Die Liegestatt

von Hans Eichhorn

€ 19,90
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Verlag: Residenz
Genre: Belletristik/Lyrik
Umfang: 96 Seiten
Erscheinungsdatum: 14.03.2008

Rezension aus FALTER 21/2008

Auf den ersten Blick liest sich "Die Liegestatt", wie wir es von den Texten des eifrigen Schreibers und Fischers vom Attersee gewohnt sind: dichte Prosa, in der sich das skurrile Nebeneinander von rauschenden Klospülungen, fliegenden Zylinderkopfdichtungen und sich tummelnden Blässhühnern im Bewusstsein des lyrischen Ich zu einem synästhetischen Sprachbild amalgamiert; eine erfrischend schlanke Sprache, die von einem stillen Humor gekennzeichnet ist.
Hans Eichhorn hat mit seinem jüngsten Buch aber auch ein ausgewiesenes Manifest geschrieben – und das eröffnet sich über die leitmotivisch verwendete "Liegestatt", die zunächst ein konkretes Bett in einem verdunkelten Zimmer meint. Dorthin begibt sich die an ein Du gewandte Stimme, um sich von der realen Umgebung loszulösen und dem "anderen Ort" zuzustreben, mit anderen Worten: Sie versucht zu dichten. Dem konkreten Ausgangspunkt der poetischen Ausschweifungen wird die metaphorische Bedeutung dieser Liegestatt gegenübergestellt: "Fühlst du das Weiche der Matratze, siehst du sie? Weder noch, ich sehe nur das Schriftbild weiche Matratze (…) und von diesem Schriftbild ausgehend wird entsprechend seiner Rhythmik nach einem neuen Schriftbild gesucht."
Damit in der selbstreflexiven Prosa niemand verloren geht, sind Störungen eingebaut, welche die Dichterfigur aus den banalsten Ecken des Lebens erreichen und auf den Boden der Wirklichkeit zurückholen wollen: "Zimmerlüften, Möbelzusammenbauen, Weintrinken." Die Vorkommnisse in der Außenwelt dienen jedoch lediglich als Anknüpfungspunkte für das nächste Wort, das "anrührt". Die Materialität der Dinge löst sich in die Klang- und Buchstabenfolge der Worte auf: Übrig bleibt nicht der Kleiderbügel, sondern das Wort Kleiderbügel, nicht der Fisch, sondern das Wort Fisch …Das ergibt eine Melodie aus Worten, in der die Wirklichkeit als verschwommener Nachhall mit der Erinnerung zu einem Bild gefasst wird; "aufgetakelt" wie ein Schiff nimmt es Fahrt auf. Dieses Schiff, Eichhorns Buch, man betritt es gerne: "Du bewegst dich nicht von der Stelle. Und wie du unterwegs bist!"

Alexandra Millner in FALTER 21/2008 vom 23.05.2008 (S. 71)


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