Der Journalismus-Report VII

Lokaljournalismus und Innovation
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Lokaljournalismus hat just unter den Bedingungen von Globalisierung und Digitalisierung zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Wie kann er Qualität, Vielfalt und Präsenz an möglichst vielen Orten sichern? Der Journalismus-Report VII macht eine Bestandsaufnahme zur Soziodemografie, Diversität und Selbstverständnis der Produzent:innen, zeigt innovative Konzepte in Österreich und international, analysiert die Rolle von Lokaljournalismus in der Covid-19-Krisenkommunikation und diskutiert Möglichkeiten zu dessen Förderung. Außerdem geben erfahrene Praktiker:innen Einblick in zeitgemäße Ansätze von Lokaljournalismus.
Mit Beiträgen von: Christopher Buschow, Alexandra Folwarski, Jose Alberto García-Avilés, Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Naz Küçüktekin, Sonja Luef, Renée Lugschitz, Mirad Odobašić, Gerold Riedmann, Michael Roither, Katharina Schell, Philipp Wilhelmer, Florian Woschnagg.

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FALTER-Rezension

Der Lokaljournalist als Demokratiepfleger

Von seinen Großstadtkollegen wird er (oder sie) manchmal ein wenig belächelt: der Kollege von der Lokalredaktion. Immer umtriebig, mit allen per Du, bestens informiert über anstehende Hochzeiten in seinem Revier, Fußball-Regionalliga-Ergebnisse und Kabale der Ortspolitik. Für viele im Journalismus ist das Chronik-Ressort nur der Berufseinstieg, das Sprungbrett, das einen hinaufkatapultiert in die "großen", überregionalen Ressorts wie Politik, Wirtschaft oder Außenpolitik.

Dabei ist der Journalismus vor Ort, der inzwischen meistens "hyperregional", also im Mikrokosmos seiner Region, arbeitet, sowohl ökonomisch als auch von seiner Innovationskraft für Verlage inzwischen eine der wichtigsten Säulen. Und das nicht trotz, sondern wegen der Pandemie. Wie ticken Lokaljournalisten? Wie rechnet sich die aufwendige Infrastruktur vor Ort? Wie kann man gegen Gratis-Anbieter wie Facebook bestehen? Und warum ist Lokaljournalismus förderungswürdig? Das sind die Fragen, die sich die Autorinnen und Autoren des siebten Journalismus-Report gestellt haben, der dem Phänomen "Lokaljournalismus" gewidmet ist.

Die Antwort auf die letzte Frage gleich vorweg: Studien zeigen, dass "die bloße Existenz von Lokalmedien in einer Region positiv mit der Wahlbeteiligung auf kommunaler Ebene korreliert und das Verschwinden von lokalen Medienangeboten sich negativ auf die politische Partizipation auswirkt". Lokaljournalisten sind also so etwas wie die Demokratiepfleger, die die demokratiepolitische Infrastruktur abseits der Ballungszentren aufrechterhalten.

Rund ein Drittel der 5360 in Österreich gezählten Journalisten arbeiten lokal, der Frauenanteil liegt bei knapp 50 Prozent, Leitungsfunktionen nicht mit eingerechnet. Journalisten verdienen im Schnitt 3800 Euro brutto im Monat, Lokaljournalisten verdienen im Schnitt um 200 Euro weniger. Vom Selbstverständnis her verstehen sie sich stärker als Kritiker und Kontrolleure, Service ist ihnen wichtig - und auch, die Anliegen der "kleinen Leute" an die Entscheider in Politik und Verwaltung zu bringen. Ein Ergebnis, das gut zur Rolle als Demokratiepfleger passt.

Paradoxerweise ist die Regionalmedien-Szene in Österreich stark monopolisiert. Die Regionalmedien Austria AG hat mit ihren 129 lokalen Gratiszeitungsausgaben laut Media-Analyse eine Gesamtreichweite von 41,9 Prozent. Sie gehört zur Hälfte der Styria (Kleine Zeitung, Die Presse, Antenne Steiermark) und der Moser Holding (Tiroler Tageszeitung, Life Radio Tirol). In Ostösterreich dominieren die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) mit 28 Regionalausgaben und die Burgenländische Volkszeitung (BVZ), ganz im Westen hat das Medienimperium der Familie Russ (Vorarlberger Nachrichten, Neue Vorarlberger Tageszeitung, vol.at) in Vorarlberg eine absolute Monopolstellung.

Dem Russ-Imperium und seiner erfolgreichen Digitalisierungsstrategie ist auch eine der drei Good-Practice-Studien im Sammelband gewidmet (die anderen zwei sind der Falter und die Kleine Zeitung). Mit dem Sammeln von "Ländlepunkten" hat es Russmedia geschafft, dass sich 40 Prozent ihrer Leser inzwischen online einloggen, für das Angebot zahlen und vom Unternehmen nicht mit Cookies "verfolgt" werden müssen. Eine Idee, die durch die Google News Initiative finanziert wurde. Ende 2025 will Russmedia die Gehälter ihrer Journalisten aus digitalen Aboerlösen bestreiten.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Übermacht, die dadurch in Vorarlberg entstanden ist, fehlt allerdings.

Barbara Tóth in Falter 20/2022 vom 20.05.2022 (S. 23)

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Produktdetails
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ReiheJournalismus Report
ISBN 9783708921990
Erscheinungsdatum 16.05.2022
Umfang 172 Seiten
Genre Medien, Kommunikation/Journalistik
Format Taschenbuch
Verlag facultas
Herausgegeben von Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Sonja Luef, Renée Lugschitz, Daniela Kraus
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