Die österreichische Oberfläche

von Andrea M Dusl

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Residenz
Genre: Belletristik/Anthologien
Erscheinungsdatum: 01.10.2007

Rezension aus FALTER 42/2007

Tiefschürfend

Es geht um österreichische Geschichte und um den Fremdenverkehr, um Bruno Kreisky und Leopold Figl, um das Kaffeehaus und die Sozialpartnerschaft. Wer also könnte "Die österreichische Oberfläche" geschrieben haben? Robert Menasse? Guter Tipp, aber leider falsch. Ich mache es etwas leichter: Es geht auch darum, dass das Rot der SPÖ eigentlich auf die phrygische, ursprünglich aus einem Stierhodensack gefertigte Mütze zurückgeht, und darum, dass die heimliche Landesfarbe des Landes Rosa ist. Hmmm. Okay, ganz leicht: Es geht auch ums Paarungsverhalten der Bobos, die einzig seligmachende Zubereitung eines Erdäpfelsalats, die bleichen Beine von Exkanzler Schüssel und den blumigen Regiolekt, der seinerzeit im Café Salzgries gesprochen wurde. Alles klar, oder?! Na gut: Die erste eigene Wohnung einer heimischen Filmregisseurin, Illustratorin und Kolumnistin spielt auch eine – übrigens ziemlich unheimliche – Rolle.
Bingo! Andrea Maria Dusl, hierblatts auch als "Frau Andrea" bekannt, fühlte sich mit ihren diversen Jobs offenbar nicht ausgelastet genug. Wobei angemerkt werden muss, dass Teile ihrer eigenwilligen, aber nichtsdestotrotz informationsdichten Österreich-Enzyklopädie den Lesern (des Falter oder des Standard) bekannt vorkommen könnten. Das tut dem Vergnügen aber keinerlei Abbruch. Denn Dusl ist der rare Fall einer Autorin, die barocken Sprachaufwand mit nachgerade wissenschaftlicher Akribie, kolumnistischen Subjektivismus mit analytischem Scharfsinn und eine grundsolide republikanische Gesinnung mit Humor zu verbinden weiß. Mitunter schießt das geneaologische Detailwissen oder der Furor etymologischer Herleitungen (am Ende sind eh alle Wörter, die mit demselben Konsonanten beginnen, miteinander verwandt) vielleicht etwas gar üppig ins Kraut, aber das wird durch genaue Beobachtungen, stilistische Verve und lebensrettende Informationen wettgemacht: "Ein Gulasch kann nur zu früh, nicht jedoch zu spät vom Herd genommen werden." Zum Schluss sei auch noch die Oberfläche der Oberfläche gerühmt: Ein schöneres Buch wird man derzeit kaum finden, und der leberwurstfarbene Umschlag aus Billigsdorferpappendeckel saugt verlässlich jede minimale Fettspur sichtbar von den Leserfingern.

Klaus Nüchtern in FALTER 42/2007 vom 19.10.2007 (S. 70)


Rezension aus FALTER 37/2007

Dusls Tiefgänge

Dieser Text ist ein Vorabdruck aus dem Buch "Die österreichische Oberfläche", das Falter-Autorin, Filmregisseurin und Essayistin Andrea Maria Dusl diese Woche präsentiert. Ihre Diagnose: Österreich ist eine Illusion. Eine Einbildung, ein Oberflächenphänomen. Der Punschkrapfen unter den Nationen. Das Fettauge in der europäischen Rindsuppe. In "Die österreichische Oberfläche" deckt Dusl neue und alte Irrtümer auf und beantwortet einen Katalog voll ungestellter Fragen. Liegen Linz und Wien überhaupt an der Donau? War Kaiser Franz Joseph Habsburger? Womit siegelte Figl den Staatsvertrag? Und wem gehört Österreich überhaupt: den Liftbesitzern oder der Ballmafia?

Julia Ortner in FALTER 37/2007 vom 14.09.2007 (S. 18)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb