Christoph Marthaler
Die einsamen Menschen sind die besonderen Menschen

von Klaus Dermutz

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Format: Hardcover
Genre: Kunst/Theater, Ballett
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 51-52/2000

Die Karriere des Schweizer Theaterregisseurs Christoph Marthaler ist noch keine zehn Jahre alt - es wirkt also zunächst etwas voreilig, dass bereits jetzt eine umfangreiche Werkmonographie vorliegt. Aber Marthaler hat das deutschsprachige Theater im vergangenen Jahrzehnt so entscheidend geprägt wie sonst nur noch Frank Castorf: In der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz waren Marthalers minutiös realistischen und subtil musikalischen Erstarrungshochämter die Antithese zu Castorfs grell abstrakten und brachial lauten Zerstörungsfesten. Dazu kommt, dass der Spätstarter - der heute 49-jährige Marthaler kam über die Musik zum Theater - seine so eigenartige Ästhetik nicht erst entwickeln musste; es war längst alles in seinem Kopf: "Dieses ,Modell' hat sich nicht langsam entfaltet", glaubt der Dramaturg Matthias Lilienthal. "Als ihm die Möglichkeit gegeben wurde, hat Marthaler seine Welt als Ganzes ,ausgekippt' ..."
Ein Grund mehr, das Projekt Marthaler zu würdigen, als wäre es bereits abgeschlossen, wie das der Theaterpublizist Klaus Dermutz in dem aufwendig gestalteten (und entsprechend kostspielig geratenen) Band "Christoph Marthaler - Die einsamen Menschen sind die besonderen Menschen" gemacht hat. Auf ein Gespräch mit Marthaler selbst hat Dermutz dabei (warum auch immer) verzichtet; der vermeintliche Schwachpunkt erweist sich jedoch als Stärke: In den verschiedenen Gesprächen mit (und Textbeiträgen von) Marthaler-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wie der Bühnenbildnerin Anna Viebrock oder den Schauspielern Josef Bierbichler und Graham F. Valentien entsteht - in Kombination mit einer ausführlichen Werkanalyse und vielen Fotos - das ziemlich vielschichtige Bild eines Künstlers, dessen Geheimnis dennoch nicht angetastet wird. Obwohl die biografische Information, dass Marthalers Eltern ein protestantisches Studentenheim geführt haben, für Kenner seines Theaters durchaus aufschlussreich sein dürfte.

Wolfgang Kralicek in FALTER 51-52/2000 vom 22.12.2000 (S. 88)


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