Die Uhr, die nicht tickt
Kinderlos glücklich

von Sarah Diehl

€ 15,50
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Verlag: Arche Literatur Verlag AG
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Umfang: 256 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.11.2014


Rezension aus FALTER 10/2017

Kinder? Muss nicht sein

Sie seien egoistisch und würden es mal bereuen: Sarah Diehl wendet sich gegen die Anwürfe, denen kinderlose Frauen ausgesetzt sind

Sich ständig rechtfertigen zu müssen, warum sie denn keine Kinder habe, hatte die Mittdreißigerin, Autorin und Filmemacherin Sarah Diehl schon ziemlich satt. Dabei stellte sie selbst sich die Frage nicht einmal, es war schlicht kein Thema. Diehl begann Interviews mit Kinderlosen über deren Motive zu führen.
Zuerst auch mit Männern, doch rasch stellte sie fest, dass die sich oft gar nicht den Kopf darüber zerbrachen. Frauen beschäftigt das Thema viel mehr, sind sie doch ständig mit dem Bild der tickenden biologischen Uhr konfrontiert. Die Interviewten nannten unterschiedlichste Gründe, kein Kind zu haben: Weil sie sich nicht einschränken wollen. Weil sie die eigene Mutter als unglücklich erlebt hatten. Die überbordenden Ansprüche an Mütter. Viele verspürten einfach nie den Wunsch, sosehr sie auch in sich horchten.
Diehl stellt berechtigte Fragen: Warum irritiert Kinderlosigkeit bei Frauen so viel mehr als bei Männern – wo doch deutlich mehr Männer ohne Kinder bleiben? Warum ist nur die Rede vom Gebärstreik und nicht vom Zeugungsstreik? Wo bleiben die Männer, die bereit sind, Arbeit und Verantwortung gleichberechtigt zu übernehmen?
Diehl hinterfragt auch das Credo, wonach Wohl und Wehe der Industrienationen von der Demografie abhängen, zumal „eine Geburt in Europa 160 Mal mehr Umweltschäden (verursacht) als eine in Äthiopien“. Und warum sollen vor allem einheimische, gut ausgebildete Frauen Nachwuchs bekommen, während dieser bei Migrantinnen schon viel weniger begrüßt wird?
Diehls Plädoyer, Kinderlosigkeit vom Stigma zu befreien, ist absolut berechtigt. Ihren Anspruch, die Blockbildung zwischen Müttern und kinderlosen Frauen nicht zu verschärfen, erfüllt sie nur zum Teil. Das Buch sei kein „Abgesang darauf, Kinder zu haben“. Allerdings fällt die Betrachtung des Mutterseins und der „heteronormativen“ Mutter-Vater-Kind(er)-Konstellation nicht gerade positiv aus.
„Wenn ich mir meine Freundinnen ansehe, denke ich manchmal, dass ein Kind wie eine Eisenkugel am Bein ist. Ein erstickender Gedanke“, sagt eine. Eine andere sieht die Kleinfamilie gar als „antigesellschaftliche Institution“. Die Autorin selbst betitelt ein Kapitel mit „Die Unerträglichkeit der Kleinfamilie“. Was zeigt, dass auch Kinderlose mitunter mit recht engen (Mutter-)Bildern herumlaufen.

Gerlinde Pölsler in FALTER 10/2017 vom 10.03.2017 (S. 56)



Rezension aus FALTER 50/2014

Keine Kinder ist auch eine Option

Der Titel dieser Streitschrift leiht sich schlauerweise eine der hässlichsten Formulierungen, die es rund um die Fähigkeit des sich Reproduzierens gibt: "Die Uhr, die nicht tickt." Das Bild der tickenden Uhr ist assoziiert mit einer im nächsten Moment hochgehenden Bombe. Die Drastik diese Redewendung sollte seit jeher "rhetorische Sprengkraft" bereithalten, um die freiwillige Entscheidung, ob man nun eine Familie gründen möchte oder nicht, infrage zu stellen.
Die in Berlin lebende Autorin und Filmemacherin Sarah Diehl nähert sich dem Phänomen mit herzlicher Entschlossenheit für die Kinderlosigkeit. Sie finde Kinder wunderbar, schreibt sie eingangs, um klarzustellen, dass sie sich für die Pluralität von Lebensmodellen einsetzt. Diehl hat eine Reihe von Frauen und Männern befragt, aus welchen Gründen sie kinderlos geblieben sind.
Da gibt es vorhersehbare Zitate wie "Bin ich ein Freak?", aber auch komplexe Bilder wie die distanzierte Faszination für das Hervorbringen von Leben. Sarah Diehl orientiert sich an Diskursgrößen wie Barbara Vinken. Zwischen dem Anspruch an Wissenschaftlichkeit und dem Willen zu provozieren gerät ihre Argumentation jedoch zum Teil ins Sprunghafte. Sie positioniert sich aber dennoch gut im Diskurs der "Generation kinderlos".

Marianne Schreck in FALTER 50/2014 vom 12.12.2014 (S. 56)


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