Das kleine Ich bin ich

von Mira Lobe

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Illustrationen: Susi Weigel
Empf. Lesealter: ab 3 Jahre
Verlag: Jungbrunnen
Format: Hardcover
Genre: Kinder- und Jugendbücher/Bilderbücher
Umfang: 32 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.08.2016


Rezension aus FALTER 50/2014

Stell dir vor, du bist ein Dreieck

Mira Lobes Klassiker "Das kleine Ich-bin-ich" hat mehrere Kindergenerationen selbstbewusster gemacht

Die Kinderbuchautorin Mira Lobe (1913–1995) und die Illustratorin Susi Weigel (1914–1990) schafften mit ihrem beliebten Kinderbuchklassiker jenen Moment, mit dem wohl die drängendsten Bereiche des menschlichen Gefühlshaushaltes eine Erlösung erfahren sollten: "Ich bin ich!" Angesichts der über 900.000 verkauften Exemplare des 1972 im Verlag Jungbrunnen erschienenen Buches und der stattlichen Präsenz in Österreichs öffentlichen Büchereien könnte man meinen, dass es sich um einen kollektiven Erlösungssatz handelt.
"Denn ich bin, ich weiß nicht mehr, dreh mich hin und dreh mich her, dreh mich her und dreh mich hin, möchte wissen, wer ich bin." Es sind die lautmalerisch hübschen Reime und die fröhlichen Farben und Formen, die dem naiven Etwas mit den großen Knopfaugen, bestehend aus Quadraten und Dreiecken, auf der Suche nach der eigenen Identität ein überaus ansprechendes Wesen verleihen.
Ein so einfacher wie bestechender Clou der beiden war die Bastelanleitung für "Das kleine Ich-bin-ich", die Teil der Illustration war. So konnte sich der kindliche Rezipient eins mit der Materie fühlen. Mira Lobe hat das Buch gemeinsam mit Susi Weigel in ihrer produktivsten Phase verfasst. Weigel soll auch maßgebliche inhaltliche Einflüsse gegeben haben: Eine demente Bekannte hat im hohen Alter immer wieder gefragt: "Wer bin ich – ich bin ich?"
So niedliche Titel wie "Bärli Hupf" (1957), in dem die Abenteuer eines Teddybären mit seinem Freund Kasperl erzählt werden, oder so wunderbar heilsame wie "Die Omama im Apfelbaum" (1965), in dem sich ein Bub, der keine Großmutter hat, eine herbeifantasiert und schlussendlich zwei hat, lagen bereits hinter ihr respektive ihnen. "Die Omama im Apfelbaum" ist allerdings Lobes und Weigels erfolgreichstes Buch. Der Longseller wurde in 32 Sprachen übersetzt.

Mira Lobe und Susi Weigel hatten sich im Umfeld sozialistischer Verlage im Wien der 1950er-Jahre kennengelernt und ihre Zusammenarbeit sollte sich auf 50 Bücher ausdehnen. Da Weigel im hunderte Kilometer entfernten Bludenz wohnte, haben sich die beiden in ihren Briefen ein spaßiges Kürzel erlaubt, das als eine Art Erfolgsformel betrachtet werden kann: P-S. "Eigentlich müßten uns alle Verleger auf den Knien danken, finde ich – für unsere P–S. Das heißt weder Post scriptum noch Pferde-Stärke, sondern Plan-Sorgfalt und ist unser Geheimnis – ich meine, unser Erfolgsgeheimnis", heißt es in einem Brief Lobes an Weigel im Jänner 1967.
Die geringe Zahl der an sie verliehenen Preise ist ein Indiz dafür, dass Susi Weigel als Illustratorin im Schatten der Autorin blieb. Auf dem Cover von "Das Städtchen Drumherum" (1970) war nicht einmal Weigels Name verzeichnet, was der Freundschaft angeblich nicht schadete. Lobe arbeitete auch mit anderen namhaften Illustratorinnen wie Angelika Kaufmann, die für ihren feinen, schraffierten Stil bekannt war. Dieser war auch dem Zeichner Winfried Opgenoorth zu eigen, mit dem sie immerhin neun Bücher realisierte.

Lobe war mit ihrer jüdischen Familie in Schlesien aufgewachsen. Ursprünglich wollte sie Journalistin werden, was ihr aufgrund der "Rassengesetze" verwehrt blieb. Stattdessen absolvierte sie noch in Deutschland eine Ausbildung für Textilgestaltung, wanderte nach Israel aus, wo sie mit ersten Kinderbüchern begann. In Wien publizierte sie zunächst im KPÖ-Umfeld.
Warum Lobe mit ihrem über 100 Büchern umfassenden Gesamtwerk ganze Generationen von Kindern verzauberte, hat wohl mit ihrem Sprachwitz zu tun und mit der Fähigkeit, auch ernste Themen annehmbar zu machen.

Ausstellung: "Ich bin ich – Mira Lobe und Susi Weigel": bis 1.3.2015 im Wien Museum

Marianne Schreck in FALTER 50/2014 vom 12.12.2014 (S. 31)


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