Fast ein bisschen Frühling
Roman

von Alex Capus

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Die wahre Geschichte der Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte, die im Winter 1933/34 den Seeweg von Wuppertal nach Indien suchten. Sie kamen nur bis Basel, verliebten sich in eine Schallplattenverkäuferin und kauften jeden Tag eine Tango-Platte.

Zwei arbeitslose junge Burschen wollen 1933 aus Nazideutschland fliehen. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfallen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschießen. Auf der Flucht in den Süden kommen sie nicht weit: In Basel verliebt sich der eine in eine Schallplattenverkäuferin. Tag für Tag kauft er eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht ist und der nächste Banküberfall nötig wird. Abend für Abend gehen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie ist eine junge Sportartikelverkäuferin, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers sein wird und die sich entscheiden muß zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten.
Alex Capus hat diese authentische Geschichte um Freundschaft und Treue, Liebe und Verrat akribisch recherchiert – in Polizei- und Zeitungsarchiven, in Gesprächen mit Überlebenden, auf langen Wanderungen an den Orten des Geschehens. Entstanden ist ein Roman wie ein Tango: leicht und schwermütig, frisch und elegant und voller Trauer um verpaßte Möglichkeiten und zerronnenes Glück.

Rezension aus FALTER 34/2002

True Crime, Made in Austria: Ende der Achtzigerjahre wurde er als "Pumpgun-Ronnie" berühmt. Im bürgerlichen Leben als Johann Rettenberger bekannt, überfällt der sympathische Niederösterreicher mehrere Banken (an einem Tag sogar drei!). Seiner Frau erzählt der Dreißigjährige, er sei laufen oder spazieren gewesen. Wie die Bankräubergang "Die Ex-Präsidenten" in Kathryn Bigelows Surfer-Thriller "Point Break" (1991) zieht sich Pumpgun-Ronnie bei seiner Arbeit eine Ronald-Reagan-Maske über den Kopf. Der Roman "Die Räuber" von Martin Prinz heftet sich dem Flüchtenden in seinen letzten Stunden an die Fersen. Vier Tage lang ist der geübte Marathonläufer zum Großteil zu Fuß unterwegs und narrt die ihn verfolgende Polizei, bis ihn ein tödlicher Schuss trifft. Das vorangestellte Motto von Franz Kafka, "Ich werde mich nicht müde werden lassen", gibt den ruhelosen Rhythmus vor. Rettenberger rennt und rennt: So ist "Der Räuber" kein Krimi, sondern eine psychologisch gedeutete Laufstudie geworden - über einen, der nur im Rennen eine gewisse innere Ruhe finden kann. Teilweise zu sehr ein Fall für den Sportkanal: die Einsamkeit des Langstreckenläufers.True Crime, Made in Switzerland: In "Fast ein bisschen Frühling" von Alex Capus wollen zwei Arbeitslose 1933 aus Nazideutschland nach Indien fliehen, sie überfallen eine Bank, wobei ein Angestellter (er wird nicht das letzte Opfer sein) ums Leben kommt. Ihre weiche Seite entdecken die beiden in einem Schallplattenladen in Basel, wo sie hängen bleiben, um der schönen Dorly Tag für Tag eine Tango-Platte abzukaufen, was weitere Überfälle nach sich zieht. Erzählt ist die romantische Story mit authentischem Hintergrund in einem schmissigen Ton ohne viel Psychologisieren. Wir sehen schon beim Lesen die Verfilmung ablaufen. Letztendlich ist die Geschichte, die sich wie ein Kinderbuch für Erwachsene liest (mit seiner Angebeteten geht der Raubmörder bloß spazieren), aber doch nervig harmlos und sentimental geworden. Ein Fall für die ORF-Prime-Time.Oft fällt einem erst schmerzhaft auf, dass man ein Geschäft nie betreten hat, wenn es verschwunden ist. Kleine, schrullige Läden gehören wie eine Selbstverständlichkeit zum Wiener Stadtbild, dennoch sterben sie mit ihren Besitzern aus und selten kommt Gutes nach. Die Fotografin Petra Rainer hat eine nostalgische Reise zu Greißlern und Handwerkern angetreten. Ihre Funde begleiten literarische Miniaturen von Gerhard Roth, Barbara Neuwirth, Bodo Hell, Manfred Chobot und anderen österreichischen Autoren. Darunter auch der Text "Die Knopfkönigin" von Mella Waldstein, womit sie der k.u.k. Hoflieferantin Erika Frimmel ein Monument setzt.

Karin Cerny in FALTER 34/2002 vom 23.08.2002 (S. 54)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

En Détail. Alte Wiener Läden. (Petra Rainer)
Der Räuber

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb