Uniklinik

von Jörg Uwe Sauer

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Verlag: Residenz
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 12/1999

Holzfäller am Holzweg

Jörg Uwe Sauers "Uniklinik" gibt vor, eine Satire aufs akademische Milieu zu sein.
Krank, so dachte ich, hier ist alles und jeder krank, und zwar unheilbar krank." Bei einem Roman, der den Titel "Uniklinik" trägt, denkt man bei so einem Eingangssatz noch nichts Böses und macht sich auf eine weitere Abrechnung mit dem verlotterten deutschen Universitätswesen gefaßt: Ein namenloser und seinen Mitmenschen gegenüber notorisch schweigsamer Ich-Erzähler berichtet von einem Treffen in der Cafeteria der Universität Essen, in dessen Verlauf sich die versammelten Literaturwissenschaftler in einigermaßen beschränkter Weise über die verlotterten Zustände in der deutschen Literatur und im akademischen Betrieb hier und anderswo ereifern.
Danach begibt sich die Runde zum Holzfällen. Bei der etwas sonderbaren Freizeitgestaltung der Akademiker läßt sich ihr vorgesetzter Professor von einem fallenden Baum halb erschlagen und wird in die Uniklinik eingeliefert. Wenige Tage später findet der Ich-Erzähler beim Holzfällen mit seiner Kollegin Mathilde einen Erhängten. Polizeiliche Ermittlungen werden eingeschaltet. Dann gibt es ein Benefiz-Fußballspiel, an dem auch Luhmann, Handke, Libuda, Dino Zoff und der Erzbischof von Rom teilnehmen. Weitere groteske Begebenheiten folgen - ehe der Ich-Erzähler endlich das Ruhrgebiet verläßt und sich nach Triest begibt. Letzter Satz: "Mein Aufenthalt in Triest, also meine Triester Zeit, war entsetzlich."
"In einer Stunde füllte ich über vierzig Seiten, alles mußte heraus, es war wie ein Erbrechen." Mit diesen Worten beschreibt der Ich-Erzähler gegen Ende des Romans seine eigenen Aufzeichnungen. Ganz ähnlich liest sich dieser völlig entbehrliche Roman denn auch, der mindestens ebenso nervtötend und zerrüttet ist wie jenes Milieu, das er zu beschreiben vorgibt. Die Farce, die dieses Buch sein will, gerät zu einer Farce ihrer selbst, in der sich dreiste Thomas-Bernhard-Anspielungen mit humorfreien Heidegger-Kalauern abwechseln und der dargestellte Unsinn mit der unsinnigen Darstellung konkurriert. Und so ist es immerhin schlüssig, daß am Beginn des Romans das Attribut "krank" steht und am Ende "entsetzlich". Der Rest liegt tatsächlich irgendwo dazwischen.

Klaus Taschwer in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 14)


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