Wie gründe ich eine Religion

von Adolf Holl

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Verlag: Residenz
Format: Hardcover
Genre: Religion, Theologie/Allgemeines, Lexika
Umfang: 144 Seiten
Erscheinungsdatum: 10.02.2009

Rezension aus FALTER 11/2009

Wunsch nach den eigenen vier Wänden für die Seele

Wie gründe ich eine Religion?" Das neue Buch von Adolf Holl ist keine Anleitung zu neuem Sektierertum, sondern die lebendige Suche nach religiöser Erfüllung von einem, der diese in der sinnesfeindlichen, dogmatischen römischkatholischen Amtskirche nicht gefunden hat. Zur Erinnerung: Wegen seines aufsehenerregenden Buches "Jesus in schlechter Gesellschaft" geriet der 1930 in Wien geborene, 1954 zum Priester geweihte Theologe Holl in Konflikt mit seiner Kirche, der 1973 zum Entzug der Lehrberechtigung und 1976 zur Suspendierung aus dem Priesteramt führte. Für die lesenden und denkenden Zeitgenossen kein Anlass zu Traurigkeit: hatte er doch auf diese Weise mehr Zeit zu schreiben und zu diskutieren – etwa als Moderator des legendären "Club 2".

Obwohl er ausschließlich sogenannte Sachbücher verfasst hat, gilt Holl als einer der besten Schriftsteller des Landes. Auch sein neues Buch lebt von der gewohnten Leichtfüßigkeit seines Stils, der Schwerwiegendes und Kompliziertes auf allgemein verständliche und – das sei hier ein Lob, kein Tadel – leicht konsumierbare Weise zu präsentieren versteht, so wie man echter Kunst die Arbeit und Anstrengung, die dahintersteht, eben nicht anmerkt.

Holl hat seine Suchbewegungen, deren Antrieb eine nicht zu stillende Sehnsucht, sich auf etwas zu beziehen, darstellt, in kleine Schritte aufgeteilt. Die einzelnen Kapitel mit Titeln wie "Beim Frisör", "Mystik für Anfänger" oder "Halb so wild" umfassen zumeist nur wenige Zeilen bis zwei, drei Seiten. Sie gehen, ein Merkmal von Holls Schreiben, zumeist von persönlichen Erfahrungen und Eindrücken aus, lassen sich auch einzeln lesen und regen zum Selbst- und Weiterdenken an. Der Rundgang durch den Supermarkt der Religionen und Weltdeutungen, der auf diese Weise zustande kommt, offenbart einmal mehr seine profunden Kenntnisse auf dem Gebiet der Gläubigen, Zweifler und Sinnsucher.

"Um das gesamte Angebot durchzuprobieren, sagen wir eine Religion im Monat, müsste ich mindestens 800 Jahre alt werden." Bleibt also nur noch eine Möglichkeit: selbst eine zu gründen. Lustvoll und neugierig macht sich Holl auf den Weg. Wie sollte sie beschaffen sein – im Gegensatz zum sinnesfeindlichen, dogmatischen römischen Katholizismus? "In meiner Religitet on wird es weder letzte Fragen noch letzte Antworten geben", schreibt Holl. Und: "In ihr dürfen Engel und Teufel, Hexen und Zauberer, Einhörner und Drachen auftreten, solange sie für mich nicht wichtiger werden als meine Lieben, meine Leberwerte und der Briefträger mit den nächsten Steuerbescheiden." Oder: "Eine Religion gründen wollen, ohne anderen Menschen Befehle zu erteilen, ist bislang noch nicht geglückt." Einem Freigeist und Zweifler par excellence wie Adolf Holl liegt allerdings nichts ferner, als anderen Befehle zu erteilen.

Man ahnt: Auf diese Weise kann es nichts werden. Denn für eine echte Religionsgründung braucht es nicht nur eine unbestimmte Sehnsucht, sondern eine gehörige Portion Sendungsbewusstsein und Fanatismus. Vermutlich sollte einer, den die Frage, ob er an Gott glaube, in Verlegenheit bringt und der darauf mit einem schlichten: "Ich weiß es nicht" antwortet, einfach die Hoffnung aufgeben, in einer wie auch immer gearteten Religion ein für allem Mal Zuflucht zu finden.
Dass Holl das bisher nicht getan hat, gereicht allerdings zumindest seiner Leserschaft zum Vorteil: denn sonst würde er wohl kaum mehr so anregende Bücher schreiben.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 11/2009 vom 13.03.2009 (S. 32)


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