Das große Töten

von Peter Rosei

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Verlag: Residenz
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 06.08.2009

Rezension aus FALTER 32/2009

Beschädigte Figuren, die dem Leser die Identifikation sehr schwer machen, bevölkern das Werk von Peter Rosei. Mit seinem neuen Roman "Das große Töten" gelingt ihm nun, was er zuletzt schon mit "Wien. Metropolis" (2005) angepeilt hatte, damals aber noch nicht so recht glückte: einen großen Roman über Wien und Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg in stark verdichteter Form zu schreiben. Den Stoff, der bei vielen Kollegen für einen Wälzer von 500 Seiten gereicht hätte, bringt Rosei auf 156 Seiten unter, ohne den Text zu überfrachten. Davor schützt ihn die knappe, mithin schmucklose Sprache. Literatur ist für Rosei nicht die Kunst schöner Worte, sondern ein Versuch, sich im Kleinen die Welt zu erklären, ohne zu moralisieren. Über weite Strecken liest sich "Das große Töten" so, als würde man die Versuchsanordnung eines Verrückten beobachten. Ihr Name: Österreich II.
Im Mittelpunkt der Geschehnisse befinden sich zwei Außenseiterfiguren. Paul wächst in bäuerlichen Verhältnissen im Burgenland auf. Als stiller Träumer schafft er es ins Priesterseminar, aus dem er jedoch wegen einer harmlosen Verfehlung ausgeschlossen wird. Er zieht sich ganz in seine Traumwelt zurück. Später schlichtet er in Wien in einem Lebensmittelgeschäft Regale. Angebote, sich für eine höhere Stellung ausbilden zu lassen, schlägt er aus.
Alexander hingegen stammt aus dem kleinbürgerlichen Wiener Arbeitermilieu. Mit Geschick schaffte er es zum Assistenten einer Kunsthändlerin. Scharf auf das gute Leben, zweigt er Geld ab und fliegt prompt auf. Später bekommt der Freund der Damenwelt und Alkoholiker als Hilfsredakteur einer Zeitung noch einmal eine Chance. Und stößt über einen Leserbrief auf Paul.
Der Titel "Das große Töten" mag dazu verleiten, einen "Austrian Psycho" zu erwarten. Rosei indes geht es um die Entwicklung von Gewaltpotenzial, nicht um Gewaltschilderungen. Dass die finale Wutexplosion des Duos dennoch stimmig ins Gesamtbild passt, stellt die beiden ö-Tüpfelchen auf diesem Buch dar, mit dem der Autor wohl eines der zwingendsten Bücher dieses Herbstes vorgelegt hat.

Sebastian Fasthuber in FALTER 32/2009 vom 07.08.2009 (S. 16)


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