Der Raub der Bücher
Über Verschwinden und Vernichten von Bibliotheken in der NS-Zeit und ihre Restitution nach 1945

von Evelyn Adunka

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Czernin
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 18/2002

Eine Wiener Historikerin geht den Spuren der Bücher nach, die von den Nazis konfisziert wurden. Und zeigt, wem sie seit 1945 gehören.

Ab 1940 durchkämmte ein "Einsatzstab" die besetzten Gebiete, ab 1942 wurde dessen Handeln durch einen eigenen Führer-Erlass legitimiert: "Er hat das Recht, Bibliotheken, Archive, Logen und sonstige weltanschauliche und kulturelle Einrichtungen nach entsprechendem Material zu durchforschen", hieß es darin, "und dieses für die weltanschaulichen Aufgaben der NSDAP und die späteren wissenschaftlichen Forschungsarbeiten der Hohen Schule beschlagnahmen zu lassen."

Die Wiener Historikerin Evelyn Adunka hat in ihrem Buch erstmals systematisch die Plünderung von Büchern während der NS-Zeit aufgearbeitet. Nach Schätzungen waren es über vier Millionen Bände. In Adunkas Arbeit wird aber auch die Restitution nach 1945 beleuchtet, und dabei spart die Autorin nicht mit Kritik an einigen Bibliotheken der Republik: Die Nationalbibliothek etwa hat zwar alle Erwerbungen während der NS-Zeit (ein Beamter hatte sie damals mit dem Kürzel "P38" versehen) an Besitzer, die sich meldeten, zurückgegeben. Einige Fälle seien aber nach wie vor ungeklärt, wie etwa die Bestände des Schriftstellers Roda Roda: Trotz des Kunstrückgabegesetzes von 1998 kämpft der Enkel immer noch um die Manuskripte und Briefe seines Großvaters, die bis heute in der Nationalbibliothek archiviert sind. Die Universitätsbibliothek wiederum, die sich während der NS-Zeit auch in der so genannten "Bücherverwertungsstelle" bedienen durfte, lehnte eine wissenschaftliche Untersuchung überhaupt ab.

Das Resümee der Autorin über ihre Forschungsarbeit: "Jene Beamten der früheren Generation, die die Vorgeschichte ihrer Institutionen kannten, wollten sich oft bewusst nicht erinnern und ihr Wissen mit anderen teilen."

Nina Weissensteiner in FALTER 18/2002 vom 03.05.2002 (S. 16)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb