Novotnys Mumie

von Alfred Bittner

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Löwenzahn Verlag
Genre: Literatur, Erzählung
Erscheinungsdatum: 30.08.2001

Rezension aus FALTER 18/2002

Zu einem Eintrag in die einschlägigen Literaturlexika hat es Alfred Bittner (1914-1989) nicht gebracht. Genau genommen konnte der Wiener Autor zu Lebzeiten nur einen einzigen Roman veröffentlichen. Einige Erzählungen sind wohl in Zeitschriften gedruckt worden. Der Großteil seiner Texte verstaubt vorerst ungelesen, fest verschnürt in irgendeinem Archiv. Allein deshalb verdient "Novotnys Mumie", nun erstmals in Buchform erschienen, eine gewisse Sympathie. Obwohl die Sprache ziemlich altbacken klingt und sich vor allem die Sexszenen wie verklemmte Altherrenwitzchen lesen, ist die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs spielende Geschichte nicht uninteressant: Novotny, der neue Inhaber eines arisierten Chemiebetriebes, entdeckt ein Wundermittel, das Lebewesen augenblicklich erstarren lässt und in leblose Mumien verwandelt. Novotny vermutet, er hätte die "Geheimwaffe" für den sofortigen Endsieg gefunden. Durch einen unglücklichen Zufall aber wird er sein eigenes Opfer. Seine Mumifizierung löst eine Reihe unglaublicher Begegnungen aus: Der Deserteur Niki trifft auf die jüdische Prostituierte Nanny, beide werden bei Novotnys Witwe Nelly und ihrem Neuen, dem Franzl, einquartiert. Die vier vergnügen sich mit Fressen, Saufen und Vögeln. Dass außerhalb ihrer vier Wände der Krieg tobt, kümmert die Figuren nicht im Geringsten. Schlechter Scherz oder bitterböse Farce? Diese Erzählung ist so seltsam, dass sie auf jeden Fall reizvoll ist. Auch seltsam, aber deshalb noch lange nicht gut, ist "Wienfluss", ein Krimi der Vorarlbergerin Ulrike Hutter. Nachdem der so genannte "Schilfmörder" die Prostituierte Gerda K. erschlagen hat, geht nichts mehr mit rechten Dingen zu. Vielleicht hätte Agent Scully aus der TV-Serie "Akte X" dieses Chaos noch in den Griff bekommen können. Der Autorin gelingt es jedenfalls nicht. Mit zunehmender Erschöpfung liest man von der auferstandenen Toten, dem perversen Garderobier und dem Kommissar, der durch Zauberei ganz Wien in seine Gewalt bringt.Zuletzt hat sich die National Geographic Society ja einigermaßen angeschüttet: Die von ihr als wissenschaftlicher Sensationsfund verkauften Inka-Mumien der peruanischen Hauptstadt Lima waren Fachleuten bereits seit Jahrzehnten bekannt. Mit dem neuen "Anden"-Bildband wurde allerdings wieder gewohnte Qualitätsarbeit geleistet: Der Fotograf Pablo Corral Vega hat die Vielgestaltigkeit des 7500 km langen Gebirgszuges und seiner Bewohner in grandiosen Stimmungsbildern eingefangen - von Patagonien ganz im Süden bis zur kolumbianischen Karibikküste im Norden. Dazu hat sich der peruanische Schriftsteller Marion Vargas Llosa Fiktionen und Fabeln ausgedacht.

Petra Rathmanner in FALTER 18/2002 vom 03.05.2002 (S. 69)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Wienfluss (Ulrike Hutter)
Anden (Mario Vargas Llosa)

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