTER-Rezension

„Gleichstellung braucht keine Gleichheit“

Donna war anders. Sie raufte gerne mit dem Alphamännchen, sah aufgrund ihres dichteren Fells „männlicher“ als ein typisches Schimpansenweibchen aus. Die Männchen zeigten nur wenig Interesse an ihr, Mutter wurde sie nie. Kurz: Ihre Geschlechtsidentität war uneindeutig. Frans de Waal beobachtete Donna über Jahre hinweg, sie ließ sich gerne von ihm kitzeln.

Sein neues Buch „Der Unterschied“ ist voller Geschichten, die so manche Gewissheit in Frage stellen. Etwa dass es non-binäre Geschlechter nur beim Menschen gäbe. De Waal ist dank seiner populärwissenschaftlichen Bestseller einer der bekanntesten Primatologen weltweit. Er beschrieb eindrucksvoll die uns am nächsten verwandten Primaten: machiavellistische Schimpansen und Sex genießende Bonobos. Welchen der in puncto Geschlechterhierarchien grundverschiedenen Menschenaffen gleichen wir mehr? Bei den Schimpansen führt ein Alpha-Männchen das Regime, die matriarchal organisierten Bonobos verbünden sich in „Schwesternschaften“, gegen die einzelne Männchen (auch wenn diese physisch stärker sind) nicht ankommen.

„Was wir von Primaten über Gender lernen können“ verspricht der Untertitel. De Waals Argument lautet: Wenn wir die gravierenden Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern überwinden wollen, sollten wir unser evolutionäres Gepäck kennen. Immer wieder betont er: „Biologie lässt sich nicht leugnen.“ Dabei vertritt der erklärte Feminist aber gerade keinen plumpen Determinismus.

Beispiel Mutterverhalten: ein Produkt der Evolution, das aber in der sozialen Interaktion erst erlernt werden muss. Deswegen sei auch der Begriff „Mutterinstinkt“ irreführend. Natur und Kultur (nature and nurture) seien keine Gegensätze, sondern untrennbar miteinander verschlungen und aufeinander angewiesen.

Dass Männer und Frauen unterschiedlich seien, dass Burschen Fahrzeuge lieben und gerne raufen würden, während Mädchen mit Puppen spielten und Mutterverhalten übten – das ist für de Waal ein Fakt. Geschlechterspezifisches Verhalten finde sich analog bei unzähligen Primatenarten. Angewandt auf Erziehung hieße das: Kinder sollen sich ihre Spielsachen einfach selber aussuchen können.

De Waal richtet seinen Blick aber nicht nur auf den Menschen, sondern auch auf unsere reduktionistische Wahrnehmung der Tiere. Haben diese Sex, ist das für uns ein „rein funktionaler Vorgang“. Gerade Menschenaffen aber haben offensichtlich jede Menge Spaß am Kopulieren, Oralverkehr und Masturbation. Forscher hätten viel zu lange nach „arttypischem“ Verhalten gesucht und viel zu wenig nach Abweichungen – wie etwa der transidenten Donna.

Biologie determiniert uns, aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Unsere hormonelle und genetische Ausstattung ist flexibel. Schimpansenmänner spielen normalerweise nie mit den Kleinen. Stirbt aber die Mutter, werden die Kleinen von einem Männchen „adoptiert“, das sich als erstaunlich guter Vater erweist.

Dazu streut de Waal auch noch die ein oder andere polemische Spitze ein. Homosexuelle Praktiken wurden bei hunderten von Tierarten nachgewiesen – aber keinerlei Homophobie! Allerdings sei kaum eines dieser Tiere ­– Pinguine, Japanmakaken oder Giraffen ­ – „konsequent“ (also lebenslang) schwul. Das finde sich nur beim Menschen und bei Schafen.

So etwas wie Vergewaltigung gibt es im Tierreich hingegen nur sehr selten ­­­­– und zwar aufgrund der strikten sozialen Kontrolle. Die lebenslange Paarbindung und damit die Kernfamilie gibt es nur beim Menschen, nicht bei anderen Menschenaffen. Gerade die den Blicken der anderen entzogene Hausgemeinschaft werde hier für die Frau zur Gefahr.

„Der Unterschied“ ist ein großartiges Buch, unterfüttert mit de Waals jahrzehntelangen Erfahrungen mit Menschenaffen und seiner profunden Kenntnis der zoologischen und psychologischen Forschung (und deren gelegentlichen Irrwegen und ideologischer Verblendung!). Es ist flüssig geschrieben, klug abwägend, dabei durchaus streitbar, vor allem aber von einer tiefen Empathie für alle Primaten durchzogen. Sein Plädoyer „Gleichstellung braucht keine Gleichheit“ ist zwar nicht neu, aber bestens untermauert. Auch ist das Buch einen Tick persönlicher als de Waals frühere Werke. Er erzählt etwa von seiner Kindheit in den Nachkriegsniederlanden als vierter von sechs Brüdern. Die insgesamt sieben hochgewachsenen Männer überragten die einzige Frau um Haupteslänge. Das Sagen in der Familie de Waal aber hatte die Mutter.

Oliver Hochadel in Falter 42/2022 vom 21.10.2022 (S. 50)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783608986396
Ausgabe 1. Auflage 2022
Erscheinungsdatum 19.10.2022
Umfang 480 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik/Natur, Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag Klett-Cotta
Übersetzung Claudia Arlinghaus

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