Weiße Nacht

von David Schalko

€ 16,90
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Verlag: Czernin
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 136 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.09.2009


Rezension aus FALTER 40/2009

Ich erinnere mich genau. Der bewölkte Himmel, die Gulaschkanone, sein blauer Regenschirm, der Trachtenjanker, die Joop-Jeans, das rosa Hemd und dass er noch immer meinen Namen wusste. ,Thomas, schön, dass du da bist.' Ein Zeitlupenmoment, wie wir später sagten. (...) Und ich wich nicht mehr von seiner Seite." So beginnt David Schalkos (Jg. 1973) neues Buch "Weiße Nacht". Auffälligerweise nicht als Roman ­gekennzeichnet, erzählt es die Geschichte einer homoerotisch gefärbten Männerfreundschaft und Seelenverwandtschaft – präziser: ebenjener Seelenverwandtschaft zweier Lebens­menschen, die Österreich im Vorjahr so stark beschäftigt hat.
Stefan Petzner heißt bei Schalko Thomas, für Jörg Haider braucht es keinen Namen. Er ist einfach da – als Lichtgestalt, die auch mit Tieren sprechen kann, als Heilsbringer und Erlöser. Vom Turm des Strandbads aus stellt er seinem Volk die Frage: "Wollt ihr die bedingungslose gute Laune?" Beim Schwur unter Getreuen wird Udo Jürgens gesungen: "Denn immer, immer wieder geht die Sonne auf ..." Dazwischen bekommt Novize Thomas pseudobuddhistische Weisheiten eingebläut: "Nur wer nicht bei sich ist, sucht. Und wer sucht, der wird nicht finden."
Wer sich einen Schlüsselroman über Petzner, Haider und Kärntner Verhältnisse erwartet hat, den wird "Weiße Nacht" enttäuschen. Es geht hier nicht darum, wie die Beziehung der beiden Männer ausgesehen haben mag, und Haiders Todesfahrt wird nur am Rande gestreift. Vielmehr legt es der Autor darauf an, unter Einbeziehung von Elementen verschiedenster Trashgenres (Heimatroman, Groschenroman, esoterische Ratgeber) sowie der Werke Karl Mays die Faszination zu begreifen, die rechte Demagogen auf viele ausüben. Sie bedienen sich dabei der Strategien der Popkultur: Die grelle Inszenierung des Projekts "Endless Summer" soll die Dunkelheit auf ewig vertreiben. Das totale Glück!
Dass "Weiße Nacht" beim Lesen ziemlich gaga macht, ist vom Autor wohl intendiert. Man möchte ihm allerdings wünschen, dass sein Sprachgefühl von diesem Experiment keinen Knacks erlitten hat.

Sebastian Fasthuber in FALTER 40/2009 vom 02.10.2009 (S. 19)


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