Die Sonne im Gesicht

von Deborah Ellis

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Verlag: Jungbrunnen
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 45/2001

"Die Sonne im Gesicht" ist die Geschichte eines elfjährigen Mädchens, das im afghanischen Kabul als Junge verkleidet zu überleben versucht.

Wie können Frauen mit ihren Burkas auf diesen Straßen gehen?", fragte Parvana ihren Vater. "Wie können sie sehen, wo sie hinsteigen?" "Sie fallen oft", antwortete der Vater. Er hatte Recht. Parvana hatte oft Frauen stürzen sehen.

Kabul unter der Herrschaft der Taliban. Die elfjährige Parvana, Tochter eines Englischlehrers und einer Journalistin, ist das Einzige von vier Kindern, das noch auf die Straße darf. Ali, der Sohn, und Maryam, die jüngste Tochter, sind zu klein, Noorea, die 17-jährige Schwester, ist zu alt, um auf die Straße zu gehen. Täglich begleitet sie ihren Vater, der als Vorleser arbeitet, auf den Marktplatz. Der Rest der Familie hat seit der Machtübernahme der Taliban die Einzimmerwohnung nicht mehr verlassen. Als der Vater von den Taliban verhaftet wird, muss Parvana alleine dafür sorgen, dass die Familie zu essen hat. Ihre Mutter schneidet der Tochter die Haare und zieht ihr Hosen an. Parvana ist nun Hossain und liest am Marktplatz Briefe vor oder gräbt gegen Geld Knochen am Friedhof aus. Auf dem Markt trifft Parvana eine ehemalige Schulkollegin, die ebenfalls von ihren Eltern als Junge verkleidet wurde, um als Teeverkäufer arbeiten zu können. Unterstützt wird Parvanas Familie auch von der ehemaligen Sportlehrerin Mrs. Weera, mit der Parvanas Mutter früher in einer Frauenorganisation tätig war. Gemeinsam mit Mrs. Weera gründet die Mutter heimlich eine Schule für Mädchen und gibt eine Zeitung heraus.

"Die Sonne im Gesicht" ist keine rührselige Erzählung über die armen Frauen im Reich der Taliban, sondern die Geschichte eines kleinen Mädchens, das versucht, trotz des Terrors der Taliban zu überleben. Und es ist die Geschichte ihrer Mutter, die nach anfänglicher Lethargie mit einer Freundin eine illegale Frauenorganisation aufbaut und als Herausgeberin einer Zeitung Widerstand gegen das Unrechtsregime leistet. Die Autorin Deborah Ellis hat einige Monate in pakistanischen Flüchtlingslagern verbracht und die Erzählungen afghanischer Frauen und Mädchen als Grundlage für ihren Roman verwendet. Der Schluss der Erzählung ist offen: Denn kurz nachdem die Mutter mit den Geschwistern nach Mazar-e Sharif abreist, weil ihre Tochter Nooria dort studieren kann, erfährt Parvana, dass die Taliban nun auch diese Stadt eingenommen haben. Von der Mutter und ihren Geschwistern fehlt jede Spur. Was mit der Familie weiter geschieht, bleibt ungewiss. Gemeinsam mit ihrem Vater, der ebenso plötzlich aus der Haft entlassen wird, wie er verhaftet wurde, macht sich Parvana auf den Weg nach Mazar-e Sharif, um die Mutter und ihre Geschwister zu suchen.



Dieses Jugendbuch ist zwar für Kinder ab elf Jahren gedacht, es ist aber ebenso spannend für Erwachsene, die sich über die Situation der Menschen in Afghanistan informieren möchten. Denn es beschreibt nicht nur die Auswirkungen der Taliban-Herrschaft, sondern gibt Einblick in das tägliche Leben in Kabul vor den US-Bombardements. Und so erfährt man unter anderem, wieso am Markt von Kabul so viele Prothesen angeboten werden: "Seit die Taliban befohlen hatten, Frauen müssten zu Hause bleiben, nahmen viele Ehemänner ihren Frauen die Prothesen weg und verkauften sie. ,Du gehst ja nicht fort, wozu brauchst du dann ein falsches Bein?', fragten sie."

Nina Horaczek in FALTER 45/2001 vom 09.11.2001 (S. 16)


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