Das römische Licht

von Evelyn Grill

€ 19,90
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Verlag: Residenz
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 26.08.2008


Rezension aus FALTER 43/2008

Endlich hat sie sich einmal dazu entschlossen, sich für ein Stipendium zu bewerben, und es auch bekommen. Aber kaum ist die 34-jährige Malerin Xenia in Evelyn Grills Roman "Das römische Licht" in Rom eingetroffen, ereilt sie die Nachricht, dass ihre Mutter, eine bekannte Schriftstellerin, im Koma liegt. Schwester Lisa kümmert sich aufopfernd um die Patientin, doch Xenia braucht diese zwei Monate, um eine Ausstellung vorzubereiten und, so ihr hehrer Anspruch, "die Figur neu zu erfinden". Außerdem: Hat sich die Mutter nicht selbst alle Freiheiten genommen, als sie die Familie verließ und nach Deutschland ging für die große Liebe und die Kunst?
Xenia bleibt, aber über ihrem Aufenthalt liegt fortan ein Schatten: schlechtes Gewissen, die Angst vor den Anrufen der Schwester und bittere Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Begleitet vom leitmotivischen weichen Licht streift sie durch die Stadt, auf der Suche nach Inspiration. Ihre Mit-Stipendiaten, der bemitleidenswerte schwäbische Romancier Amadeus Trunk (von dem es maliziös heißt, er sei hässlich wie Peter Sloterdijk) und die einschüchternd schöne Fotografin Alma Holzbauer, geben ihr unvermutet Rückhalt.
Unter den Fittichen der Femme fatale Alma, einer Fleisch gewordenen Metapher südländischer Lebensbejahung, blüht das Mauerblümchen Xenia auf. Als Alma verschwindet, kommt deren dunkle Kehrseite zum Vorschein, die Handlung gewinnt krimihafte Züge, die am Schluss auch aufgelöst werden; wobei allerdings das Verhältnis Täter–Opfer, wie schon in Grills letztem Roman, dem deklarierten Krimi "Schöne Künste" (2007), zweideutig bleibt.
Die spannungsgeladene Atmosphäre verhilft Xenia zu einem (sich vielleicht etwas gar einfach einstellenden) Kreativschub. Dass sie sich am Ende doch dazu entscheidet, früher nach Österreich zurückzukehren, kann kaum als Happy End gelten. Psychologischer als ihre letzten Romane, ist "Das römische Licht" dennoch typisch Grill: Klare Sprache wird mit komplexer Konstruktion kombiniert, die Motive werden kunstvoll verflochten und zugleich ironisch gebrochen.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 43/2008 vom 24.10.2008 (S. 20)


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