Verzettelung

von Wolfgang Bleier

€ 19,00
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Verlag: Müller, Otto
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 120 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.2007

Rezension aus FALTER 11/2009

Dem Gerede wird die Maske heruntergerissen

U nser Fleisch ist mit Haut überzogen, darunter macht das Gerippe klipp klapp." So beginnt Wolfgang Bleiers drittes Prosastück. Ein Beginn ist Sprungbrett und Hürde zugleich. Wer den Sprung wagt, sich der lyrischen Kopfmaschine anvertraut, dem enthüllt sich eine Innenansicht, eine Radiografie von Gedachtem, gleichermaßen berauschend wie ernüchternd. "Ich binde mir einen Hund um den Bauch und höre die Nachtglocke; also trete ich leiser."
Bleier reißt jeglichem Gerede die Maske herunter. "Bauern jammern, gern hätten sie ein Wetter für sich allein, ihre Äcker, ihre Kühe." Er ist den Sätzen auf der Spur, und den Gedanken; den eigenen wie denen des Lesers.

Diese Prosa wirkt wie eine Droge: Je nachdem, wie es einem geht, kommt sie an. Hier schreibt einer, der mit jedem Wort macht, was er will. Gleichzeitig verehrt er es. Wie er übrigens auch "die Frau" verehrt, die Einzige, die etwas sagen darf.
Das männliche Erzähl-Ich tritt als Kopffüßler mit wechselnden Dimensionen auf. Ab und zu Vogel, ab und zu Vögel betrachtend, steckt er zwar eher in einem Gefieder als in einer Haut, sitzt aber doch zumeist in der Küche. Ein Wortschutzgebiet tut sich auf: Das herrliche "Quirx" wird aus der Verschollenheit geborgen. Der Autor traut sich, ganz er selbst zu sein. Und fürchtet offenbar nichts. "Ich sage immer: Sterbe ich, so bin ich doch ein Weilchen an der Luft gewesen."
Man bekommt etwas zu lesen, das man nie gedacht hätte. Vielleicht geträumt. Wie er es macht? Der Autor verrät so viel: "Zusammengefaltet wird jeder Augenblick, und Vögel faltet man ein und aus." Gerade deshalb gibt es Wiedererkennungsmomente. Dass sogar Bleiers Menschmaschine nach einem Hosenkauf völlig erschöpft auf die Wirtshausbank sinkt und Haareschneiden als großes Abenteuer empfindet, wird den einschlägig Vorbelasteten erleichtern.
"Mein Buch spricht davon, dass das Auge ein Instrument des Denkens ist, dass das Licht eine Kraft und dass das Ornament Gedanke ist", diese Zeilen Ossip Mandelstams könnte man der "Verzettelung" ohne weiteres voranstellen.

Den Sätzen sind unzählige Bilder eingeschmiedet, wie auf einem Sprachamboss in Form gehämmert, bis sich dem inneren Auge ein Gemälde darbietet, voll schaurigkomischer Details. Unter Bleiers Händen bekommt Altbekanntes unversehens eine neue Konsistenz. "Ein eigener Kopf ist selten, und in der eigenen Haut zu stecken, ist ungewöhnlich." Wo er Recht hat, hat er Recht.

Andrea Grill in FALTER 11/2009 vom 13.03.2009 (S. 20)


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