Kein Land des Lächelns
Fritz Löhner-Beda, 1883-1942

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Genre: Geisteswissenschaften
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Eine biographische Annäherung an einen der bedeutendsten Wegbereiter der deutschsprachigen Unterhaltungskultur.

Fritz Löhner (1883–1942) war einer der Stars des deutschsprachigen Entertainments der zwanziger und dreißiger Jahre. Als Librettist von Franz Lehár und Paul Abraham schrieb er Operettenklassiker, unter anderem 'Das Land des Lächelns' und 'Die Blume von Hawaii'. Als Schlagertexter schuf er mit Songs wie 'Ausgerechnet Bananen', 'Was machst du mit dem Knie, lieber Hans' oder 'Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren' Gassenhauer und Evergreens; als Satiriker unterzog er in zahllosen Beiträgen für renommierte Zeitschriften wie dem 'Simplicissimus' und dem 'Götz von Berlichingen' sowie in vielen Kabarettexten Zeiterscheinungen einer kritischen, aber stets überaus publikumswirksamen Analyse. Löhner, der seine Texte häufig unter dem Pseudonym Beda publizierte, war einer der frühesten Exponenten der modernen Unterhaltungsindustrie. Er hatte ein untrügliches Gespür für neue Trends und arbeitete diese in seine Texte ein. Vor allem aber machte er sich neue Medien wie Film und Radio zunutze. In vielen seiner Texte setzte sich Löhner mit den politischen Entwicklungen seiner Zeit auseinander. Sehr klar vertrat er dabei den Standpunkt eines bewußten Juden und engagierten Demokraten. Was Löhner jedoch nicht richtig einschätzte, war die Gefahr des Nationalsozialismus. 1938 wurde er von den Nazis verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Dort dichtete er das 'Buchenwaldlied', zu dem Hermann Leopoldi die Musik schrieb. 1942 wurde Fritz Löhner-Beda von den Nazis ermordet. Nicht nur für frühere Weggefährten, wie etwa Franz Lehár, schien er damit vergessen zu sein. Auch die Nachwelt vergaß den Namen jenes Mannes, dessen Werke jedoch stets als wesentlicher Teil der deutschsprachigen Kultur präsent blieben. Dieses Buch will an ihn erinnern und zeigen, daß Fritz Löhner einen wesentlichen Beitrag zur modernen Unterhaltungskultur geleistet hat.

Rezension aus FALTER 49/2002

"Kein Land des Lächelns" erinnert daran, wie stark der Librettist Fritz Löhner-Beda die Populärkultur der Zwischenkriegszeit prägte.

Personalien, Beruf? "Librettist, Journalist, Zionist, Kapitalist." Zuständigkeit? "Land des Lächelns." Politischer Bezirk? "Neues Wiener Journal." So charakterisieren Jura Soyfer und Hans Weigel in einem Mitte der Zwanzigerjahre entstandenen Sketch ihren berühmten Kollegen: Fritz Löhner-Beda - geboren anno 1883 in der westböhmischen Provinz und im Dezember 1942 in Buna, einem Nebenlager von Auschwitz, ermordet.

Gemessen an seiner einstigen Popularität darf man Löhner-Beda wohl als "Vergessenen" selbst unter den Vergessenen bezeichnen. Er hat, wie kaum ein anderer, die österreichische Populärkultur der Zwischenkriegszeit geprägt: die Operette, den Schlager, das Kabarett, ja, als Mitbegründer der Hakoah sogar die heimische Fußballgeschichte - eine Persönlichkeit also, die Stoff für gleich mehrere Bücher hergibt.

So liest sich "Kein Land des Lächelns" von Barbara Denscher und Helmut Peschina wie die Einlösung jenes Versprechens, das Günther Schwarbergs vor zwei Jahren im deutschen Steidl Verlag erschienene Biografie "Dein ist mein ganzes Herz" gegeben hat: Was in dem ersten Buch als kulinarische Erzählung daherkommt, wird im zweiten dankenswerterweise durch penible Quellenangaben und ein gut brauchbares Werkregister faktisch untermauert. Zudem versuchen Denscher und Peschina nicht nur Beda, dem gefeierten Librettisten von Franz Lehár, gerecht zu werden, sondern auch Beda, dem politisch engagierten Satiriker, erklärten Zionisten und großbürgerlichen Lebemann.

Aus der Gegenüberstellung seiner Greatest Hits - beispielsweise den Richard-Tauber-Liedern "O Mädchen, mein Mädchen" und "Freunde, das Leben ist lebenswert!", Schlagern typisch wienerischer Prägung ("Drunt' in der Lobau") oder Gassenhauern wie "Mausi, süß warst du heute Nacht" und "Ausgerechnet Bananen" - mit Gedichten, die er wöchentlich in der Wiener Sonn- und Montagszeitung veröffentlichte, wird das angespannte politisch-kulturelle Klima zur Zeit der Ersten Republik greifbar. Titel wie "Wer ist schuld?! - Dar Jud!", "Hakenkreuz und Sowjetstern" oder gar "Der Münchner" (erschienen am 1. September 1924) sprechen für sich:
"Denn der Münchner ist im Grunde
Seiner Seele pazifistisch,
Und er denkt zur Vesperstunde
Bierokratisch-optimistisch.

Und mit kräftigem Geschnurre
Sieht er, innerlich gebessert,
An der Wand die Hakenkreuze,
Während er sich sanft entwässert."

Beim Betreten des Café Heinrichshof, so erinnerte sich Hugo Wiener, Mitte der Dreißigerjahre einer seiner Co-Librettisten, habe Beda dem Ober jeden Tag durchs ganze Lokal zugerufen: "Bringen Sie mir den Völkischen Beobachter! Ich möchte sehen, was der Tapezierer macht!"

Am 31. März 1938 wird Fritz Löhner-Beda verhaftet, mit dem so genannten Prominententransport, nach Dachau, und im Herbst 1938 weiter nach Buchenwald deportiert. Dort entsteht, in Zusammenarbeit mit dem gleichfalls verschleppten Hermann Leopoldi, die berühmte Lagerhymne "Das Buchenwaldlied":
"O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist.

Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!"

Michael Omasta in FALTER 49/2002 vom 06.12.2002 (S. 66)


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