Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die Geschichte eines Liedes

von Werner Thuswaldner

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Format: Hardcover
Genre: Musik/Musikgeschichte
Umfang: ca. 180 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Die spannende Geschichte des weltbekannten Weihnachtsliedes – gewissenhaft recherchiert und lebendig dargestellt.

Am Heiligen Abend des Jahres 1818 erklang in Oberndorf bei Salzburg zum erstenmal öffentlich das Lied Stille Nacht! Heilige Nacht! – mit Gitarrenbegleitung, denn die Orgel der St. Nikolai-Kirche war nicht funktionstüchtig. Zu jenem Zeitpunkt war noch lange nicht abzusehen, daß dieses Musikstück einmal weltberühmt und in rund 150 Sprachen übersetzt werden würde. Die Entstehungsgeschichte war lang von Mythen und Irrmeinungen umrankt. Man dachte, das Lied wäre im Zillertal entstanden, so auch bei einer Aufführung in Leipzig im Jahre 1832. Als ein Jahr später in Dresden die erste Druckfassung erschien, hielt man es für ein 'echtes Tiroler Lied'.

Immer wieder wurde die Vermutung geäußert, daß Franz Xaver Gruber gar nicht als Komponist in Frage käme, sondern Text und Musik von Joseph Mohr stammen müßten. Diese Annahme hielt sich hartnäckig, sie kam schon zu Grubers Lebzeiten auf, wurde unter anderem von Karl Heinrich Waggerl aufgegriffen und auch in den letzten Jahren von einigen Forschern wieder in den Raum gestellt. Was neueste Erkenntnisse zutage gebracht haben, schildert Werner Thuswaldner auf erzählerische Weise: wie der Priester Joseph Mohr 1816 in Mariapfarr jenes Gedicht schrieb, zu dem der Lehrer Franz Gruber im Herbst 1818 im Schulhaus von Arnsdorf die Melodie komponierte. Die Menschen blickten damals schwierigen Zeiten entgegen: Nach den Napoleonischen Kriegen verlor Salzburg endgültig seine Unabhängigkeit; die Schiffahrt auf der Salzach, ein wirtschaftlicher Lebensnerv, lag darnieder. Niemandem war damals bewußt, daß hier soeben ein Lied entstanden war, das um die Welt gehen würde. Doch schon bei der Wiener Weltausstellung 1873 tauchte es im amerikanischen Pavillon als 'Choral of Salzburg' in einem Notenbuch auf, und es berührt die Menschen bis heute.

Rezension aus FALTER 51-52/2002

Weihnachten klopft an unsere Herzen - und dank seiner raffinierten Melange aus politisch korrekten Versprechen und Kitsch wird es auch 2002 unsere Filter für infantile Inbrunst passieren. Der Kurzroman "Else" aus dem Jahr 1881 von Alexander Kielling sei jenen empfohlen, die sich gegen den selig machenden Bratapfelduft wappnen wollen. Der norwegische Realist nutzte die auch damals an Heiligabend grassierende Harmoniesucht, um den doppelmoralischen Kleinbürgern seiner Zeit einen Tiefschlag zu verpassen. Weihnachten im Städtchen Stavanger wäre kein Weihnachten, stünden den Wohlsituierten keine "gefallenen Mädchen" zur Verfügung, die man per Almosen rettet, bevor es ab in die Kirche geht. Deshalb müssen im Sommer Mädchen wie Else in die Gosse hinabvergewaltigt werden. Es braucht halt Nachschub, soll das christliche Fest gelingen und der Status quo zwischen oben und unten aufrechterhalten werden. In Skandinavien wird das brutale Werk in den Schulen gelesen. Nicht erst seit dem Erscheinen der Pisa-Studie. Wohingegen in Mitteleuropa auch heuer wieder liebliche Kindermünder bevorzugt im Intonieren jenes Liedes geschult werden, das Friede und Freude mit Eierkuchen verwechselt. 1818 überführten der Hilfspfarrer Joseph Mohr und der Musiker Franz Xaver Gruber mit "Stille Nacht! Heilige Nacht!" die von Armut geplagten Bewohner der Gemeinde Oberndorf erstmals ins Elysium der Problemfreiheit. Werner Thuswaldner hat die Genese dieses frühen Weihnachtshits detailliert rekonstruiert und erklärt, welche politischen Umstände Schuld daran waren, dass ausgerechnet dieses Lied den Nagel der Zeit auf den Kopf traf. Freilich aus der Warte des Fans heraus, der der Behauptung vehement widersprechen würde, es wäre ein Segen, hätte eines der populärsten Lieder der Welt nie den Weg durch unsere Filter für infantile Inbrunst gefunden.Anfang der Sechzigerjahre, bevor er selbst Künstler wurde, war Dan Graham als Gallerist und Kunsttheoretiker tätig. Ein sehr schöner Band versammelt nun Arbeiten des Amerikaners von 1965 bis 2000, Auszüge aus seinen Schriften und Interviews. Nach der Schließung seiner Galerie fing Graham an, farbige Schnappschüsse zu machen, die später unter dem Titel "Homes for America" veröffentlicht wurden. Dabei handelt es sich um eine Parodie auf journalistische "Feldstudien" zur Tristesse der Vorstädte. Nach konzeptuellen Arbeiten in den Medien Film, Performance und Videoinstallation wandte sich Graham später Architekturmodellen und Pavillons zu.

Martin Droschke in FALTER 51-52/2002 vom 20.12.2002 (S. 91)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Else (Alexander Kielland, Klaus Möllmann)
Dan Graham (Marianne Brouwer)

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