Glaubst du, daß es Liebe war?
Roman

von Alex Capus

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Historische Romane, Erzählungen
Umfang: 189 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.07.2003

Rezension aus FALTER 35/2003

In seinem jüngsten Roman bekehrt Alex Capus einen Schweizer Kleinstadtcasanova.

Alex Capus schreibt Geschichten, die das Leben schriebe, gäbe es nicht schon Alex Capus. Dieser Umstand ist - neben außerliterarischen Faktoren - wohl hauptverantwortlich für seinen großen Erfolg bei der Leserinnenschaft ("Er sieht aus, wie Thomas Gottschalk gern aussehen würde", begann eine Rezensentin ihre Capus-Besprechung). Hinzu kommt: Der Beau Hunk der Schweizer Literatur kann auch noch schreiben. Wenn man akzeptiert, dass sich der Autor weder um die don'ts der Moderne, noch die musts der Postmoderne schert und erzählt, als wäre die Dorfnovelle des 19. Jahrhunderts nach wie vor ein brauchbares Modell literarischer Welterschließung, dann kann man mit dessen jüngstem Roman zweifelsohne eine unterhaltsame und kurzweilige Bahnfahrt verbringen.

"Glaubst du, dass es Liebe war?" bemüht sich aber auch redlich um seine Leserinnen und Leser. "Lasst mich erzählen, wie mein Fahrradmechaniker Harry Widmer junior ein ziemlich guter Mensch wurde", nimmt uns schon der erste Satz an der Hand, um uns "an einem goldenen Frühsommernachmittag" in eine Schweizer Kleinstadt und von da aus bis nach Mexiko, ja sogar nach Thailand, zu geleiten. Das Dorf ist nicht unbedingt mehr die Welt, aber in aller Welt gibt es ein Dorf. Dort leben dann Prachtmenschen wie Harrys redlicher Vater, der dem geldgierigen und innovationswütigen Sohn, einem "Prachtkerl von einem Schweinehund", das Fahrradgeschäft freiwillig überlässt, oder Angelito, der reichste Mann in einem Surferkaff an der mexikanischen Pazifikküste, dessen charismatische Frau einmal mehr als "leicht reizbare Fürstin", das andere Mal mehr als "zornige Berglöwin" auftritt. Abgesehen davon aber ist sie eine jener lebenstüchtigen Pragmatikerinnen, die den Verdacht nähren, dass die Frauen den Männern zwar die Bühne überlassen, vom Schnürboden aus aber ohnedies die Fäden ziehen.

Capus' Romanwelt ist durchglost vom milden Licht des Menschlich-allzu-Menschlichen und gut aufgeräumt. Liebevoll werden auch noch die Nebenfiguren mit einer anständigen Biografie oder einem Hauch von Geheimnis ausgestattet. Und um dem Verdacht pittoresker Harmlosigkeit entgegenzuwirken, muss sich dann schon mal eine Mutter im Wald aufhängen oder der Ozean seinem Geschäft als Naturgewalt nachgehen. Außerdem weiß der Autor mit seinem Vorrat an wunderbaren Wendungen hauszuhalten: Dass aus einem, der seine schwangere thailändische Geliebte einfach ver- und in der Schweiz zurücklässt, ein "ziemlich guter Mensch" wird, ist schon erstaunlich genug, da darf man nicht auch noch verlangen, dass die Story in trauter Zweisamkeit in Nancy's Crazy Thai-Shop (vormals Harry's Crazy Bike-Corner) endet.

Klaus Nüchtern in FALTER 35/2003 vom 29.08.2003 (S. 49)


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