Kein Land des Lächelns
Fritz Löhner-Beda, 1883-1942

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Genre: Geisteswissenschaften
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 49/2002

"Kein Land des Lächelns" erinnert daran, wie stark der Librettist Fritz Löhner-Beda die Populärkultur der Zwischenkriegszeit prägte.

Personalien, Beruf? "Librettist, Journalist, Zionist, Kapitalist." Zuständigkeit? "Land des Lächelns." Politischer Bezirk? "Neues Wiener Journal." So charakterisieren Jura Soyfer und Hans Weigel in einem Mitte der Zwanzigerjahre entstandenen Sketch ihren berühmten Kollegen: Fritz Löhner-Beda - geboren anno 1883 in der westböhmischen Provinz und im Dezember 1942 in Buna, einem Nebenlager von Auschwitz, ermordet.

Gemessen an seiner einstigen Popularität darf man Löhner-Beda wohl als "Vergessenen" selbst unter den Vergessenen bezeichnen. Er hat, wie kaum ein anderer, die österreichische Populärkultur der Zwischenkriegszeit geprägt: die Operette, den Schlager, das Kabarett, ja, als Mitbegründer der Hakoah sogar die heimische Fußballgeschichte - eine Persönlichkeit also, die Stoff für gleich mehrere Bücher hergibt.

So liest sich "Kein Land des Lächelns" von Barbara Denscher und Helmut Peschina wie die Einlösung jenes Versprechens, das Günther Schwarbergs vor zwei Jahren im deutschen Steidl Verlag erschienene Biografie "Dein ist mein ganzes Herz" gegeben hat: Was in dem ersten Buch als kulinarische Erzählung daherkommt, wird im zweiten dankenswerterweise durch penible Quellenangaben und ein gut brauchbares Werkregister faktisch untermauert. Zudem versuchen Denscher und Peschina nicht nur Beda, dem gefeierten Librettisten von Franz Lehár, gerecht zu werden, sondern auch Beda, dem politisch engagierten Satiriker, erklärten Zionisten und großbürgerlichen Lebemann.

Aus der Gegenüberstellung seiner Greatest Hits - beispielsweise den Richard-Tauber-Liedern "O Mädchen, mein Mädchen" und "Freunde, das Leben ist lebenswert!", Schlagern typisch wienerischer Prägung ("Drunt' in der Lobau") oder Gassenhauern wie "Mausi, süß warst du heute Nacht" und "Ausgerechnet Bananen" - mit Gedichten, die er wöchentlich in der Wiener Sonn- und Montagszeitung veröffentlichte, wird das angespannte politisch-kulturelle Klima zur Zeit der Ersten Republik greifbar. Titel wie "Wer ist schuld?! - Dar Jud!", "Hakenkreuz und Sowjetstern" oder gar "Der Münchner" (erschienen am 1. September 1924) sprechen für sich:
"Denn der Münchner ist im Grunde
Seiner Seele pazifistisch,
Und er denkt zur Vesperstunde
Bierokratisch-optimistisch.

Und mit kräftigem Geschnurre
Sieht er, innerlich gebessert,
An der Wand die Hakenkreuze,
Während er sich sanft entwässert."

Beim Betreten des Café Heinrichshof, so erinnerte sich Hugo Wiener, Mitte der Dreißigerjahre einer seiner Co-Librettisten, habe Beda dem Ober jeden Tag durchs ganze Lokal zugerufen: "Bringen Sie mir den Völkischen Beobachter! Ich möchte sehen, was der Tapezierer macht!"

Am 31. März 1938 wird Fritz Löhner-Beda verhaftet, mit dem so genannten Prominententransport, nach Dachau, und im Herbst 1938 weiter nach Buchenwald deportiert. Dort entsteht, in Zusammenarbeit mit dem gleichfalls verschleppten Hermann Leopoldi, die berühmte Lagerhymne "Das Buchenwaldlied":
"O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist.

Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!"

Michael Omasta in FALTER 49/2002 vom 06.12.2002 (S. 66)


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