Nationalpark Hohe Tauern

Naturparadies im Herz der Alpen
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Magie in Fels und Eis
Faszinierende Wildnis und einzigartige Hochgebirgslandschaft im Herz der Alpen
50 Jahre nach seiner Entstehung erfreut sich der Nationalpark Hohe Tauern außerordentlicher Beliebtheit und kann auf alljährlich neue Besucherrekorde zu Recht stolz sein. Über tausendachthundert Quadratkilometer unter Schutz gestellte Berglandschaft, aufgeteilt auf Tirol, Salzburg und Kärnten, stellen einen wertvollen Schatz dar, der behutsam erkundet werden will. In Zeiten, da sich der Begriff Heimat neu konstituiert, wächst auch unser Sinn für die Bedeutung jener Regionen, in denen wir aus den Ressourcen der Natur schöpfen. Susanne Schaber und Herbert Raffalt folgen in ihrem Buch den Spuren der Tiere und Pflanzen, erforschen die geologischen und geografischen Besonderheiten und entdecken die Kultur, Traditionen und Lebensweisen in den Tälern zwischen Gipfeln, Graten und Gletschern. Entstanden ist dabei ein vielseitiges Porträt des größten Nationalparks der Alpen und eine Einladung, diesen besonderen Platz im Herz der Alpen mit allen Sinnen zu erfahren.
Tipps:
Traumhafte Fotografien
Auszeichnung:
Hauptpreis beim 6. Internationalen Wettbewerb „Die besten Publikationen zu den Bergen“ - Krakau 2021

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FALTER-Rezension

Heile Welt

In der kleinen Kärntner Gemeinde Heiligenblut spielt die Blasmusikkapelle, Schulkinder im Sonntagsgewand schwenken Fähnchen. Drei Männer haben an einem Tisch Platz genommen, hinter ihnen die malerischen Alpen, vor ihnen wehen die Wimpel ihrer Bundesländer im Wind. An diesem sonnigen Donnerstag wird das Trio am Fuße des Großglockners Geschichte schreiben.

Vor fünfzig Jahren – am 21. Oktober 1971 – setzten die Landeshauptleute Hans Sima, Hans Lechner und Eduard Wallnöfer ihre Unterschriften unter die „Vereinbarung der Länder Kärnten, Salzburg und Tirol über die Schaffung des Nationalparks Hohe Tauern“. Die „Heiligenbluter Vereinbarung“ gilt als Geburtsstunde der österreichischen Nationalparks und als Meilenstein im heimischen Naturschutz.

Das Drei-Länder-Abkommen ist „geleitet von dem Wunsche, die Hohen Tauern als besonders eindrucksvollen und formenreichen Teil der österreichischen Alpen in ihrer Schönheit und Ursprünglichkeit als Beispiel einer für Österreich repräsentativen Landschaft und zum Wohle der Bevölkerung, zum Nutzen der Wissenschaft und zur Förderung der Wirtschaft für alle Zukunft zu erhalten“. Ein Jahr zuvor hat der Europarat das Europäische Naturschutzjahr ausgerufen, um den Blick der Bevölkerung für Umweltprobleme zu schärfen.

Auch in Österreich war die Natur immer stärker unter Druck geraten. In den 1970ern brummte der Wirtschaftsmotor und brauchte immer mehr Energie. Flüsse wurden verbaut, um Wasserkraftwerke hochzuziehen. Der Tourismus blühte auf, Skigebiet um Skigebiet wurde erschlossen. Der Mensch rang den Alpen immer mehr Fläche ab. Mit der „Heiligenbluter Vereinbarung“ schienen Konflikte vorprogrammiert. Noch am Tag der Unterzeichnung äußerte der Tiroler Landeshauptmann Wallnöfer in der Öffentlichkeit Zweifel: „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mit meinen Kollegen und mit den verschiedenen Fachleuten über die Ziele mit dem Nationalpark übereinstimme.“

Zehn weitere Jahre zogen ins Land, bevor die hehren Worte aus Heiligenblut Gestalt annahmen. „Das Vorhaben droht mehrfach zu scheitern, als neuerlich Kraftwerkskonzepte, darunter das Mammutprojekt Dorfertal, erwogen werden“, schreibt Autorin Susanne Schaber im neuen Buch „Nationalpark Hohe Tauern“ über das Ringen um die Natur. „Auch die Einheimischen müssen für die Maßnahmen und Verordnungen gewonnen werden. Die Überzeugungen von Naturschützern, Bauern, Jägern und den Bundesforsten prallen hart aufeinander.“

Schließlich preschte Kärnten im Alleingang vor, verabschiedete als erstes Bundesland im Jahr 1981 ein Nationalparkgesetz und stellte das Obere Mölltal unter Schutz. Salzburg folgte 1984. Dass Tirol 1991 schließlich doch noch nachzog, ist auch dem Protest zu verdanken, der das Dorfertal vor der Überflutung bewahrte. Bürger stemmten sich gegen das gigantische Kraftwerks­projekt und bewahrten damit ein wertvolles Stück Flusslandschaft.

Welch wichtige Rolle die Nationalparks für den Naturschutz heute spielen, lässt sich in der Überblicksarbeit „Wir schützen Österreichs Naturerbe“ des Umweltbundesamts ablesen, die heuer erschienen ist: Die sechs Nationalparks, die in den vergangenen 40 Jahren in Österreich entstanden sind, nehmen zwar nur weniger als drei Prozent der Landesfläche ein, dennoch kommt ihnen eine überragende Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt zu: Neun von zehn heimischen Säugetier-, Brutvogel- und Amphibienarten leben dort, vier von fünf Reptilien- und Fischarten und sieben von zehn Pflanzenarten.

Manche Nationalparks kristallisieren sich in der Studie als einschlägige Hotspots der Biodiversität heraus. So tummeln sich im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel 68 Prozent aller österreichischen Vogelarten. Die österreichischen Hauptvorkommen der Mariskensänger, Seeregenpfeifer, Rotfußfalken, Zwergscharben und Säbelschnäbler befinden sich dort. Im Nationalpark Donau-Auen, der seit Monaten wegen des geplanten Lobautunnels Schlagzeilen macht, leben zwei Drittel aller heimischen Amphibienarten und drei Viertel aller Fischarten. Darunter auch der Hundsfisch, der in Österreich zwischenzeitlich bereits als ausgestorben galt.

„Für Arten, die in der Kulturlandschaft keine Überlebensmöglichkeiten haben, weil sie auf ungestörte, natürliche Ökosysteme angewiesen sind, bilden Nationalparks wichtige Rückzugsgebiete, vor allem wenn sie über eine ausreichende Größe verfügen“, fassen die Studienautoren zusammen. Diese Rückzugsorte werden immer wichtiger, denn die Menschen setzen der Natur immer stärker zu.

Laut dem EU-Bericht „State of Nature in the EU“, die die Europäische Umweltagentur im Vorjahr veröffentlichte, liegt die Alpenrepublik beim Erhaltungszustand der Lebensräume auf Platz 18 der 27 EU-Mitgliedsstaaten. Vier Fünftel der Lebensräume sind in keinem guten Zustand mehr. Noch trister ist die Lage beim Erhaltungszustand der Arten, die zu 83 Prozent in mangelhaftem bis schlechtem Zustand sind. Österreich belegt hier im EU-Vergleich Platz 26 von 27. Nur Kroatien hat noch schlechtere Zahlen.

Diese Platzierungen haben mitunter mit der fortschreitenden Bodenversiegelung zu tun, bei der Österreich als Europameister gilt. Jeden Tag entreißen wir der Natur 11,5 Hektar.

Laut dem UN-Weltbiodiversitätsrat (IPBES) treiben die Veränderungen in der Land- und Meeresnutzung das globale Artensterben am stärksten an. Der Mensch hat Wälder abgeholzt, Raine und Hecken zu Feldern umgeackert, Wiesen für Parkplätze rund um Einkaufszentren asphaltiert, Straßen gebaut und damit Lebensräume zerschnitten, Flüsse reguliert und Fischen Lebensraum genommen. IPBES spricht bereits von einem „gefährlichen Niedergang der Natur“, der „beispiellos“ sei, und warnt vor dem „Artensterben, das sich ‚beschleunigt‘“. Das große globale Bild lässt sich auf Österreich herunterbrechen. Der Bestand des Rebhuhns, das vor Jahrzehnten auf heimischen Feldern und Wiesen allgegenwärtig war, ist laut dem Farmland Bird Index der Umwelt-NGO Birdlife seit 1998 um 84 Prozent eingebrochen und zur Seltenheit geworden. Die Wiesenotter, eine Schlangenart, die Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund des großen Vorkommens noch als Plage betrachtet wurde, gilt hierzulande mittlerweile als ausgestorben.

Mehr als die Hälfte aller Amphibien und Reptilien, rund die Hälfte aller Fische und ein Drittel aller Vögel und Säugetiere sind laut Umweltbundesamt stark gefährdet. Drei von fünf Farn- und Blütenpflanzen in Österreich stehen aufgrund ihres bedrohten Zustands bereits auf der Roten Liste, Moose und Flechten sind nahezu gleich stark gefährdet. „Das Gesamtbild, das sich aus den Roten Listen gefährdeter Pflanzen ergibt, ist besorgniserregend“, schreibt das Umweltbundesamt. Wie kann man diese Abwärtsspirale stoppen?

Indem man der Natur wieder Raum gibt. Diesen Ansatz verfolgt die High Ambition Coalition for Nature and People, die Frankreich, Großbritannien und Costa Rica 2019 gründeten und die mittlerweile 70 Länder zählt. Sie setzt sich dafür ein, mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen weltweit bis 2030 unter Schutz zu stellen. Damit will sie „den sich beschleunigenden Verlust von Arten aufhalten und lebenswichtige Ökosysteme schützen, die die Quelle unserer wirtschaftlichen Sicherheit sind“. Im Frühling trat auch Österreich der Gruppe bei. „Die Biodiversitätskrise ist neben der Klimakrise die zweite große Herausforderung unserer Zeit“, begründete Umweltministerin Leonore Gewessler (Die Grünen). Im Regierungsübereinkommen hat die türkis-grüne Koalition dem Punkt „Artenvielfalt erhalten – Natur schützen“ eine Seite gewidmet. Darunter sichert sie den Bundesländern zu, sie dabei zu unterstützen, neue Nationalparks, Wildnis- und Natura2000-Schutzgebiete auszuweisen, und einigt sich darauf, einen Biodiversitätsfonds zu gründen.

Fünf Millionen Euro liegen bereits in diesem Fonds, aus dem European Recovery Funds der EU sollen noch einmal 50 Millionen Euro hineinfließen. Mit dem Geld will das Umweltministerium der Natur Flächen zurückgeben, indem sie entsiegelt oder außer Nutzung gestellt werden. Zudem will sie große Blüh- und Grünflächen schaffen und ein bundesweites Monitoringsystem errichten, um den Zustand der Natur regelmäßig erheben zu können. Reicht das? Der Biodiversitätsrat, der aus Wissenschaftlern besteht, zog Ende 2020 kritisch Bilanz. Der Flächenverbrauch und die Industrialisierung der Landwirtschaft schreite weiter voran, eine national koordinierte Raumplanung sei nicht in Sicht. Dass es nun einen Biodiversitätsfonds gebe, sei wichtig, aber die Ausstattung sei viel zu gering. Um den Verlust der Biodiversität zu bremsen, bräuchte es laut den Experten mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr. Franz Essl von der Uni Wien, Mitglied des Leitungsteams im Biodiversitätsrat, sagt: „Wir laufen einen Marathon und befinden uns jetzt auf dem ersten Kilometer.“ Essl nimmt auch die Bundesländer in die Pflicht. Auch sie sollten etwas beitragen, schließlich sei Naturschutz Ländersache.

Wie viel Raum Österreich der Natur gibt, wird in der neuen Biodiversitätsstrategie verankert, die das Umweltministerium bis Ende des Jahres vorlegen will. Ein zentrales Ziel wurde dabei von der EU übernommen: 30 Prozent der Landesfläche soll geschützt, davon ein Drittel unter strengen Schutz gestellt werden. Ob damit Nationalparks gemeint sind oder eine geringere Schutzkategorie, bleibt Verhandlungssache. „Es ist zu befürchten, dass die EU-Ziele beim strengen Schutz verwässert werden“, warnt Arno Aschauer vom WWF.

Am 19. Oktober gehen die Verhandlungen der Interessenvertreter weiter. Vier Tage später werden die Landeshauptleute von Kärnten, Salzburg und Tirol mit der Umweltministerin auf dem Dorfplatz von Heiligenblut zusammenkommen, um eine Vereinbarung zu feiern, die wohl so manche heimische Art vor dem Untergang bewahrt hat.

Benedikt Narodoslawsky in Falter 40/2021 vom 08.10.2021 (S. 48)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783702239350
Erscheinungsdatum 01.04.2021
Umfang 192 Seiten
Genre Ratgeber/Natur/Naturführer
Format Hardcover
Verlag Tyrolia
Fotograf Herbert Raffalt
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