Ich rechne noch in Schilling
Ansichten eines unbequemen Zeitgenossen 2004-2006

von Austrofred

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Verlag: Czernin
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 168 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.12.2008

Rezension aus FALTER 5/2009

"Was das Publikum will, das ist fast immer ein Topfen": Austrofred intim

Das Leben eines gefeierten Stars ist nicht nur angenehm. Ab und zu muss sich auch ein Austrofred Luft machen. "Ich müsste gar keine prophetischen Fähigkeiten haben, um zu wissen, dass ich mir mit diesem Buch nicht nur Freunde mache", schreibt er "zum Geleit".
Bei Auftritten gibt Austrofred Gas, als Buchautor hat er sich dem kritischen Edutainment verschrieben. Freilich, er will schon auch unterhalten mit seinen Betrachtungen über Gott und die Welt, den ORF und die Asfinag, Ambros und Bilgeri. Ebenso wenig hält er jedoch mit seiner Meinung hinter dem Berg, wenn es gilt, schonungslos gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen. "Weil ich nicht anders kann."
In seinen "Ansichten eines unbequemen Zeitgenossen 2004–2006" lässt er tief in seine Künstlerseele blicken und berichtet von Vorkommnissen in seinem "Kompetenzzentrum" und wie er via Lektüre der "gekauften" Sonntagszeitung die Lage der Nation deutet.
Der Irrsinn, den Austrofred da verzapft, ist gar nicht so weit weg vom realen Wahnsinn. Allein das macht bei der Lektüre den halben Spaß aus.
Ein ehemaliger Schizopunk und Burgschauspieler gibt den Kunststaatssekretär im Kabinett Schüssel ("Der Morak hat ja auch erst mit der Politik angefangen, wie er gesehen hat, den Grillparzer am Burgtheater – den König Ottokar oder was –, den bringt er nicht mehr, aber einen ÖVPler derspielt er immer noch"). Fendrich geistert als "Jahrhunderthirsch" durch die Klatschspalten. Ein in Österreich weltberühmter Videoregisseur schreibt Geschichte ("Gerade habe ich zufällig den Dolezal-Rudi getroffen. Er hat erzählt, dass er jetzt etwas ganz Schräges plant, etwas noch nie Dagewesenes, nämlich eine mehrteilige Doku über den Austropop").
Mit großem Genuss arbeitet Austrofred dazwischen immer mehr Erfundenes ein, ohne komplett unglaubwürdig zu werden. Am Nationalfeiertag lässt er Austria 3 einen neuen Vöest-Hochofen und Bilgeri in Vorarlberg eine Hackschnitzelheizung einweihen, derweil Mokesch den Soundtrack für eine Heeresschau macht (Austro­fred liest im Sozialministerium).
Kleine Spannungsbögen und Fortsetzungsgeschichten halten den Leser bei der Stange. Eine Karrierekrise lässt mit dem Champion mitfühlen. Wahrscheinlich passt ein Mann wie er nicht in diese modernen Zeiten. Die Kritiker schreiben ihn nieder, die Fans kommen auch schon deppert. Und: "Im Kulturbereich hat sich mittlerweile der Spleen eingebürgert, dass die Leute vielfach nur mehr ,vegan' oder überhaupt gleich vegetarisch essen."
Es ist eine kleine Welt, durch die sich Austrofred bewegt. Vielleicht ist er einfach zu groß für sie: "Der Brian May hat letztens zu mir gesagt, sinngemäß, ‚Austrofred, what you do is so fantastic that the people cannot really check it now. Only when you are dead, they will see what you have been for a genius.'"

Sebastian Fasthuber in FALTER 5/2009 vom 30.01.2009 (S. 26)


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